Donnerstag, 24.06.2021
 
Seit 14:35 Uhr Campus & Karriere

Der Barbarenschatz

Wissenschaftliche Hintergründe einer Ausstellung

Ein Kiesbagger brachte es an den Tag: Mehr als tausend Metallgegenstände mit einem Gesamtgewicht von über 700 Kilogramm wurden Anfang der 1980er Jahre per Zufall bei Abbauarbeiten in einem Altrheinarm nahe dem pfälzischen Neupotz entdeckt. Es handelte sich um den größten römischen Metallfund Europas, der jetzt erstmals der Öffentlichkeit in einem breiten historischen Kontext präsentiert wird.

Von Barbara Weber

Mehr bei deutschlandradio.de

Externe Links:

Römisches Museum in Augsburg: Der Barbarenschatz

"Das erste Mal war ich eigentlich so was von überrascht. Ich hab' den Hortfund von Neupotz zum ersten Mal in - ich glaube es war 1987 oder 88 in einer kleinen Ausstellung im Heimatmuseum Rheinzabern gesehen. Ich war beteiligt an einer internationalen Tagung in Freiburg und bei dieser Gelegenheit hatte man eine Exkursion organisiert. Und es hieß, ja, wir besuchen unter anderem einen relativ neuen Hortfund, der in Rheinzabern ausgestellt ist."

Dr.Michael Petrovszky, Sammlungsleiter des Historischen Museums Speyer, zuständig für die Abteilung Römische Archäologie.

"..und als wir da reinkamen, da war ich - ich war buchstäblich erschlagen, so eine Menge habe ich noch nie an einem Ort gesehen. Der ganze Hortfund, der bis zu dieser Zeit angesammelt wurde, war hier ausgestellt, ein großer Raum, alle Wände und Vitrinen dazwischen waren voll, voll mit allem möglichen an Gefäßen, Geräten und Waffen, also so etwas hat uns alle verblüfft. Dann ist mir erst richtig bewusst geworden, was wir da vor Augen haben, und vor allem diese Reichhaltigkeit, dieser Reichtum, was eigentlich das beste Bild der römischen Provinzen um die Mitte des 3.Jahrhundert überliefert, weil hier alles angesammelt war, was damals im Umlauf war. Wir haben richtig ein Bild aus dem Leben Mitte des 3.Jahrhunderts."

"Ich war kaum ein Jahr im Amt, und da ging's schon los, dass solche Fundobjekte kamen von diesem Kiesbaggerweiher. Und ich war allein zu der Zeit in der Werkstatt, und wusste überhaupt noch nicht so richtig, wo mir der Kopf steht mit Werkstattaufbau und allem und war dann schon ziemlich konfus am Anfang und hab' dann halt nach einer Methode gesucht, wie ich durch diese Masse von über tausend Objekten durchkommen kann. "

Ilona Hoffmann, Restauratorin am Landesamt für Denkmalpflege, Speyer.

"Der geheiligten Göttin Victoria wegen der Barbaren des Stammes der Semnonen oder Juthungen, am achten und siebten Tag vor den Kalendern des Mai niedergemacht und in die Flucht gejagt von den Soldaten der Provinz Raetia, ebenso von in Germanien stationierten (Soldaten) und gleichwohl durch Landsleute. Dabei wurden viele Tausende gefangene Italer herausgerissen. Mächtig ihrer Gelübde (hat) Marcus Simplicinius Genialis, als Ritter handelnd anstelle des Praeses mit demselben Heer freudig nach Gebühr (den Altar) aufgestellt. Geweiht am dritten Tag vor den Iden des Septembers, als der Herrscher unser Herr Postumus Augustus und Honoratianus Konsuln waren."
Augsburger Siegesaltar, 259/260 n.Chr.

Seit den 40er Jahren bringen Baggerarbeiten am Rhein zwischen Selz und Mannheim immer wieder antikes Beutegut an den Tag. Wie Archäologen aus Speyer inzwischen herausgefunden haben, stammen diese Funde aus den Jahren 259 und 260 n.Chr. Den größten Hortfund dieser Art machten Baggerführer der Firma Ludwig und Willi Kuhn in einer ehemaligen Mittelrheinschleife in Neupotz. Die Brüder informierten das Amt für Denkmalpflege und stellten die Alemannenbeute anschließend im Heimatmuseum von Rheinzabern aus. Der Ausstellungsort war allerdings so gewählt, dass der Schatz weitgehend fast unbemerkt von der Öffentlichkeit blieb.

Erst viele Jahre später gelangte er dann als Dauerleihgabe an das Historische Museum Speyer. Ein Traum von Sammlungsleiter Michael Petrovszky ging in Erfüllung. Endlich konnte er die Stücke einer breiten Öffentlichkeit präsentieren und sie dann auf Reisen schicken in andere Museen.
Doch bis dahin war es noch ein weiter Weg.
Vor allem musste die Sammlung zunächst wissenschaftlich aufgearbeitet werden:

"Man hat feststellen können, dass das ganze eigentlich eine Beute ist, dass es sich um Plünderungsgut handelt, dass - die Umstände sind jetzt nicht hundertprozentig bekannt - aber höchstwahrscheinlich bei Auseinandersetzungen zwischen den Beutemachern, und in diesem Fall hat sich herausgestellt, das sind Germanen gewesen, ..., Alemannen in diesem Fall, und der römischen Flotte, und bei dieser Auseinandersetzungen ist die Beute verloren gegangen. Diese Einfälle sind zum Teil auch historisch überliefert einerseits, andererseits ...liefert das Material eine Menge Informationen zum Zeitpunkt des Versenkens und ... zum Herkunftsgebiet dieser gesamten Situation dieser Hortfunde. "

Der Unterschied zwischen einem Hortfund und einem Beutefund ist für Wissenschaftler klar zu erkennen, meint Michael Petrovszky:

"Ein Hortfund, ein Versteckfund in dem Sinne, ist ja nichts anderes als das Verbergen des eigenen Besitzes: ... Die Stücke sind untereinander abgestimmt, das sind also Service, also zusammengehöriges Zeug. Und auch natürlich: Die Masse ist beschränkt. In diesem Fall handelt es sich aber um ein sehr heterogenes Material, das mehr oder weniger zusammen gehört ... und vor allem der Umfang ist so was von riesig, dass man das als Eigentum einer einzelnen Person oder Familie, sich gar nicht vorstellen kann. "

Die germanischen Plünderer haben alles mitgenommen, was nicht niet und nagelfest war: Getreide, Lebensmittel, wertvolle Stoffe, Mobiliar und Gefangene. Von den organischen Materialien ist aber kaum noch etwas erhalten, schriftliche Quellen geben hier besser Auskunft. Was hingegen gut erhalten ist, sind Gegenstände aus Metall. Und hier zeigten sich die Germanen nicht wählerisch:

"Sie konnten natürlich alles gebrauchen. Das Metallzeug war natürlich enorm wichtig. Und es kam auch im Prinzip nicht darauf an, wie gut es erhalten war, man hat auch .... die kaputten Sachen mitgeschleppt. Da war Rohstoff gefragt. Wir können aber einige Feinheiten da unterscheiden, zum Beispiel bei Bronzegefäßen, da kam es primär auf den ganzen, kompletten Zustand dieser Gefäße an. Man hat sich die Mühe gemacht, auch riesige, sehr dünnwandige Gefäße mitzuschleppen, die natürlich sehr wenig platzsparend sind, haben allerdings die anderen Objekte versucht so weit wie möglich, ganz ordentlich da hinein zu stapeln in die großen Kessel, und so ist natürlich auch ein Großteil gut erhalten...worden."

Eisenteile wie Werkzeuge, Geräte, Waffen - alles, was man zusammenraffen konnte, haben die Germanen mitgeschleppt - aber auch Schrott, um ihn wieder zu verwerten.

"Anders ist die Situation bei Edelmetall, zum Beispiel Silbergefäße, Gold haben wir so gut wie nichts dabei, aber das muss eigentlich auf die Fundumstände zurückzuführen sein, weil das Ganze wurde ja von riesigen Baggerschaufeln herausbefördert, und die kleinen Objekte sind meistens verloren gegangen. Bei Silber haben wir festgestellt, dass da es keine Rolle gespielt hat, wie schön und wie gut dieses Silber erhalten war, was für herrliche Arbeiten das waren, da kam es nur auf's Metall an, .... und das wirft natürlich noch ein spezielles Licht auf die Vorgehensweise, und ein Hinweis darauf, dass die Germanen wussten, dass die Rheinüberquerung doch ein sehr schwieriges Unterfangen ist. Sie hatten ganz einfach die Beute geteilt. Und bei Silber, da wurde natürlich auf Gramm geteilt, da wurden die Silbergefäße und Silberschmuck abgewogen und unter den Beteiligten verteilt. Man hat es zum Teil brutal zerhackt. Es kam auf künstlerische oder andere Aspekte überhaupt nicht an, sondern nur das Metall war wichtig. Das konnte man als Rohstoff ....gebrauchen."

So wurde ein silberner Becher, der Szenen aus der römischen Mythologie zeigt, in einzelne Teile zerhackt. Bei manchen Gegenständen verwundert die fast moderne Formgebung: Schlichte Löffel mit einem runden dünnen Griff erinnern an skandinavisches Design. Kleine Schalen weisen in ihrem Boden graphische Verzierungen auf. Reichhaltige, florale Ornamente schmücken die Reste eines kostbaren Tellers, den die Räuber wie ein Stück Pizza zerschnitten haben. Elegant geformte Kugelvasen und Kultgegenstände wie eine Löwenmaske überdauerten die Jahrhunderte im Rhein.

Szenenwechsel, Landesamt für Denkmalpflege in Speyer. Über einen Bronzekessel beugen sich die Restauratorin Ilona Hofmann und der Archäologe Michael Petrovszky. Michael Petrovszky sieht den Kessel zum ersten Mal, denn er wurde erst vor wenigen Tagen geborgen:

"H: Das ist ein römischer Bronzekessel, vergleichbar mit dem Fund aus Neupotz, ... es ist wohl die gleiche Zeit und unter gleichen Voraussetzungen auch gefunden, aus einem Baggerweiher. Es lag halt lange Jahrhunderte unter Ausschluss von Sauerstoff im Wasser und ist dadurch so gut erhalten, dass sich keine Korrosion bilden kann ohne Sauerstoff.
P: Also für mich ist das eindeutig ein Westland Kessel aus der ersten Hälfte des 3.Jahrhunderts, in einer typischen Baukonstruktionsweise, also ein getriebenes Gefäß..., sehr dünnwandig mit Eisenrand. Und zwar ist dieser Eisenrand ...quadratisch im Profil, rhombisch, sagen wir so und ist unten geschlitzt....
H: Ja, genau.
P: ...und drauf gesteckt auf diesen Bronzerand, Bronzebecken und nachher zusammengepresst. Das ist eine typische Konstruktion der Kessel aus dem 3. und der 2. Hälfte des zweiten Jahrhunderts, hat allerdings noch was sehr interessantes, ... und zwar ist der obere Rand zylindrisch aufgenietet auf dem gewölbten Boden, und mit sehr dichter Nietreihe. Und die Atachen sind leider nicht ganz erhalten, ... diese Griffteile, wo der Griff befestigt war, und da sind zwei knopfartige Nieten, aber da fehlt einiges...(Atmo)
H: Was komisch ist, dass man gar keinen Ansatz sieht, ne...
P: Ja, nichts.
H: Irgendwas muss doch da dran befestigt gewesen sein.
P: Das deutet darauf hin, dass da ein Blech höchstens war....Wenig Belag innen, das könnte ja - was ist das da von der Ablagerung, da, das braune?
H: Schwierig zu sagen, Aber es geht gut aber (Atmo kratzen)
P: Man sieht sehr gut die Herstellung. Man sieht sehr gut die Treibhammer. .."

Petrovszky ist begeistert. Das Gefäß entspricht denen, die auch in Neupotz gefunden wurden. Diese Kübel waren sehr begehrt. Etwa fünfzig Zentimeter Durchmesser - so schätzt Ilona Hoffmann - misst der Behälter. Deren Besitzer konnten bequem darin zwanzig Liter Flüssigkeit aufbewahren. Wurden die Gefäße undicht, dienten als Vorratsbehälter für festere Stoffe.

Inzwischen beginnt Ilona Hoffmann mit der Restaurierung. Solche großen Gefäße sind mühsam mit einem Skalpell zu bearbeiten. Der Ultraschallmeißel, vielen bekannt aus der Praxis des Zahnarztes, wo er zur Zahnreinigung dient, kann Abhilfe schaffen.

"Wenn ich mit dem arbeite, das ist sehr schonend für die Oberfläche, weil das nur in der horizontalen Ebene arbeitet, also das hackt nicht in die Senkrechte sondern bleibt wirklich flach auf der Oberfläche und sprengt den Schmutz ab, macht aber sehr viel Staub, deswegen muss man die Absauganlage anschalten (Atmo). Und das ist dann immer sehr laut und ungemütlich, aber unbedingt nötig, sonst würd' man den ganzen Schmutz einatmen. Und dann kann man versuchen, auf der Oberfläche entlangzugehen mit diesem Ultraschallmeißel. Und wie sie sehen, springt der Schmutz ganz prima ab. Das ist nicht die Regel, meistens funktioniert es so gut nicht, meistens funktioniert es auf einem Quadratzentimeter ganz prima, dann kommen wieder fünf Zentimeter, da geht gar nichts, und dann muss man wieder mit anderen Mitteln probieren, mit vielleicht einem Schleifgerät ganz vorsichtig, mit Diamantschleifer, wobei das bei Bronze auch sehr gefährlich ist und eigentlich unterlassen wird, wenn es andere Möglichkeiten gibt."

Auch wenn die Gegenstände fast identisch sind mit dem Fund von Neupotz, hat die Masse der Fundstücke seinerzeit die Restauratorin vor ein fast unlösbares Rätsel gestellt.

"Dann hab' ich überlegt, wie komm' ich durch diese Masse von Funden durch mit vielleicht unkonventionellerer Methode, die aber einfach schneller geht ... . Bei über 600 Gefäßen von der Größe zum Teil, es gab natürlich auch kleinere, aber das ist schlicht unmöglich, an so einem Gefäß sitzt man schon mehrere Wochen, wenn man es per Hand schaben wollte. "

Die Frage stellte sich: Was geht schnell und schadet den Objekten nicht.

"Und dann habe ich verschiedene Versuche gemacht mit einem Sandstrahlgerät. Wenn man Bronze und Sandstrahlgerät in einem Atemzug hört, dann wird's einem meistens schon ganz komisch, weil das eigentlich nicht zusammen geht. Normalerweise nimmt man das Sandstrahlgerät für Eisenteile zu sandstrahlen, die sehr robust und sehr stabil sind, aber nicht für so eine dünne Bronze. ... Und dann habe ich aber versucht mit verschiedenen Strahlmitteln, es gibt Wallnussschalen-granulat, was relativ weich ist hab' ich versucht. Es war aber dann die Oberfläche ganz stumpf. Dann hab' ich mit Rubinstrahlmittel probiert. Das war wunderbar, aber das konnte man nicht bezahlen. ... Und dann hab' ich mit Glasperlen probiert, ganz kleinen, und das ging ganz prima. "

Was die Restauratorin verblüffte: Die Silberschmuckstücke waren zum Teil so gut erhalten, dass sie mit einem Silberputztuch gesäubert werden konnten.

Zu Beginn des 3.Jahrhunderts waren die Menschen in den römischen Provinzen wohlhabend. Gut ausgebaute Straßenzüge verbanden Zentren wie Köln, Mainz und Straßburg. Sie führten weiter nach Westen bis nach Frankreich; im Süden schließlich über die Alpen.

Die ländliche Bevölkerung lebte in Gehöften, sogenannte villae rusticae. Je nach Größe konnte ein Gehöft mehrere Dutzend Menschen beherbergen. Die Häuser waren komfortabel ausgestattet mit Fußbodenheizung, Thermen, manchmal auch Bodenmosaiken.

Dr.Salvatore Ortisi arbeitet am Institut für klassische Archäologie und provinzial-römische Archäologie an der Universität Köln. Er hält die Ausstattung in einem römischen Provinzialhaushalt durchaus vergleichbar mit einem in Pompeji, über das er gerade forscht:

"Was auf jeden Fall dazugehört ist ein Satz Küchengeschirr, Kochgeschirr, große Kessel, dann das entsprechende Speisegeschirr, das Tafelgeschirr aus Bronze, denke ich mal, das ist im 3.Jahrhundert die Regelausstattung. Bei den gehobeneren Anlagen ist es dann sicherlich Silber und vielleicht, je weiter man in diese große Villenbereiche vordringt, sicherlich auch Gold, also Edelmetalle spielen da in der Repräsentation des Grundbesitzers eine ganz große Rolle. Dann gibt es natürlich die Ausstattung der Heiligtümer..., kleine und größere Kultstatuen aus Bronze oder Silber, auch da hat man entsprechende Belege in den Schatzfunden. ... Was anderes findet man letztendlich in Stadthäusern auch nicht."

Eine lange Friedenszeit brachte den Provinzialbewohnern einen gewissen Wohlstand. Das belegen die Hortfunde eindeutig.

"Was da an Edelmetallen, an Werten geschaffen worden ist in der Zeit, und das weckt Begehrlichkeiten, natürlich. Also wenn man über den Rhein sieht und sieht, dass der andere wesentlich mehr hat als ich, klar, das spielt sicherlich auch eine große Rolle. ... Und die Völker jenseits der Grenzen nutzen natürlich die innere Schwäche des Reiches, nutzen die Chance, dass die Kastelle nicht entsprechend besetzt sind, dass die Truppen gerade auf dem Weg nach Rom sind, um irgendwelche Thronansprüche durchzusetzen, um dann über den Rhein drüberzugehen und sich da zu holen, was sie selber nicht erwirtschaften können."

Die Germanen plünderten alles: Landgüter, Heiligtümer, Händler, Werkstätten. Um große Städte machten sie meist einen Bogen. Wahrscheinlich schien es ihnen zu gefährlich, da sie massiven und zahlreichen Widerstand fürchteten.

Die späten 50er und 60er Jahre des 3.Jahrhunderts waren die Zeiten großer Unruhen: große Gebiete verlieren die Römer an die Germanen. Der Limes wird in weiten Teilen aufgegeben. Die gallische Bevölkerung fürchtet große germanische Einfälle, das belegen Versteckfunde in Frankreich. Die Plünderungen reichen bis nach Oberitalien. Von diesen Raubzügen ist die ländliche Bevölkerung am stärksten betroffen. Viele Villen werden verlassen. Darunter leidet die Bevölkerungsdichte. Die Ausstattung der Villen hingegen ist nicht mehr so reich. Neu auftauchende germanische Elemente lassen auf einen Bevölkerungswechsel schließen.

Die ursprüngliche Bevölkerung fühlte sich nicht nur von den Germanen bedrängt. Auch im Innern gab es Unruhen und Plünderungen:

"Neben der Bedrohung von außen und den Verlusten durch die Germaneneinfälle wird natürlich auch der Steuerdruck enorm in dieser Zeit. Diese Kriege müssen finanziert werden, eben nicht nur hier am Rhein und an der Donau gibt's Probleme sondern auch im Osten. Die ... Perser machen Schwierigkeiten, auch da gibt es große Kriege. Alles kostet Geld und das zieht man natürlich aus der Provinzbevölkerung. Gleichzeitig muss man wahrscheinlich auch sagen, dass es für den Bauern wahrscheinlich relativ egal war, wer ihm seine Ernte weggenommen hat, ob es jetzt die Germanen waren oder die römische Armee, die durchzog, weil da kannte das römische Militär keine Zurückhaltung. Man hat sich genommen, was man gebracht hat. "

Nicht nur Habgier brachte die Germanen dazu, Mitte des 3.Jahrhunderts die römischen Provinzen zu überfallen. Denn die Frage stellt sich, warum Völker, die über Jahrhunderte friedlich Handel getrieben haben, plötzlich Krieg führen. An der Universität Köln wird zur Zeit eine Hypothese überprüft, die ein Schlaglicht auf diese Periode wirft:

"Das sind neuere Ergebnisse aus der Klimaforschung, die zeigen kann, dass das 3.Jahrhundert eine Zeit war, in der sich das Klima hier in Mitteleuropa offensichtlich gewandelt hat. Das muss zu Einbrüchen in den Ernteerträgen geführt haben. Das ist ein Phänomen, das vielleicht hier im Provinzgebiet, also bei den Römern noch durch die Wirtschaftsform, die ja stärker auch auf Überschuss angelegt war, die auch intensiver und effizienter war als im sogenannten freien Germanien, noch aufgefangen werden konnte, auch wenn man davon ausgehen kann, dass dieser Ernterückgang auch hier schon in der ländlichen Bevölkerung, in der Besiedlung sichtlich dazu geführt hat, dass unrentable Betriebe aufgegeben wurde."

Ganz anders bei den Germanen, die große Schwierigkeiten gehabt haben dürfen, Ernteausfälle auszugleichen.

"Die germanischen Bauern dürften weitestgehend Subsistenzwirtschaft betrieben haben, also die haben für ihre Eigenversorgung produziert. Zwei, drei, vier Missernten in Folge führen da sicherlich dazu, dass denen gar nichts anderes übrig bleibt, als entweder dass, was sie zum Leben brauchen, zu stehlen oder zu verhungern. ... Das ist sicherlich sehr vielschichtig, die Ursachen. "

Habgier oder Not - was auch immer zu den Plünderzügen geführt hat, im Ergebnis beschert uns heute der Barbarenschatz tiefe Einblicke in die Lebenswirklichkeit des 3. Jahrhunderts n.Chr. - und das ist in dieser Form sicherlich einmalig.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk