Sonntag, 26. Juni 2022

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Der Bariton Lawrence Winters
Paraderolle mit Gershwin

Lawrence Winters war einer der ersten erfolgreichen schwarzen "Klassik-Sänger" seiner Zeit. Er begeisterte mit Liederabenden und war 1951 die erste männliche Titelpartie in Gershwins Oper "Porgy & Bess". Es gelang ihm, die rassistischen Vorurteile des US-amerikanischen Kulturbetriebes zu überwinden.

Am Mikrofon: Niklas Rudolph | 05.11.2020

Eine Schwarzweißfotografie zeigt einen afro-amerikanische Opernsänger, der eine Art Westernhemd trägt und die Hand mit zwei ausgestreckten Fingern zum Gruß am Kopf hält.
Der US-amerikanische Bariton Lawrence Winters in den 1960er Jahren bei einem Auftritt in einer Musiksendung im deutschen Fernsehen. (imago stock&people/United Archives)
1951 war es der Bass-Bariton Lawrence Winters, der in der ersten Gesamtaufnahme von George Gershwins "Porgy and Bess" die Titelpartie sang. Zu diesem Zeitpunkt konnte er bereits auf eine längere Karriere am New Yorker Broadway zurückblicken.
Trotz aller Widrigkeiten, die Schwarze Künstler im segregierten Amerika zu ertragen hatten, gelang ihm eine beispiellose internationale Laufbahn. 1948 debütierte er an der New York City Opera, sang zahlreiche Uraufführungen und legte mit seiner Ersteinspielung von "Porgy and Bess", gemeinsam mit der Schwarzen Sopranistin Camilla Williams, einen Meilenstein der Schallplattengeschichte.
Lawrence Winter hatte ein auch Faible für den deutschen Liedgesang und für traditionelles Liedgut. Zweimal war er mit Songs in den deutschen Single-Charts.
Für die Hamburger Produktion von "Porgy and Bess" in englischer Sprache hatte der Norddeutsche Rundfunk ihm die damals 31-jährige Anneliese Rothenberger zur Seite gestellt. Sie sang seit 1946 im Ensemble der Hamburgischen Staatsoper, an der auch Lawrence Winters seine letzten Lebensjahre verbrachte. Er verstarb im Alter von nur 49 Jahren.