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Der Bundesfreiwilligendienst

Mit dem 1. Juli 2011 endete in Deutschland der Zivildienst und auch die Wehrpflicht gibt es nicht. Stattdessen gibt es nun den sogenannten Bundesfreiwilligendienst. Ein Überblick, über die wichtigsten Fakten des neuen Dienstes.

Von Philip Banse | 28.01.2012

Der Bundesfreiwilligendienst dauert in der Regel zwölf Monate. In Ausnahmefällen sind auch sechs oder 24 Monate denkbar. Die Bundesfreiwilligen arbeiten Vollzeit, nur ältere Menschen können sich ihren Freiwilligendienst auch 20 Stunden in der Woche verkürzen lassen. Ja, genau: ältere Menschen. Denn anders als den Zivildienst kann den Bundesfreiwilligendienst fast jeder machen, sagt Katja Laubinger vom Bundesfamilienministerium:

"Die einzige Voraussetzung ist, dass die Vollzeitschulpflicht erfüllt ist, eine Altersgrenze nach oben gibt es nicht. Und wir haben erfreulicherweise auch ein Viertel der Freiwilligen, die über 27 Jahre alt sind. Das heißt ist dem Bundesfreiwilligen werden auch Ältere angesprochen und Männer und Frauen haben jetzt gleichermaßen die Möglichkeit diesen Dienst zu tun."

Auch Ausländer können Bundesfreiwillige werden, wenn sie zur Erwerbsarbeit berechtigt sind. Derzeit gibt es 35.000 Stellen für Bundesfreiwillige, gut 29.000 von ihnen sind besetzt. Bundesfreiwillige werden oft in sozialen Bereichen eingesetzt, also Altenheimen, Krankenhäusern und Kindergärten. So wurden alle alten Zivildienstplätze in Bundesfreiwilligenplätze umgewandelt. Es gibt aber auch viele Stellen für Freiwillige in den Bereichen Kultur, Sport und Natur- oder Katastrophenschutz. Jan Beyer etwa arbeitet beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland in Berlin. Beyer ist 22 Jahre alt und freut sich, vor dem Studium in der Onlineredaktion Erfahrungen machen zu können:

"Vor allem die Verbindung dieser praktischen Arbeit und dem guten Zweck hat mir besonders gefallen. Das war der Hauptgrund, warum ich mich dafür entscheiden habe."

Der Bundesfreiwilligendienst hat den Rang einer Ausbildung: Es gibt mehrwöchige Fortbildungsseminare und am Ende ein Zeugnis. Alle Freiwilligen sind auch sozial versichert, alle Beiträge, auch den Arbeitnehmeranteil zahlt die Arbeitsstelle. Viel Geld verdienen lässt sich als Freiwilliger nicht. Die Freiwilligen können lediglich ein Taschengeld von maximal 330 Euro im Monat aushandeln. Dazu könne noch die Kosten für Unterkunft, Verpflegung und Dienstkleidung in bar ausgezahlt werden. Jan Beyer kommt so auf knapp 500 im Monat. Wenn die bescheidene Bezahlung nicht schreckt, kann sich sofort auf die Suche nach einer anerkannten Einsatzstelle machen, die Hilfe gebrauchen kann, sagt Katja Laubinger vom Familienministerium:

"Zunächst mal kann man sich eine Einsatzstelle direkt suchen, die man anspricht. Wir haben auf unserer Webseite auch eine Platzbörse. Da kann man sich mal einen Eindruck verschaffen, was es für Einsatzstellen gibt und kann sich dann direkt an die Einsatzstelle wenden. Die geben dann auch die Informationen über die Bereiche, in denen man tätig sein kann.""

Werden sich beide Seiten einig, schließen sie einen Vertrag. Dieser Vertrag muss dann geprüft werden vom Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben. Diese Bürokratie übernimmt aber die Einsatzstelle. Bundesfreiwillige sind oft sehr motiviert und können eine große Hilfe sein. Vor allem kleine Initiativen, Vereine und Verbände, die nur ein oder zwei Freiwillige brauchen, sollen berücksichtig werden. Katja Laubinger vom Familienministerium erklärt, was Organisationen zu müssen, um Bundesfreiwillige beschäftigen zu dürfen:

"Die Einsatzstellen können sich ans Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben wenden. Dort werden Einsatzstellen anerkannt. Wir haben alle Einsatzstellen, die den Zivildienst angeboten haben, anerkannt und natürlich noch zusätzliche Einsatzstellen auch in neuen Bereichen wie zum Beispiel Umwelt, Kultur, Integration und Sport."