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StartseiteHistorische AufnahmenReflektierte Präzision12.09.2019

Der Dirigent Christoph von Dohnányi Reflektierte Präzision

Aufgewachsen in einer von Politik und Zeitgeschichte geprägten Familie, zählt der Dirigent Christoph von Dohnányi zu den großen Musikerpersönlichkeiten der letzten Jahrzehnte – als Visionär einerseits und als Praktiker mit Hang zur Disziplin andererseits.

Am Mikrofon: Christoph Vratz

Bildnummer: 54840051 Datum: 30.05.1989  CTK Photo/Zuzana Humpalova Schwarz-weiß-Foto, Christoph von Dohnányi trägt einen Frack mit weißer Fliege und dirigiert mit einem Taktstock Von 1982 bis 1984 war von Dohnányi Music Director Designate des Cleveland Orchestra und wurde dessen sechster Music Director, eine Position die er von 1984 bis 2002 bekleidete (imago stock&people)
Christoph von Dohnányi dirigiert beim Prager Frühling 1989 das Cleveland Orchestra, dessen Music Director er von 1984 bis 2002 war (imago stock&people)
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Er versteht sich nicht als großer Taktstock-Zampano, sondern eher als eine Art Anwalt der Noten. Eine gewisse Bescheidenheit hat den vor 90 Jahren in Berlin geborenen Christoph von Dohnányi stets ausgezeichnet. Vielleicht liegt dies auch an seiner Herkunft, denn er entstammt einer von Politik und Zeitgeschichte geprägten Familie.

Schulisch wie musikalisch ausgebildet in Bayern, hospitierte von Dohnányi bei Georg Solti, der einst bei Dohnányis Großvater in Budapest studiert hatte. Prägend wurden für den jungen Dirigenten seine Jahre am Frankfurter Opernhaus, bevor er über Köln und Hamburg zum traditionsreichen Cleveland Orchestra wechselte, das er fast 20 Jahre lang leitete. Er war regelmäßiger Gast an allen führenden Konzert- und Opernhäusern – mit Ausnahme von Bayreuth, wo er krankheitsbedingt absagen musste.

Als er nach Europa zurückkehrte, ging er in London und Hamburg zwei neue musikalische Bindungen ein. Stets hat er sich leidenschaftlich gegen jede Form von Schlendrian in Kultur und Bildung ausgesprochen. Er war der Ansicht, Kunst könne nicht seicht sein, aber man dürfe das Publikum nicht zum Hören zwingen, sondern müsse "Neugierde wecken": "Man sollte vergangene Musik als Ursprung heutiger Musik darstellen und nicht als Endprodukt einer Epoche", so von Dohnányi.

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