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StartseiteSonntagsspaziergangDer ehrenwerte Berg27.06.2010

Der ehrenwerte Berg

Aufstieg zum Fuji-San, Japans heiligem Gipfel

Mit 3776 Metern ist der Fuji Japans höchster Berg und das Wahrzeichen des Landes. In der Gipfelsaison besteigen ihn täglich rund 3000 Touristen. Alpinistisch ist der Fuji eher anspruchslos, wichtiger sind eine gute Kondition, wetterfeste Kleidung und vor allem gute Nerven.

Von Joern Klare

Lohn der Mühe: Ein Sonnuntergang auf dem Fuji-San (Jörn Klare)
Lohn der Mühe: Ein Sonnuntergang auf dem Fuji-San (Jörn Klare)
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Er liegt auf dem gleichen Breitengrad wie Kreta. Die Deutschen nennen ihn Fujiyama, die Japaner Fujisan, wobei das Anhängsel jeweils "Berg" bedeutet. Die Aussprache japanischer Schriftzeichen wandelt sich, daher die Unterschiede. Die Bedeutung des Namens ist unklar, vielleicht "reicher Krieger", vielleicht "endloser Berg", vielleicht auch "Blume" oder "Regenbogen". Auf jeden Fall ist er mit 3776 Metern Japans höchster und heiligster Berg - Wohnsitz shintoistischer Götter. Im Jahr 663 soll ein unbekannter Mönch erstmals auf dem Gipfel gestanden haben. Für Frauen war der Fuji bis 1868 strikt verboten. Wer heute in der offiziellen zweimonatigen Gipfelsaison im Juli und August den Berg besteigen möchte, braucht eine gute Kondition, gute wetterfeste Kleidung und gute Nerven.

Ein paar Dutzend Frauen und Männer, meist über 60 Jahre alt und komplett weiß gekleidet folgen mehr schlurfend als schreitend einem Lautsprecherwagen. In den Händen halten sie grob geschnitzte Wanderstöcke, an denen kleine Glöckchen baumeln. Die Ansage lautet: "Mögen unsere sechs Sinne gereinigt und möge das Wetter an diesem ehrenwerten Berg schön sein."

Die Pilger - sogenannte Fuji-Go, sind auf dem Weg zum shintoistischen Sengen-Schrein am Fuße ihres heiligen Berges, dem Fuji-San. Heute ist ihr großer Tag, denn heute wird wie an jedem ersten Juli die offiziell nur zwei Monate währende Gipfelsaison eröffnet.

Am Eingang zum Schrein steht zwischen mächtigen Bäumen und bemoosten Steinlaternen ein rotes Holztor mit der Inschrift: "Der höchste Berg der drei Länder". Gemeint sind Japan, China und Indien, im Altertum Sinnbild für die ganze Welt. Auf dem leicht ansteigenden Weg aus alten Steinplatten wuseln drei Dutzend ebenfalls weiß gekleidete Kinder im Vorschulalter. Sie halten sich paarweise an den Händen und sind sehr aufgeregt. Noch aufgeregter sind die Eltern, die alles, aber auch wirklich alles filmen und fotografieren.

Im Jahr 806 wurde an dieser Stelle erstmals ein Schrein zu Ehren des Fuji errichtet. Die jetzige Anlage stammt von 1604. Vor dem Hauptgebäude - eine überdachte Bühne. Zehn Trommler und Flötenspieler begleiten einen Tänzer in weitem, prachtvollem Gewand. Er trägt eine lächelnde weiße Maske. Seine Bewegungen folgen den Ritualen des Shinto, was so viel wie "Weg der Götter" bedeutet.

"He says the Mount Fuji is to be proud to the world."

Einer der Pilger, eine echter Fuji-Go. Er ist knapp 60 und sehr hager, neben ihm etwas kleiner und richtig dick die Tochter. Beide lächeln, sie bemüht sich zu übersetzen. Dabei scheint einiges verloren zu gehen. Fuji, sagt sie stolz mit stolzem Blick, bedeutet "stolz gegenüber der Welt zu sein".

"Auch wenn es für die Leute sehr anstrengend ist, den Berg zu besteigen, ist die Befriedigung auf dem Gipfel groß.
Schön - wollen sie denn selbst hinauf zum Gipfel? Vater und Tochter schauen sich an, schweigen, lächeln und gehen weiter. Dabei machen sie einen sehr stolzen Eindruck."

Weiter im Programm - 50 Fuji-Pilgerinnen zeigen einen Tanz. Die Choreografie ist auf das meist schon etwas reifere Alter der Damen abgestimmt. Ein paar stolze Schritte im Kreis, stolzes Klatschen, stolz den Arm heben, eine angedeutete Verbeugung - natürlich: stolz. Dann den anderen Arm heben und so weiter. Die Gesichter sind dabei sehr ernst, was wohl weniger der religiösen Ergriffenheit geschuldet ist als der Angst, eine falsche Bewegung zu machen.

Eine Stunde später, am Hinterausgang der Anlage: der Höhepunkt des Tages. Ein Mann in der Verkleidung eines Waldschrates, was auf einen mächtigen shintoistischen Gott verweisen soll, diskutiert mit einem Haufen Kameraleute und Fotografen über Perspektiven, Lichtverhältnisse und Bildausschnitte. Nach einer komplizierten aber gütlichen Einigung zerschlägt er dann im Blitzlicht der Kameras mit einem großen Holzhammer ein dickes Tau, das den Durchgang durch das entscheidende Steintor zum Fuji-San versperrt.

Die Gipfelsaison ist eröffnet.

Ein dichter, tiefer, fast schon märchenhafter Mischwald. Der Weg ist etwa einen Meter breit und mal mehr, mal weniger steil. Hin und wieder tauchen aus dem Morgendunst eine moosbewachsene Steinskulptur oder ein steinernes Tor auf.

Der mehr als tausend Jahre alte Yoshidaguchi Pfad führt über 19 Kilometer und knapp 3000 Höhenmeter direkt zum Gipfel. Der älteste Pilgerweg auf den Fuji-San ist in zehn Stationen unterteilt. Die Ursprünge sollen eine buddhistische Bedeutung haben, die einzelnen Abschnitte verschieden hohen Bewusstseinsstufen entsprechen.

Eine einsame Wanderung im einsetzenden Regen irgendwo zwischen dem zweiten und dritten Bewusstsein.

Plötzlich wie aus dem Nichts: eine Wandergruppe, drei Dutzend Japaner und Japanerinnen. Kleine Schritte, ernste Gesichter. Alle tragen die gleichen dunkelblauen Jacken, alle mit dem gleichen gelben Logo eines Elektronikkonzerns bedruckt. Doch jede ist mit einer anderen Nummer versehen. Ganz vorn und ganz hinten, je ein Führer in roter Jacke mit weißem Logo. Am Wanderstab immer wieder zur Orientierung hochgehalten eine japanische Fahne, allerdings nicht jene mit dem schlichten roten Ball auf weißem Grund, sondern die Version mit der strahlenden Sonne, die allgemein als "Kriegsflagge" angesehen wird. Nicht schnell aber beharrlich ziehen sie vorüber. Ein paar Minuten nur, dann ist die Gruppe in Wald und Nebel verschwunden.

Nur die wenigsten Fuji-Aspiranten nutzen den ursprünglichen Pfad auf ihrem Weg zum Gipfel beziehungsweise bis zur fünften Station auf etwa 2300 Meter Höhe. Denn zu diesem fünften Bewusstsein kann man auch ganz bequem mit dem Auto fahren. Das machen eigentlich alle.

Die Parkplätze sind riesig und sie sind voll. Aus unzähligen PKW und Bussen quellen die Bergfreunde eher in Kompanie- als in Gruppenstärke. Aus den Lautsprechern tönt eine Daueransage mit allen möglichen Warnungen und Hinweisen. In den Supermärkten neben dem offiziellen Besucherzentrum ist "alles Fuji". Ob auf Zahnbürsten, Pudding, Keksen, Gelee, Käsekuchen, Konfekt, Essstäbchen, Aschenbechern, Nudeln, Telefonkarten und Dosen mit Bergluft - überall prangt ein Prachtfoto des 3776 Meter hohen Prachtberges.

Während die Bergfreunde sich draußen in immer wieder neuen Kombinationen vor dem total vernebelten Gipfel zum Gruppenbild aufbauen, verteilt Hirotomo Kageyama drinnen Wanderkarten mit ganz vielen Warnhinweisen, auf denen die Wegzeiten einzelner Passagen auf die Minute genau angegeben sind. Herr Kageyama, Mitte 50, klein und schmächtig, fast kahlköpfig und ausgesprochen freundlich ist der Chef des Informationsbüros. Etwa dreißigmal stand er in den letzten 15 Jahren selbst ganz oben.

"Der Fuji ist das Wahrzeichen und das Herz der Japaner, und wenn ein Japaner traurig ist, dann guckt er sich den Fuji an, dann ist er wieder glücklich. Im vergangenen Jahr waren es 230 000 Bergsteiger, die den Gipfel erreichten."

Zum Ruhm des Fujis hat sicherlich auch beigetragen, dass die perfekte Silhouette des Berges an die japanische Glückszahl "acht" erinnert. Mit dem Glück ist es aber so eine Sache - etwa ein Viertel aller Besteigungs- oder besser Begehungsversuche scheitert. Und warum darf man den Berg offiziell nur im Juli und August besteigen? Herr Kageyama lächelt.

"Bis Anfang Juli liegt auf dem Fuji meist noch Schnee. Und das Besondere ist ja, dass die Allermeisten nachts hinaufgehen, damit sie den Sonnenaufgang sehen können. Wir sind aber gar keine Bergsteigernation. Die Leute sind außerordentlich motiviert, haben aber keine Ahnung. Wir müssen sie vor sich selbst schützen. Sogar Anfang Juli liegen die Temperaturen manchmal noch unter dem Gefrierpunkt. Der Weg kann vereisen, und das ist sehr gefährlich."

Jedes Jahr gibt es ein paar Tote, was bei der immens hohen Zahl der Bergsteiger aber kaum eine Überraschung ist. Man kann und darf den Berg auch außerhalb der offiziellen zweimonatigen Saison besteigen. Das aber macht so gut wie niemand. Der Fuji steht frei und nicht weit entfernt vom Pazifik. Die drehenden Winde erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 90 Metern in der Sekunde. Das kann auch den stärksten und schwersten Bergsteiger einfach vom Berg blasen. Herr Kageyama lächelt.

"Dieser Berg war für die Menschen immer schon heilig. Man steigt auf den Fuji, um die Seele zu trainieren. Das ist eine Herausforderung. Es geht darum, ein guter Mensch zu werden, denn für die Japaner ist der Fuji ein Gott. Mit jedem Schritt kommt man der Vollkommenheit ein bisschen näher. Bis man schließlich auf dem Gipfel steht. Das ist das Höchste."

Den letzten Ausbruch gab es 1707 mit fast 5000 Toten, aber auch heute noch gilt der Fuji ganz offiziell als aktiver Vulkan, sagt Herr Kageyama - lächelnd. Glaubt er denn, dass sein Berg noch mal explodieren könnte?

"Selbstverständlich", sagt er. "Jeder hier wartet darauf."

Auf in den Kampf mit Natur und Massenandrang. Ein paar schnelle Schritte, ein kleiner Zwischenspurt, so der Plan, und die Situation, also das Gedränge entspannt sich. Doch die Kalkulation geht nicht auf. Der Fuji ist voll. Überall Bergsteiger, meist in großen Gruppen. Einige sind ausgerüstet, als wollten sie einen Himalajariesen bezwingen, andere sehen in ihren dünnen Plastikregencapes so aus, als planten sie einen Strandspaziergang im Nieselregen.

Immer wieder gibt es kleine Staus. Wandern im Stop-and-go-Rhythmus.

Ein Führer ermahnt seine Gruppe, dass sie das Atmen nicht vergessen soll. Die meist älteren Bergfreunde nehmen den Ratschlag dankbar an. Einige greifen bereits zu kleinen Flaschen mit künstlichem Sauerstoff, auf denen "Gratulation" oder "See you again" steht. Die Ersten scheinen sich zu fragen, ob das mit der Fujibesteigung wirklich eine so gute Idee war.

Oberhalb der fünften Station und damit oberhalb der Baumgrenze wächst die Erkenntnis, dass der aus der Distanz so schöne Fuji in der direkten Begegnung einen doch eher öden Eindruck macht. Graubrauner Lavaschutt und graubrauner Lavasand, in dem die Füße immer wieder abrutschen, wechseln mit oftmals sehr hohen natürlichen Steinstufen. Vereinzelte mächtige Mauern am Wegesrand sollen vor Erosion und Lawinen schützen.

Kein Strauch, kein Grashalm, nichts, woran sich das Auge erfreuen könnte. Alles in allem eine anstrengende Monotonie in zunehmend dünnerer Luft. Das Ziel hier ist der Gipfel und sicher nicht der Weg.

Die gelaufenen Abschnitte werden kürzer, die Pausen länger. Die Zahl erschöpfter Bergsteiger nimmt zu. Manche liegen wie Käfer auf dem Rücken, bzw. auf ihren Rucksäcken, drücken künstlichen Sauerstoff in die schwer pumpenden Lungen. Danach setzen sie an zum nächsten Zwischensprint, bis zur nächsten halben Ohnmacht, dann wieder Sauerstoff, wieder Rennen bis zum Anschlag und so weiter - oder auch nicht. Die Ersten geben auf, stolpern mit lethargischem Blick Richtung Tal.

Tagesziel ist eine der zahlreichen Berghütten. Umso höher die liegt, umso besser die Startposition für den kommenden Gipfeltag. Hinter der Schiebetür ein großer Raum, nur mit traditionellen japanischen Reisstrohmatten ausgelegt. Schuhe sind in der Hütte nach hiesiger Sitte tabu, und die strapazierten Bergsteigersocken sorgen für eine ganz eigene Fuji-Hütten-Atmosphäre. Da es am Berg keine Wasserquellen gibt, fehlen in den Hütten auch die Duschen. Die Toiletten funktionieren mit einem Haufen Chemikalien. Rechts neben dem Eingang eine eingelassene Feuerstelle. Die Wärme soll sich unter den Bodenbalken verteilen. Tut sie aber nicht.

" Are you guys going to see the sunrise tomorrow morning? - I hope so. What time do the people usually leave here? - About two. - Two? - Two or two thirty. It takes about two hours to climb to the top and the sunrise will be around four, four-thirty. - Oh four-thirty! Really? That is early. "

Der junge freundliche Sohn des Hüttenwirts berät einen englischen Touristen. Wer den Sonnenaufgang vom Gipfel aus erleben will, muss früh - am besten um zwei Uhr in der Nacht - aufstehen. In zwei Stunden ist man oben. Und um vier Uhr 30 soll dann auch die Sonne dazukommen.

Die Schlafplätze liegen direkt unter dem Dach. Ein fünfzehn Meter langer Gang, kaum einen halben Meter breit. Links und rechts je ein durchgehendes Etagenbett, alle 80 Zentimeter ein neues Kopfkissen mit einer neuen Nummer. Es ist kalt, die groben Decken sind klamm. Gemütlichkeit sieht anders aus. Trotzdem: Einige Bergfreunde liegen schon um 18 Uhr mit angelegten Armen und teilnahmslosem Blick sardinengleich auf ihren Plätzen.

Nach einer kurzen Nacht ganz ohne Schlaf wieder im Gastraum.

Hokushi, lang und schlaksig, putzt sich gerade noch mal die dicke Brille. Vor ein paar Tagen ist er 30 geworden. Die letzten drei Wochen ist er zur Vorbereitung auf den Fuji zur Arbeit gejoggt. Heute ist sein zweiter Versuch.

"Schon im vorigen Jahr habe ich es gemeinsam mit einem Kumpel probiert. Und genau hier an der achten Station ging es dann nicht mehr. Ich wurde krank. Mein Kumpel musste mich hinunterführen. Und jetzt sind wir wieder hier. Es geht um eine Revanche. Ich will es unbedingt schaffen."

Was ihn treibt, ist persönlicher Ehrgeiz und noch ein bisschen mehr.

"Mein Vater, er ist schon 70, war zehnmal auf dem Gipfel! Überhaupt, meine Familie, die ganze Verwandtschaft, alle waren schon oben. Außer mir. Ich bin der Einzige, der es noch nicht geschafft hat. Und alle haben gesagt, dass der Sonnenaufgang dort oben so schön sei, dass man davon süchtig wird."

Und schließlich, und das dürfe ich auf keinen Fall vergessen, sei Japan ja "das Land der aufgehenden Sonne"! Er lächelt, trinkt einen Schluck Tee, rückt die Brille zurecht. Wo ist eigentlich sein Kumpel?

"Der schläft noch, diesmal scheint er leicht krank zu sein."

Dann könnte es ihm ja passieren, dass er wieder nicht auf den Gipfel kann, weil er seinen Freund ins Tal begleiten muss?

"Nein, auf keinen Fall, sagt Hokushi, dann müsse er eben allein zum Gipfel. Offensichtlich: Dieser Mann hat einen Auftrag."

Zwei Uhr 30 dann vor der Hütte. Am Himmel leuchten ein paar Sterne. Am Boden kauern die ersten Bergsteiger von den weiter unten gelegenen Hütten. Ihre Droge ist der künstliche Sauerstoff. Immerhin sind es noch gut 500 Höhenmeter.

Der Berg bietet einen surrealen Anblick. Die kilometerlange Aufstiegsroute gleicht einem ewig langen Lichterwurm gespeist aus den Taschen- oder Kopflampen der Bergsteiger. Und von unten kommt noch so ein Tausendfüßer.

Erfolgreiche Besteigung des Bergs Fuji in Japan (Joern Klare)Erfolgreiche Besteigung des Bergs Fuji in Japan (Joern Klare) Der Gipfelmarsch zum Fuji - das ist Bergwandern extrem. Allgemeines Stolpern von Staustufe zu Staustufe. Alle wollen zur Sonne. Doch Drängeln ist verpönt. Der Kampf gilt der eigenen Erschöpfung. Das Ziel ist nah. Die Zeit drängt. Ein Vater trägt seinen kaum fünfjährigen Sohn auf dem Rücken. Manche kriechen mehr, als dass sie gehen. Andere scheinen am Wegesrand vor Erschöpfung eingeschlafen zu sein. Einige ahnen wohl schon, dass sie es nicht schaffen werden. In ihren Gesichtern: Panik.

Eine Frau hockt im Lavaschutt und übergibt sich. Ein Mann versucht, sie zu trösten. Die anderen gehen weiter. Platz zum Überholen ist selten. Wo er sich bietet, wird er genutzt. Bergführer treiben ihre Gruppen wie Herden an.

Endlich oben auf dem Gipfel - oder besser: am Kraterrand. In 3776 Meter Höhe trifft der eisige Wind auf einen tapferen Flötenspieler.

Es gibt, so viel lässt sich in der Dunkelheit erkennen, ein paar Hütten, einen Schrein, einfache Restaurants, sogar eine Poststation. Doch noch ist alles geschlossen. Im Osten zeigt sich am Horizont ein schmaler Streifen, dessen Blau ein wenig heller scheint als der Rest des Himmels. Immer mehr Bergsteiger erreichen ihr Ziel und suchen sich die besten Plätze für die hoffentlich bald aufgehende und hoffentlich bald wärmende Sonne.

Aus dem schmalen blauen Streifen, wird ein dicker orangefarbener Balken. Der Himmel hellt sich auf. Die Spannung steigt. Vier- bis fünftausend Menschen drängen sich schon am Kraterrand, und es kommen immer mehr. Und dann, exakt um 4:43 Uhr sind sie da: Die ersten Strahlen der Sonne, begrüßt von Hunderten kleiner und sehr kleiner Digitalkameras. Schon beim allgemeinen Schulterklopfen beginnen die Ersten mit dem Abstieg. Sie haben es satt, im Stau zu stehen.

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