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StartseiteHintergrund Wirtschaft (Archiv)Der globalisierte Bauer26.08.2007

Der globalisierte Bauer

Importdruck und Imagesorgen der Landwirtschaft

Reis aus China, Kiwis aus Neuseeland, Paprika aus Spanien. Der Importmarkt für Lebensmittel wächst rasant. Für die landwirtschaftlichen Betriebe ist das eine große Herausforderung. Mit dem Image "aus deutschen Landen, frisch auf den Tisch", ist es nicht mehr getan. Denn längst kommen auch die Lebensmittelrohstoffe aus der ganzen Welt.

Von Peter Kolakowski

Frisches Obst und Gemüse kommt längst aus der ganzen Welt. (Stock.XCHNG / Maciej Lewandowski)
Frisches Obst und Gemüse kommt längst aus der ganzen Welt. (Stock.XCHNG / Maciej Lewandowski)

Was ist Lebensmittelqualität ?

"Eine ganz schwierig zu beantwortende Frage. Man könnte sie naturwissenschaftlich beantworten. Man kann sie aber auch mit einer emotionalen Anmutung beantworten."

Helmut Born müsste es wissen. Der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes vertritt jene, die die Grundstoffe für unsere Lebensmittel liefern. Was Helmut Born freut: Milch, Butter, Getreide, Hülsenfrüchte, Eier, Zucker und Fett - Agrarrohstoffe aus Deutschland und die daraus hergestellte Lebensmittel haben beim Verbraucher einen guten Ruf. Aufgrund der hohen gesetzlichen Anforderungen.

Das freut den Bauernverband vor allem jetzt, da auch die landwirtschaftliche Produktion "globalisiert" ist und immer mehr Rohstoffe für Lebensmittel und Fertigprodukte nach Deutschland importiert werden. Die internationale Konkurrenz wächst. Doch: Lebensmittelqualität ist ein dehnbarer Begriff:

"Soll gut schmecken und sich gut mit anderen Speisen verbinden lassen, für Kinder schnell zuzubereiten und wenn man wenig Zeit hat, auch nach einem Arbeitstag schnell zuzubereiten sein.

Ich rieche dran, der Geruch muss sein.

Also erstmal dass die Lebensmittel nicht gespritzt sind, dass sie nicht zu teuer sind, dass zum Beispiel die Jahreszeit bedacht wird.

Der Geschmack ist dann die Generalprobe.

Ich muss im Winter keine Erdbeeren haben. ich möchte lieber aus deutschen Landen was haben."

Meist ist die ursprüngliche Herkunft der Lebensmittel auf der Packung angegeben - aber längst nicht immer. Und schon gar nicht bei Fertigprodukten. Professorin Angelika Meyer- Plöger, Ernährungswissenschaftlerin an der Universität Kassel-Witzenhausen:

"Man kann diese Rohstoffe überall auf der Welt kaufen und unabhängig von der Saison, dass der Trend dahingeht, dass man nicht Lebensmittel als Ganzes einsetzt, sondern im Prinzip nur Nährstoffe aus Lebensmittel, zusammenfügt wieder zu neuen Produkten im Sinne des Food-Designs."

Der globale Lebensmittelmarkt hat für den Verbraucher durchaus viele Vorteile. Er kann sich Lebensmittel schmecken lassen, die hierzulande aus klimatischen Gründen kaum gedeihen. Paprika aus Spanien, Reis und Knoblauch aus China, Zuckerrohr von den Philippinen, Papayas aus Brasilien.

Aber nicht nur exotische Genüsse kommen täglich erntefrisch in unsere Läden. Und das zu erschwinglichen, vielfach sogar Schleuderpreisen. Auch der Import von Grundrohstoffen wie Zucker, Getreide, Kartoffeln oder Fleisch steigt drastisch an. Friedrich Decker Präsident der rheinischen Landwirtschaftskammer:

"Das ist die Frage der Welthandelsrunde, die uns alle zwingen will und wird, unsere Grenzen für alles aufzumachen. Und die Produkte aus den LDC-Ländern aus den 48 ärmsten dieser Erde, sind Agrarprodukte. Die produzieren natürlich unter ganz anderen Umweltstandards, ganz anderen Sozialstandards, die können also zu Preisen produzieren, das brauchen wir gar nicht zu versuchen, das können wir einfach nicht."

Gerade auf dem deutschen Lebensmittelmarkt tobt der Kampf um Marktanteile unter Erzeugern, Verarbeitern und dem Handel besonders heftig. Obwohl jeder Mensch täglich Lebensmittel zur Ernährung braucht, machen die Ausgaben hierfür gerade einmal etwa ein Zehntel der gesamten monatlichen Pro-Kopf-Ausgaben aus.

Laut einer Untersuchung der Gesellschaft für Konsum- und Absatzmarktforschung GfK sind dies pro Jahr, inklusive Genussmittel wie Alkohol, Süßigkeiten und Knabberartikel, nicht einmal 2000 Euro. Nirgendwo sonst auf der Welt sind die Lebensmittelpreise, setzt man sie in Relation zum Einkommen, so niedrig wie in Deutschland. Das Preisdiktat des Lebensmittelhandels, in dem eine Handvoll Konzerne bestimmt, was und auch zu welchem Preis in die Regale kommt, gilt bei Erzeugern, Bauern und den Verarbeitern als berüchtigt. Wer nicht zu dem Preis liefert, der dem Handel schmeckt, fliegt aus dem Regal.

Dem Verbraucher ist es zwar nicht völlig gleichgültig, dass es die Bauern in Deutschland immer schwerer haben, zu überleben - laut Bauernverband mussten im vergangenen Jahr 25.000 Bauernhöfe in Deutschland ihre Tore schließen. Und auch in diesem Jahr wird sich dieser Trend bei den jetzt noch verbleibenden 355.000 Höfen fortsetzen.

Letztlich aber , so Landwirt Christoph Lübschen, interessiere die meisten Konsumenten nur eines - der billigste Preis. Dafür würden dann selbst geschmacklose Tomaten und mit Pflanzengiften hoch belastete Erdbeeren in den Mund genommen:

"Die "Geiz ist Geil"-Mentalität hat wirklich dazu geführt, dass etliche Höfe haben zumachen müssen, denn bei diesen Preisen, die wir zur Zeit haben, machen die landwirtschaftlichen Unternehmen kaum noch Gewinn. "

Landwirt Lübschen hat im Bergischen Land einen Hof mit 140 Milchkühen und bekommt für jeden Liter Milch, den er an die Molkerei liefert, 40 Cent, manchmal mehr. 40 Cent ist der Mindestpreis, damit Christoph Lübschen überhaupt einigermaßen wirtschaftlich arbeiten kann.

Um diesen Preis zu bekommen, hat er sich mit 3000 anderen Landwirten zu einer Molkereigenosssenschaft zusammengeschlossen und ist dort seit sieben Jahren im Aufsichtsrat. Nur gemeinsam, so Lüpschens These, könnten die deutschen Bauern eine "Front" gegen das Preisdiktat des Handels und die wachsenden Konkurrenz aus dem Ausland bilden.

"Gemeinsam schaffen, was einer allein nicht schaffen kann". Schon vor mehr als 150 Jahren wurde dieses Credo genossenschaftlicher Kooperation in der Landwirtschaft in Deutschland von Friedrich-Wilhelm Raiffeisen ausgerufen. Denn Preisdruck und Globalisierung der Agrarmärkte sind für die Bauern hierzulande keineswegs neue Phänomene.

Schon Mitte des 19.Jahrhunderts konkurrierten sie mit importierten Agrarrohstoffen, kämpften gegen den Preisverfall ihrer Waren und standen sie unter hohem Rationalisierungsdruck: Fleisch und Vieh kamen auch damals schon aus Argentinien, Getreide aus Nordamerika, Russland und Britisch-Ostindien. Die "Globalisierung" von damals wurde möglich durch den Ausbau der Transportwege mit Eisenbahnen, Dampf- und Kühlschiffen und einer schnelleren Datenübertragung mittels Telegrafie. Zwischen 1873 und 1896 erfaßte die große Depression dann auch die deutsche Landwirtschaft mit Preisverfall und flächendeckendem Höfesterben - die überseeische Konkurrenz trug das ihre zur Krise bei.

Auch Max Sering, der prominenteste Agrarwissenschaftler und Politiker des Kaiserreiches und der Weimarer Republik, stieß bei seiner ausgedehnten Studienreise durch Nordamerika im Jahre 1883 immer wieder auf das auch im Agrarbereich geltende Prinzip der Zitat "politisch unbeschränkten Diktatur des Kapitals". Nur der, der beste Qualität in großer Menge schnell und das alles auch noch zum niedrigsten Preis liefere, habe den Markt für sich.

Ein altbekanntes Phänomen also, das den Landwirten von heute begegnet. Die Strukturen, die damals geschaffen wurden:
Schutzzölle, Steuererleichterungen und Exportsubventionen , all das überholt sich zunehmend und erweist sich als unzeitgemäß.

Die Welthandelsorganisation WTO hat sich zum Ziel gesetzt, den Weltmarkt auch für Agrargüter völlig zu liberalisieren - ohne Wenn und Aber. Viele EU-Exportsubventionen wurden bereits und werden weiter abgeschafft, ebenso Schutzzölle und Quoten wie jene bei Milch. Friedrich-Karl Velder von der Raiffeisengenossenschaft Rhein-Main:

"Das kann dann natürlich auch so sein, dass Getreide oder Milch, dahingeht wo der höchste Preis ist und hier die Preise erheblich ansteigen. Dann zu Produktionsverfahren führt, mit denen keiner mehr einverstanden ist, da könnte es sein dass Regionen veröden und sich Produktion verlagert auf die günstigsten Standorte. Im Moment nutzt die Politik die günstige Marktsituation, um sich von den Instrumenten der Vergangenheit zu verabschieden."

Noch profitieren die in der Raiffeisengenossenschaft zusammengeschlossenen Landwirte von der Globalisierung. Agrarrohstoffe aus Deutschland sind wegen ihres hohen und regelmäßig kontrollierten Qualitätsstandards, ihrer Reinheit und weitgehenden Schadstofffreiheit auf den Weltmärkten sehr gefragt.

Für die Vermarktung deutscher Agrarrohstoffe im In- und Ausland ist die Centrale Marketingorganisation der deutschen Agrarwirtschaft CMA in Bonn verantwortlich. Eine halbstaatliche Behörde, die sich zum großen Teil aus Zwangsbeiträgen finanziert, die alle Landwirte an die CMA abführen müssen.

Was jedoch als Marketingmaßnahme im Ausland noch funktionieren mag, wird für den heimischen Markt vor allem von kleinen und mittelständischen Landwirten zunehmend in Frage gestellt. Denn sie sind es, die hauptsächlich den deutschen Verbraucher beliefern.

Die Werbewirkung der von der CMA betriebenen sogenannten generischen Werbung - also Werbung für eine Produktgattung wie Milch oder Brot und nicht für einen bestimmten Anbieter, zeige keinerlei Wirkung auf den Umsatz der Bauern, lautet die geradezu vernichtende Kritik von Marketing- und Agrarfachleuten. Auch bleibe die CMA den Erfolgsnachweis ihrer Kampagnen schuldig, ob tatsächlich mehr Produkte "aus deutschen Landen" verzehrt würden. Letztlich sei die Botschaft, die die CMA vermittle nur: "Esst mehr! ,resümiert etwa der Agrarwissenschaftler Tilmann Becker vom Institut für Agrarpolitik und landwirtschaftliche Marktlehre an der Universität Hohenheim in einem Gutachten. Nach Ansicht von Detlef Steinert, Pressesprecher der CMA, geht die Kritik an der Sache vorbei:

"Also die Betrachtung ist eine sehr einseitige, weil sie nämlich ausschließlich einseitig auf die quantitative Betrachtungsweise ausgerichtet ist. Aber Absatzförderung manifestiert sich in einem Markt, der durch Überfluss gekennzeichnet ist, nicht allein in mengenmäßigen Größenordungen, sondern er manifestiert sich beispielsweise auch in Wertschätzungsgrößenordnungen in Imagegrößenordnungen. Hier in dem Markt, den wir uns gerade in Deutschland gegenübersehen, geht es doch darum, die Lebensmittel aus der Falle der Selbstverständlichkeit herauszuholen und dem Verbraucher zu vermitteln, welchen Wert, welche Wertschätzung hinter diesen Lebensmittel steckt. Und da trägt die CMA nachweislich auch nachgewiesen durch unterschiedliche Marktforschungsstudien dem Verbraucher das Bewusstsein über die Herkunft und die Qualität deutscher Lebensmittel wieder nahe zu bringen."

Dennoch sind inzwischen eine Reihe von Klagen gegen die Zwangsmitgliedschaft in der CMA anhängig, Landwirte und Verarbeiter verweigern die Zahlung der Beitragsgebühren.

Was aber wäre wirksames Marketing in wachsenden Märkten ? Der Deutsche Bauernverband rät zu mehr regionalen Bezügen, damit der hohe ökologische und soziale Standard der Produktion in Deutschland auch dem Verbraucher bewußt werde: Helmut Born , der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes:

"Unser ganzes Bestreben als deutsche Landwirtschaft war immer, dem Verbraucher klar zu machen, wenn ihr Nachhaltigkeit wirklich wollt, in allen Facetten, die da nun drinstecken, wenn ihr es auch wollt, hinsichtlich der sozialen Bedingungen beim Entstehen bis hin wie lange wird transportiert, dann, bitte schön, achtet drauf, dass ihr bei denen kauft, die euch sehr nahe stehen, im wahrsten Sinne des Wortes vor eurer Haustür produzieren, dass wir in dem Markt ein Prä für unsere Produkte zu erhalten."


Verarbeiter und Handel haben jedoch ein anderes Interesse. Sie setzen auf Unkenntnis statt Transparenz. Die Herkunft einzelner Lebensmittelbestandteile und deren Produktionsweise bleiben im Dunkeln, die Türen zu den internationalen Billigmärkten bleiben so weit geöffnet. Helmut Born vom Deutschen Bauernverband:

"Es ist so! Der Einzelhandel hat ja zunehmend Eigenmarken, "No Name"-Produkte, das ist ja genau das Ausleben der Nicht-Rückverfolgbarkeit für den Verbraucher, sondern da wird eine Marke, die gar keine ist, kreiert, durch den Handel selber und dann steht da natürlich gut und preiswert und was auch immer, aber der Verbraucher kann ja gar nicht beurteilen, die Milch wo kommt sie her?"

Und was sagen die Verbraucher in den Läden dazu? Umfragen erlaubte nur die Karstadt-Lebensmittelsparte, die beim Wareneinkauf als einer der Pioniere im regionalen Handel gilt. Der Lidl-Konzern erlaubte den Zutritt zu seinen Läden zu Interviewzwecken mit Kunden hingegen nicht, und auch Aldi Süd zeigte sich ablehnend. Beim Rewe-Konzern, mit seinen Rewe und Penny-Filialen, hieß es, die Kunden seien es, die vor den Fragen der Journalisten in Schutz genommen werden müssten:

"Vielleicht sollte ich zum kleinen Biomarkt fahren, aber das ist mir dann zu zeitaufwendig, weil ich alles zusammen einkaufe. Es geht um Schnelligkeit oft.

Wenn man sich die Werbung anguckt, Bauern, die Milch in einen Topf schütten, glauben die Leute das, was sie da sehen, wie Lebensmittel im Fernsehen produziert werden?

Die werden verarscht.

Um sich in Illusionen zu wiegen, man möchte ja nicht alles erforschen, wie es wirklich ist.

Das ist eine heile Welt, die Leute, die denken: Früher ist es besser gewesen, war es nicht so verschmutzt. Das ist eine Sehnsucht, ja? Die Verbraucher wollen Sehnsüchte erfüllt haben, die wollen einfach nur gute Ware haben.

Da muss ich sagen, kaufe ich meistens doch nach dem Preis-Leistungsverhältnis ein, weil ich nicht zur Verfügung habe. Hätte ich mehr, würde ich definitiv mehr in Bio-Supermärkten einkaufen und auf höhere Qualität achten. Ich denke, wenn die deutschen Bauern sich auf eine biologische Produktion sich spezialisieren und wenn sie wirklich durch die gute Qualität beweisen, dass also einheimisches Obst und Gemüse führend ist, vielleicht im Gegenteil zu Exporten aus anderen, vielleicht auch aus nichteuropäischen Ländern, wo es keine entsprechenden Kontrollen und Normen gibt, dann denke ich, wird der Bauernstand auch wieder besser dastehen. "

Die Bauernhofidylle im Marketingkonzept verfängt also bei der Kundschaft nicht. Der Wunsch nach mehr Transparenz deckt sich mit den Versuchen der Verbraucherverbände, mehr Herkunftsinformationen auf den Verpackungen durchzusetzen. Versuche, die in Europa nur teilweise von Erfolg gekrönt waren. Angelika Michel Drews vom Bundesverband der Verbraucherzentralen in Berlin:

"Dass also hier lediglich das Endprodukt betrachtet wird aber nicht die Entwicklung insgesamt und damit die Forderung vieler Verbraucher nach einer umfassenden Kennzeichnung letztlich mit Füssen getreten wird."

Ein weiteres Gütesiegel für deutsche Lebensmittel halten die Verbraucherverbände wie auch die Bauern wiederum für überflüssig. Davon gebe es genug. Über ein international verbindliches Gütesiegel für Agrarrohstoffe und Lebensmittel werde aber sehr wohl nachgedacht, heißt es beim Deutschen Bauernverband. Denn Lebensmittelqualität sei mehr als Frische und guter Geschmack. Das neue Label soll deshalb auch die ökologischen und die sozialen Bedingungen, unter denen ein Agrarprodukt hergestellt wurde, kenntlich machen. Helmut Born:

"Ich weiß, wie schwer das ist, aber mich macht hellhörig, dass nicht bei Nahrungsmitteln, sondern ausgerechnet bei nachwachsenden Rohstoffen, etwa bei der Biokraftstoff-Herstellung jetzt über ein Zertifikat für Palmölhersteller nachgedacht wird, welches die einhalten müssen, wer also den Urwald rodet, daraus Bio-Diesel herstellt, dann auch sagen muss, ich habe nicht nachhaltig gewirtschaftet. Dann müsste es doch möglich sein, dass man fürs heiligs Blechle haben will, auch für unsere Nahrungsmittel generell durchzusetzen. Wir werden jedenfalls nicht lockerlassen in die WTO-Verhandlungen dieses immer wieder zu bringen. Wir sind Mitglied im internationalen Bauernverband. Wir haben vor etwa zwei Monaten mit Afrikanern, mit asiatischen, mit amerikanischen Bauernverbänden gemeinsam dieses noch einmal vorgetragen und ich glaube, irgendwann wird die Politik nicht mehr dran vorbei können. "

Was aber bringt das neue Gütesiegel mit seinem hohen Anspruch an nachhaltige Agrarproduktion im internationalen Wettbewerb ? Landwirt Christoph Lübschen macht sich da keine Illusionen. Deshalb müsse die Politik auch in Zukunft die "Multifunktionalität" der Landwirtschaft würdigen - heißt, subventionieren. Denn, so Bauer Lübschen, drei Prozent der Menschen in Deutschland leisteten Naturerhalt und Landschaftspflege für 97 Prozent der Bevölkerung :

"Wir im Betrieb machen Naturschutzprogramme mit, machen Uferrandstreifenprogramme mit, wenn wir eben Leistungen erbringen für die gesamte Gesellschaft, dann müssen diese Leistungen auch honoriert werden und dann sind das keine Subventionen sondern dann ist das ein Leistungstransfer. Das ist in den letzten zwei Jahren von der Politik, nachdem man mühsam dahingekommen ist, werden jetzt diese ganzen Programme wieder über Bord geworfen. Ich nenne Ihnen ein Beispiel. Dieses Geld sollte dafür bereit gestellt werden, dass die Landwirte belohnt werden dafür, dass sie ihre Kühe auf der Weide haben, das die Gesellschaft dieses Kulturlandschaftsbild wieder hat, Kühe auf der Weide und Wiese und ist auch artgerechter. Nachdem dieses Projekt beingeführt worden ist und zwei Jahre gelaufen ist, hat man es im letzten Jahr wieder ersatzlos gestrichen. Da ist also schon der Gesetzgeber, ob er jetzt in Berlin oder in Brüssel sitzt, gefragt, muss die Rahmenbedingungen für die Landwirte setzen. Oder die Politik sagt: Wir wollen keine Landwirtschaft, wir können landwirtschaftliche Produkte, weiß der Kuckuck woher, billiger zukaufen, dann möchte ich aber auch diese Aussage ganz klar haben, aber dieses schleichende Sterben, was wir in der Landwirtschaft haben, das ist eigentlich das Schlimmste, was einem passieren kann, weil man nicht weiß, woran man ist. "

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