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StartseiteKalenderblattDer Große Kurfürst09.05.2013

Der Große Kurfürst

Vor 325 Jahren starb Friedrich Wilhelm von Brandenburg

Am Ende seines Lebens hatte er sein Land erfolgreich modernisiert und die Fundamente für den absolutistischen Staat Preußen gelegt. Dank des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg, der am 9. Mai 1688 starb, konnte sich das damals kleine Land neben seinen großen Nachbarn behaupten.

Von Peter Hölzle

Friedrich Wilhelm von Brandenburg in Stein, Putbus, Mecklenburg-Vorpommern. (picture alliance / dpa / Stefan Sauer)
Friedrich Wilhelm von Brandenburg in Stein, Putbus, Mecklenburg-Vorpommern. (picture alliance / dpa / Stefan Sauer)
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Historische Entmystifizierung

"Für die kleinen Fürsten gibt es nichts Normaleres, als im Zuge der Welthändel ihrem Vorteil zu folgen, nach Gelegenheit der Zeit Partei zu ergreifen und ihre Allianzen zu wechseln, wenn sie wenig Glück bringen."

Kardinal Richelieu, der französische Staatsmann, hielt diesen Rat für Europas kleine Fürsten parat. Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg war solch ein kleiner Fürst. Er folgte der Empfehlung des Franzosen ein politisches Leben lang: von 1640, als der Zwanzigjährige in der Endphase des Dreißigjährigen Krieges an die Spitze seines Landes gestellt wurde, bis zu seinem Tod 1688. In diesem halben Jahrhundert wechselte der Brandenburger nahezu ständig die Bündnisse. Er paktierte situationsbedingt mit dem von Habsburg geführten Reich, den damaligen Großmächten Polen, Schweden und den Niederlanden, ja sogar mit dem Reichsfeind Nummer eins, dem Frankreich Ludwigs XIV.

Sein "Wechselfieber", für das er berühmt, ja berüchtigt war, diente nur einem Zweck, der Arrondierung seines zersplitterten Territorialstaates, der von Cleve, Mark und Ravensberg im Westen über das ostelbische Kernland bis zum Herzogtum Preußen im Osten des Reiches reichte. Dabei hatte der machthungrige Hohenzoller mit all seinen Koalitionen vornehmlich zwei Ziele im Auge: die Lösung seines Herzogtums Preußen aus fremder Lehnhoheit und den Erwerb Vorpommerns mit seinem Hafen Stettin. Während sich seine preußischen Wünsche erfüllten, wurden ihm die pommerschen verwehrt. Für seine mächtigeren Verbündeten war er eben nur der Juniorpartner, weshalb er in seinem schon 1667 verfassten "Politischen Testament" ernüchtert festhielt:

"Allianzen sind zwar gut, aber eigene Kräfte sind noch besser. Darauf kann man sich sicherer verlassen. Ein Herrscher genießt nur dann Ansehen, wenn er selbst über Mittel und Volk verfügt."

Das Toleranzedikt schuf die Grundlage für wirtschaftliche Modernisierung

Über Mittel und Volk verfügte Friedrich Wilhelm aber nur in bescheidenem Maß. Brandenburg war ein armes Land und durch den Dreißigjährigen Krieg noch ärmer geworden, auch an Menschen. Also suchte er beides zu beheben. Der große Krieg hatte ihn gelehrt: Nur ein schlagkräftiges stehendes Heer, wie es die Großmächte Frankreich, Schweden und der Kaiser in Wien besaßen, versprach Unabhängigkeit. Es aufzustellen, war das eine, es zu finanzieren, das andere. Letzteres betrieb der Kurfürst über Steuern. Aber dazu musste er den Widerstand der Stände brechen, die das Steuerbewilligungsrecht besaßen. Dies gelang ihm endgültig erst 1663. Mit einer auf Dauer angelegten Heeresfinanzierung schuf er eine eigene, nur mehr ihm unterstellte Bürokratie, die die ständischen Landesbehörden Schritt für Schritt ersetzte. So legte Friedrich Wilhelm das Fundament für den absolutistischen Staat, der Brandenburg-Preußen werden sollte. Aber das war nicht das einzige bleibende Verdienst.

"Zu jener Zeit trat ein Ereignis ein, das die Pläne des Großen Kurfürsten beträchtlich förderte. Ludwig XIV. hob das Edikt von Nantes auf, und mindestens vierhunderttausend Franzosen verließen ihr Land. Die Reichsten wanderten nach England und Holland aus; die Ärmsten, aber Fleißigsten kamen nach Brandenburg, etwa zwanzigtausend an der Zahl. Sie halfen unsere verödeten Städte neu bevölkern und brachten uns all die Manufakturen, die uns fehlten."

Das Urteil Friedrichs des Großen über die Hugenottenansiedlung, die sein Vorfahre Friedrich Wilhelm mit dem Toleranzedikt von Potsdam 1685 ermöglichte, war nicht dynastisch geschönt. Indem der Kurfürst den aus Frankreich vertriebenen Protestanten in seinen Territorien eine neue Heimat bot, demonstrierte der überzeugte Calvinist, der er war, Solidarität mit verfolgten Glaubensgenossen, setzte vor allem aber ein Zeichen zur wirtschaftlichen Modernisierung Brandenburgs. Ein Beispiel unter mehreren, das beweist, dass er ernst nahm, was er bereits in seinem "Politischen Testament" von 1667 geschrieben hatte:

"Ich will das Regiment als eine Sache des öffentlichen Wohles und nicht als meine eigene führen."

Als Friedrich Wilhelm am 9. Mai 1688 starb, hatte er bereits seinen Platz in der Geschichte als "der Große Kurfürst". Das Prädikat wurde ihm freilich nicht für die Modernisierung Brandenburgs verliehen, sondern für einen militärisch zwar glänzenden, politisch aber wertlosen Sieg über die Schweden, erfochten am 28. Juni 1675 bei Fehrbellin.

Mehr zum Thema:

Politisches Buch - Christopher Clark: Preußen. Aufstieg und Niedergang. 1600 - 1947

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