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StartseiteUmwelt und VerbraucherDer Kampf ums Wasser21.12.2000

Der Kampf ums Wasser

Heftige Proteste gegen den nationalen Wasserplan in Spanien

von: Ralf Streck

Trinkwasser ist ständig verfügbar. Das scheint selbstverständlich, ist doch der größte Teil der Erde mit Wasser bedeckt. Aber nur 3 Prozent des vorhandenen Wassers ist Süßwasser, und nur ein kleiner Teil davon ist nutzbar aber der Verbrauch steigt stetig an, besonders in den Industriestaaten. Schon der Süden Spaniens leidet unter Wassermangel, für die Regierung Grund genug einen nationalen Wasserplan zu erstellen. Bestehende Stauseen sollen erweitert und über 100 neu gebaut werden, damit jährlich mehr als 1000 Hekto-Kubikmeter Wasser des Ebro über Hunderte Kilometer bis nach Alicante fließen können. Doch mit 1200 Stauseen ist Spanien schon heute europäischer Spitzenreiter im Lagern von Wasser, weltweit nimmt es den ersten Platz ein, was die Regulierung der Flüsse angeht.

So verwundert es nicht, das sich Umweltorganisation und die betroffene Bevölkerung gegen den Plan und seine Folgen wehren. Angeführt werden die Proteste von der Region Aragon. In der Regionalhauptstadt Zaragoza bildeten am gestrigen Sonntag etwa 100.000 Menschen eine Menschenkette um den gefährdeten Fluss Ebro vor den Plänen der Zentralregierung zu schützen. Über 400.000 Menschen, ein Drittel der Bevölkerung von Aragon, haben in Zaragoza deutlich ihr Nein zur Umleitung des Ebro ausgedrückt. Diese einstimmige Ablehnung brachte die Regierung Aragons dazu, die Rücknahme des Gesetzesprojektes über einen nationalen Wasserplan zu fordern. Wir wollen nicht, dass, koste es was es wolle, erneut der Mittelmeerraum auf unserem Rücken entwickelt wird. Dies erklärte der Umweltsekretär der Regierung Aragons, Victor Longas, zur bisher größten Demonstration Anfang Oktober gegen die Pläne der Zentralregierung. Die wenig entwickelte Region im inneren Spaniens fürchtet, das ihr das Wasser entzogen wird. Bisher sprudelt es noch reichlich die Pyrenäen herab. Schon jetzt würden 300 Hekto-Kubikmeter jährlich für die ungleiche Entwicklung eines Spanien der zwei Geschwindigkeiten abgegeben.

Victor Longas: Des entwickelten, bevölkerten und reichen Mittelmeerraumes und den Regionen im Inneren, wie Aragon, die immer ärmer, entvölkerter und weniger modernisiert sind.

Selbst bei äußerster Wasserknappheit in heißen spanischen Sommern: für den Tourismus an der Küste ist immer genug Wasser da. saftig-grüne Golfplätze in dürrer, gelber Landschaft locken zwar zahlungskräftige Touristen, verschlingen aber täglich 60.000 Kubikmeter Wasser. Soviel wie eine viertel Million Menschen.

Pascual Fernandez: Wir werden niemandem das Wasser wegnehmen. Wir werden in keinen Fall Ressourcen umleiten die eine Region braucht. Deshalb sprechen wir immer von überzähligen Ressourcen die bisher keine andere Bestimmung haben als einfach im Meer zu verschwinden.

So tritt der Staatssekretär für Wasser und Küsten, Pascual Fernandez, den Befürchtungen in Aragon entgegen. Doch die Klimaveränderungen machen vor Spanien nicht halt. Inzwischen mußte auch die Regierung eingestehen, dass die Wassermenge der Flüsse abnimmt. Der UNO- Experte für Klimaveränderungen, Francisco Ayala spricht davon, das alle bedeutenden Flüsse Spaniens schon in Kürze erheblich an Wasser verlieren. Wegen der Erwärmung werde gleichzeitig mehr Wasser benötigt. Für ihn ist die Umleitung des Ebros physisch und ökologisch unmöglich und bedeute das Todesurteil für das Ökosystem Ebrodelta. Ayala zweifelt, das sich die Europäische Union an dem 12 Milliarden Mark teurem Vorhaben beteiligt, da gleich mehrere Bestimmungen nicht beachtet würden. Doch die Regierung ficht das nicht an. Aus wirtschaftlicher, technischer und ökologischer Sicht sei die Umleitung des Ebros die beste Variante um den Bedarf an Wasser zu garantieren, erklärt Pascual Fernandez.

Pascual Fernandez: Der Ebro ist ein Fluss der generell genug Ressourcen hat, um im gesamten Flusslauf seine Flusseigenen Notwendigkeiten zu gewährleisten und gleichzeitig dazu beitragen kann, den Bedarf anderer Regionen zu befriedigen.

300 Umweltorganisationen klagen, das 25 geplante Stauseen in ökologisch wertvollen Gebieten liegen. Früher vom Umweltministerium verworfen, tauchten sie jetzt im Nationalen Wasserplan wieder auf. Der Fischotter, der Luchs und weitere bedrohte Arten würden durch das gigantische Projekt aus Beton gefährdet. Miguel Solana stammt aus einer der betroffen Gemeinden. Zwar würde sein Heimatdorf Artieda nicht wie andere in den Fluten verschwinden, aber das Dorf verlöre den Großteil seiner nutzbaren Fläche durch die Verdreifachung des Stausees von Yesa. Schon jetzt zieren verlassene Dörfer den See, weil den Bewohnern die wirtschaftliche Grundlage geflutet wurde.

Miguel Solana: Für mich ist der Nationale Wasserplan weit entfernt von dem, wie man mit dem Wasser umgehen sollte. Ein Charakter der Nachhaltigkeit sollte ihn bestimmen der die kulturellen und sozialen Gegebenheiten berücksichtigt. Statt dessen ist es nur ein Bauplan aus Beton.

Deshalb fordert er und der Zusammenschluß der betroffenen Gemeinden in den Tälern der Pyrenäen ein Umdenken. Es scheint die Welt ist schlecht konzipiert und wir müßten das ändern. Wie kann es sein das die Flüsse im Winter viel Wasser führen und im Sommer fast keines. Nein, anstatt das wir uns an die Bedingungen der Natur anpassen, zwingen wir ihr unsere Interessen auf. Wasser sei kein unbegrenztes Gut. Ein sparsamer Umgang und die Wiederverwertung müßten verstärkt werden. Im Pro-Kopf-Verbrauch nimmt Spanien innerhalb der EU einen Spitzenplatz ein und der Preis ist niedrig. Trinkwasserentsalzung und neue Bewässerungssysteme reichten aus, um die Wasserversorgung langfristig zu sichern. Nur ein Drittel des eingespeisten Wassers komme tatsächlich an: Marode System lassen den Rest im Boden versickern.

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