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Der klassische Kubist

Pablo Picasso hatte viel übrig für Musik. Dennoch faszinierte ihn die Gitarre besonders. Die Ausstellung "Picasso: Guitars 1912 - 1914" im Museum of Modern Art in New York zeigt dieses Sujet seiner Arbeit.

Von Sacha Verna | 18.02.2011

    Pablo Picasso hatte im Allgemeinen nicht viel übrig für Musik. Doch von einem Instrument konnte er seine Finger zwei Jahre lang nicht lassen: von der Gitarre. Sie stand zwischen 1912 und 1914 zwar nicht akkustisch, dafür aber visuell im Zentrum seiner Arbeit und diente als Auslöser für Experimente mit Formen, Techniken und Materialien, die ganz neu für den Künstler waren. Dazu Anne Umland:

    "Das ist der Moment, in dem Sie Collagen und Reliefskulpturen sehen, Bilder in Mischtechnik, den Gebrauch gefundener Objekte und den Einsatz von Wiederholung und Serialität als schöpferische Strategien, die Erfindung eines Vokabulars einfacher Zeichen und Formen, die sich stets am Rand der Abstraktion bewegen, aber immer noch einen Rest Ähnlichkeit mit der Wirklichkeit bewahren. Es ist also ein Moment, in dem so viel passiert in Picassos Studio, das einen enormen Einfluss auf das 20. Jahrhundert haben wird und auf die Künstler, die nach Picasso kamen."

    Anne Umland ist die Kuratorin der Ausstellung, die das Museum of Modern Art nun dieser Phase in Picassos Karriere widmet. Zwei dreidimensionale Gitarren bilden die Klammern der Ausstellung. Die eine besteht aus Schnur, Papier und Karton und ist auf mehreren Fotografien zu erkennen, die Picasso im Dezember 1912 von einer Wand seines Studios am Boulevard Raspail machte. Darauf ist die Gitarre Teil eines Stilllebens und umgeben von Zeichnungen und Collagen. Die zweite Gitarre fertigte Picasso 1914 aus Metall und Draht an.

    "Davon ausgehend haben wir nach weiteren Werken gesucht, die die Gitarre entweder als Sujet haben oder das einfache Formenvokabular mit ihr teilen – eine Violine, einen menschlichen Kopf, eine Flasche oder eine Tischoberfläche."

    So ist das Stillleben "Siphon, Glas, Zeitung und Violine” von 1912 zu sehen, eine luftige Komposition aus Zeitungsausschnitten, Holzimitat und Kohle. Oder eine satte Arbeit auf Papier wie "Gitarre und Partitur” mit Stücken einer Blumentapete, solchen von Notenblättern und mit Pastellfarben. Picasso verwendete Spachtelmasse auf Leinwänden und vermischte Sand mit Ölfarben, er versuchte sich mit Marmoriertechniken, er malte und klebte, zeichnete und bastelte.

    Ihn habe das Zusammenbringen von Gegenständen und Materialien interessiert, sagt Anne Umland:

    "Das Genre des Stilllebens, dieses Nebeneinander berühr- und bewegbarer Gegenständer ist dabei zentral. Es zeigt uns, wie sehr sich Picasso mit dem Hin- und Her zwischen zwei und drei Dimensionalem beschäftigte. Wie vermittelt man Raum auf einer Fläche? Wie konnte er in seinen Konstruktionen etwas schaffen, das zum ersten Mal wirklichen Raum mit einbezog?"

    "Picasso: Guitars 1912-1914" ist eine konzentrierte Ausstellung, die einem einen Einblick in eine kurze, aber intensive Periode in Picassos Werk ermöglicht. Die zahlreichen Leihgaben aus Privatsammlungen, die man sonst kaum zu Gesicht bekommt, und die sorgfältige Auswahl der Exponate insgesamt machen einen Besuch dieser Ausstellung unbedingt lohnenswert.

    "Picasso: Guitars 1912-1914”, Metropolitan Museum of Art, New York, bis 6. Juni 2011. Zur Ausstellung ist unter demselben Titel ist ein Katalog erschienen. Er kostet 24,95 Dollar.