Sagen wir so, wenn man über die Deutschen und über Deutschland in Belgien spricht, dann spricht man meistens relativ negativ über Deutschland. Also ich bin selber Deutschlehrer, und wenn ich die deutsche Sprache unterrichte und ich spreche mit den Schülern über Deutschland, dann sagt man: Deutsch ist eine schwierige Sprache, Deutschland ist kein schönes Land und die Deutschen sind arrogant und nicht freundlich. So ziemlich negativ. Und dann plötzlich taucht im Fernsehen ein deutscher Kommissar (...) auf, und der ist sehr menschlich, der ist auch interessiert, der will mit Opfern, mit Tätern, mit Tatverdächtigen sprechen. Und dann stimmt etwas nicht – also man denkt negativ über Deutschland, und man sieht einen positiven Deutschen. Und ich habe in der Doktorarbeit beweisen können, dass Derrick in Belgien diese Vorurteile abgebaut hat.
Sollte man das Goethe-Institut also besser Derrick-Institut nennen? Es werden beim Goethe-Institut zumindest schon Derrick-Filme zum Sprachunterricht aufbereitet. Dass man in Belgien die Episoden aus dem Freitagskrimi nicht zu trivial empfindet, um darüber zu forschen, hat seinen guten Grund: Belgier sind Meister darin, das vermeintlich Triviale zu kultivieren. Comics wurden belächelt, doch Hergé hat sie zu einer Kunstform gemacht, und gleichzeitig mit Tim und Struppi trat auch Kommissar Maigret auf. Georges Simenon, sein Schöpfer, wird inzwischen in der französischen Klassiker-Edition Pleijade verlegt, in einer Reihe mit Proust und Balzac. An der Universität von Lüttich feiert man in diesem Jahr den 100. Geburtstag von Simenon. Jacques Dubois, Herausgeber von dessen Werken und Professor in Lüttich, über Derrick und Maigret:
Wenn ich an Derrick denke, dann sehe ich zunächst seine Gestalt vor mir: Er ist melancholisch, trägt einen Trench-Coat, wirkt oft müde – ein sehr großer Mann, der viel nachdenkt und mit anderen diskutiert. Maigret ist dem sehr ähnlich: Er ist überhaupt nicht schnell, nicht wie die amerikanischen Privatdetektive etwa, die sehr forsch sein können. Derrick und Maigret nehmen sich Zeit, versuchen etwas zu verstehen und analysieren die Gesellschaft. Ich denke, man kann sie durchaus als Soziologen bezeichnen, als kleine Soziologen des Alltags.
Einmal fachübergreifend auf den Krimi zu schauen, ist in Belgien aufgrund der kurzen Studienzeit schwierig, da in vier Jahren gerade Zeit dafür bleibt, den eigenen Schwerpunkt zu verfolgen. Stéphanie Vrancken:
Das bedaure ich am meisten, dass es an der Universität keinen Austausch dazu gibt, Bild und Wirklichkeit der Kriminalität genauer zu vergleichen. Ich selbst möchte hier gern weiterforschen: Ich studiere Jura, arbeite nun auch in der Kriminologie und interessiere mich für die psychologischen Motive, die Bilderwelten der Kriminalität, auch in den Medien. Es braucht offensichtlich die Initiative der Studenten – zumindest hier in Lüttich –, dies alles zu verbinden.
In der belgischen Fachliteratur wird Derrick bereits ‚der deutsche Maigret’ genannt. Ob ihm ähnliche Weihen wie seinem französischsprachigen Kollegen zuteil kommen werden ist fraglich, dank Tom Zwaenepoel aber ist nachgewiesen, dass es schon lange in belgischen Köpfen heißt: Denk’ ich an Deutschland, denk’ ich an Derrick.
Sollte man das Goethe-Institut also besser Derrick-Institut nennen? Es werden beim Goethe-Institut zumindest schon Derrick-Filme zum Sprachunterricht aufbereitet. Dass man in Belgien die Episoden aus dem Freitagskrimi nicht zu trivial empfindet, um darüber zu forschen, hat seinen guten Grund: Belgier sind Meister darin, das vermeintlich Triviale zu kultivieren. Comics wurden belächelt, doch Hergé hat sie zu einer Kunstform gemacht, und gleichzeitig mit Tim und Struppi trat auch Kommissar Maigret auf. Georges Simenon, sein Schöpfer, wird inzwischen in der französischen Klassiker-Edition Pleijade verlegt, in einer Reihe mit Proust und Balzac. An der Universität von Lüttich feiert man in diesem Jahr den 100. Geburtstag von Simenon. Jacques Dubois, Herausgeber von dessen Werken und Professor in Lüttich, über Derrick und Maigret:
Wenn ich an Derrick denke, dann sehe ich zunächst seine Gestalt vor mir: Er ist melancholisch, trägt einen Trench-Coat, wirkt oft müde – ein sehr großer Mann, der viel nachdenkt und mit anderen diskutiert. Maigret ist dem sehr ähnlich: Er ist überhaupt nicht schnell, nicht wie die amerikanischen Privatdetektive etwa, die sehr forsch sein können. Derrick und Maigret nehmen sich Zeit, versuchen etwas zu verstehen und analysieren die Gesellschaft. Ich denke, man kann sie durchaus als Soziologen bezeichnen, als kleine Soziologen des Alltags.
Einmal fachübergreifend auf den Krimi zu schauen, ist in Belgien aufgrund der kurzen Studienzeit schwierig, da in vier Jahren gerade Zeit dafür bleibt, den eigenen Schwerpunkt zu verfolgen. Stéphanie Vrancken:
Das bedaure ich am meisten, dass es an der Universität keinen Austausch dazu gibt, Bild und Wirklichkeit der Kriminalität genauer zu vergleichen. Ich selbst möchte hier gern weiterforschen: Ich studiere Jura, arbeite nun auch in der Kriminologie und interessiere mich für die psychologischen Motive, die Bilderwelten der Kriminalität, auch in den Medien. Es braucht offensichtlich die Initiative der Studenten – zumindest hier in Lüttich –, dies alles zu verbinden.
In der belgischen Fachliteratur wird Derrick bereits ‚der deutsche Maigret’ genannt. Ob ihm ähnliche Weihen wie seinem französischsprachigen Kollegen zuteil kommen werden ist fraglich, dank Tom Zwaenepoel aber ist nachgewiesen, dass es schon lange in belgischen Köpfen heißt: Denk’ ich an Deutschland, denk’ ich an Derrick.