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Der Kopernikus der Antike

Der Blick ans Firmament verleitet zum irdischen Größenwahn: Die Sonne geht im Osten auf, wandert über den Himmel und geht im Westen unter. Nachts folgen ihr Mond, Planeten und Sterne. Es sieht so aus, als stünden wir still und alles drehe sich um uns herum.

Von Dirk Lorenzen |
    Nikolaus Kopernikus hat zwar im 16. Jahrhundert mit diesem Irrtum aufgeräumt, aber einen Beweis für die Drehung der Erde hatte auch er nicht geliefert. Der gelang erst knapp zweihundert Jahre später James Bradley.

    Doch schon in der Antike waren einige Gelehrte davon ausgegangen, dass die Erde sich drehe und um die Sonne laufe. Am bekanntesten ist der griechische Philosoph Aristarch von Samos, der im dritten Jahrhundert vor Christus gelebt hat.

    Von Aristarch ist ein erstaunliches Werk überliefert, in dem er Größe und Abstand von Sonne und Mond bestimmt. Seiner Meinung nach ist die Erde dreimal größer als der Mond, was fast richtig ist.

    Darüber hinaus meinte er, die Sonne sei 20mal weiter von der Erde entfernt als der Mond und etwa siebenmal größer als die Erde. Das ist zwar beides viel zu niedrig angesetzt, aber Aristarch hat dennoch die richtigen Schlüsse gezogen: Ein so großer Körper müsse in der Mitte der Welt stehen.

    Er formulierte das heliozentrische Weltbild - mit der Sonne im Zentrum und der Erde als ein Planet von vielen. So erwähnt es Archimedes in seinen Schriften. Texte von Aristarch zu diesem Thema sind leider nicht erhalten.

    In einem historischen Bericht heißt es, Aristarch solle wegen Gottlosigkeit angeklagt werden. Doch es ist nicht bekannt, ob dem "Kopernikus der Antike" die klugen Ideen zum Verhängnis wurden.

    Informationen zum Kopernikus der Antike

    Aristarch von Samos