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StartseiteTag für TagOrt der Stille in Indien27.11.2018

Der Lotus-Tempel in DelhiOrt der Stille in Indien

Das Bahaitum ist eine junge Religion, entstanden aus dem schiitischen Islam im 19. Jahrhundert. Bahai glauben an einen Gott, der sich Menschen immer wieder offenbart. Einer ihrer größten Tempel, der Lotus-Tempel, steht in Indien in Neu-Delhi. Er ist ein Anziehungspunkt, nicht nur für Bahai.

Von Silke Diettrich

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Der Lotus-Tempel in Neu-Delhi (Deutschlandradio / Silke Diettrich)
Der Bahai-Tempel in Neu-Delhi gilt als eines der meistbesuchten Bauwerke Indiens (Deutschlandradio / Silke Diettrich)
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Im Süden von Neu-Delhi, umgeben von sattgrünen Wiesen, ragt eine monumentale Lotus-Blüte empor. Die Blütenblätter erheben sich 30 Meter in die Höhe und sind aus weißem Marmor. Der Lotus-Tempel ist das meistbesuchte Bauwerk in ganz Indien. Hier gehen sogar mehr Menschen hin als zum Taj Mahal. Im Schnitt sind es 20.000 Besucher, die in meterlangen Schlangen geduldig anstehen, bis sie hinein gelassen werden.

Die Spiritualität entspringt der Stille

An den Toren des Tempels angekommen, bittet eine Dame darum, dass sich drinnen keiner unterhalten solle. Und es ist kaum zu glauben, 450 Menschen passen hier rein und es herrscht: Stille!

"Diese Stille und diese ruhige Atmosphäre sorgen dafür, dass sich eine intensive Spiritualität entwickelt", erzählt Kazem Samandari, der schon seit einigen Jahren hier freiwillig mitarbeitet.

"Sogar Leute, die sonst nichts mit Religion zu tun haben, auch die sagen, die finden hier eine Art Frieden, eine Klarheit, die das Gemüt beruhigt."

"Die Türen sind immer offen"

Kazem Samandari gehört zur Religionsgemeinschaft der Bahai, die diesen Tempel hier vor 30 Jahren aufgebaut hat. Rund fünf Millionen Bahai gibt es auf der ganzen Welt, alleine in Indien leben zwei Millionen von ihnen. Jedes Gotteshaus von ihnen, so auch der Lotus-Tempel in Neu-Delhi, hat neun Eingänge:

"Die symbolisieren die neun großen Religionen und alle diese Türen sind immer offen. Jeder, egal zu welcher Religionsgemeinschaft er auch gehört, kann hierher kommen und in seinen eigenen Worten hier beten."

Von innen sieht der Tempel wenig spektakulär aus: einfache Holzbänke, Teppichboden, vereinzelt stehen Blumengestecke verteilt. Diese Schlichtheit sei pure Absicht, sagt Kazem:

"Die Tatsache, dass du keinerlei Ablenkung hast, keine Götzen, keine Bilder. Das erlaubt dir, in einen Dialog mit dir selbst und dem Schöpfer zu treten. So haben wir dann ständig einen inneren Austausch."

"Ein einzigartiger Ort"

Vier Mal am Tag findet hier für zehn Minuten eine Zeremonie statt, gelesen wird aus den heiligen Büchern der großen Weltreligionen. Manchmal werden die heiligen Verse auch gesungen. Diese klare Stimme berühre die Seele, sagt Shaddra und erinnert sich daran, was sie gefühlt hat, als sie zum ersten Mal den Lotus-Tempel betreten hat:

"Ich habe geweint. Die Atmosphäre ist so friedvoll. Wenn all diese unterschiedlichen Menschen dort in aller Stille zusammen sitzen, verbreitet das im ganzen Raum einen spirituellen Geist."

So berichten es viele Besucher, die alle ziemlich entspannt aus dem Tempel wieder heraustreten.

"Das ist schon ein einzigartiger Ort hier", sagt auch Puja, die aus Mumbai angereist ist. Dafür habe sich das lange Warten mit den tausend anderen Menschen auf jeden Fall gelohnt.

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