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Der "Morgenstern"

Als Morgenstern zeigt sich die Venus jetzt von ihrer hellsten Seite. Etwa mit dem Beginn der Morgendämmerung erkennen Sie sie über dem östlichen Horizont. Bei noch recht dunklem Himmel sollten Sie den Planeten einmal bis in die helle Dämmerung verfolgen. Die Venus ist zur Zeit so hell, weil sie mit rund 60 Millionen Kilometern Abstand der Erde recht nahe ist. Auf der astronomischen Skala ist das fast nebenan.

Damond Benningfield |
    Durch ein Teleskop betrachtet erkennt man bei der Venus Phasen, wie wir sie vom Mond kennen. Jetzt zeigt sie sich in einer ziemlich schmalen Sichel. Wir sehen also zum größten Teil ihre Nachtseite - jenen Teil, der in ihrem eigenen Schatten liegt.

    Man könnte meinen, dass die Venus in dieser Phase recht blass sein sollte. Aber zu ihrer Helligkeit tragen auch noch andere Faktoren bei. Wenn die Venus aus der Sicht der Erde voll ist, befindet sie sich auf der anderen Seite der Sonne. Dann ist sie etwa 260 Millionen Kilometer von uns entfernt und wirkt dementsprechend klein. Jetzt sehen wir zwar nur eine Sichel, aber die Venus wirkt groß. Je näher uns der Planet kommt, umso mehr von ihrer Wolkendecke reflektiertes Sonnenlicht erreicht die Erde.

    Beim Blick durch ein Teleskop erkennen Sie vielleicht ein schwaches Licht auf der Nachtseite. Man nennt es "aschgraues Licht". Seit Jahrhunderten haben Venusbeobachter es beschrieben. Einige glaubten, es sei das Leuchten von Vulkanen unterhalb der Wolkendecke. Andere vertraten die Meinung, es handele sich um eine chemische Reaktion in der Atmosphäre. Keine Theorie konnte bestätigt werden. Vielleicht ist es nur eine optische Illusion.