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Der neue Judenhass?"Israel ist an allem schuld"

Vor einem Jahr grölten Demonstranten auf deutschen Straßen antisemitische Parolen – und die Polizei sah zu. Damals fragten sich jüdische Menschen in Deutschland: Geht es schon wieder los? Diese Frage hat sich auch die Journalistin und Filmemacherin Esther Schapira gestellt in ihrem Buch "Israel ist an allem schuld: Warum der Judenstaat so gehasst wird".

Esther Schapira im Gespräch mit Andreas Main | 29.07.2015

Die beiden Fernsehjournalisten des Hessischen Rundfunks, Ester Schapira (r) und Georg M. Hafner (Mitte) erhalten bei der Eröffnung der christlich-jüdischen Woche der Brüderlichkeit am Sonntag (11.03.07) in Mannheim die Buber-Rosenzweig-Medaille.
Die HR-Journalistin und Filmemacherin Ester Schapira (imago/epd)
Esther Schapira ist 1961 in Frankfurt am Main geboren. Geschrieben hat sie das Buch gemeinsam mit dem Fernsehjournalisten Georg M. Hafner. "Israel ist an allem schuld" ist eine Streitschrift, die zuspitzt. Esther Schapira räumt schon im Vorwort ein: "Wenn es um Israel geht, bin ich befangen." Im Gespräch mit dem Deutschlandfunk äußert sie ihre Verwunderung, dass Befangenheit nur den Nachfahren der Opfer des Judenmords unterstellt wird. "Warum glauben eigentlich so viele Menschen, bei diesem Thema völlig unbefangen sein zu können, und gleichzeitig sind ihre eigenen Vorfahren in den Judenmord verstrickt gewesen?"
Eine zentrale These der Autoren: Viele Deutsche haben mit Israel deshalb ein Problem, weil es ein Judenstaat ist. Israelkritik ist demnach der neue Judenhass. Jedenfalls dann, wenn nicht einzelne politische Entscheidungen kritisiert werden, sondern ein Staat pauschal verdammt wird.
Die Autoren beobachten "ein breites Bündnis des Ressentiments, der Gleichgültigkeit, der Kälte, das quer durch alle sozialen Schichten, quer durch die Religionen und quer durch die politischen Lager reicht." Mit Blick auf die Religionsgemeinschaften kritisiert Esther Schapira im Gespräch mit dem Deutschlandfunk sowohl extreme muslimische Kreise als auch antiisraelische Positionen in der katholischen und evangelischen Kirche.
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