Seit 04:05 Uhr Radionacht Information

Freitag, 16.11.2018
 
Seit 04:05 Uhr Radionacht Information
StartseiteKalenderblattDer schillernde August01.02.2008

Der schillernde August

Zum 275. Todestag von August dem Starken

Das Leben des sächsischen Kurfürsten Friedrich August I. - besser bekannt als August der Starke - ist reich an Höhepunkten wie an Verlusten. Sein Hof war der glänzendste im damaligen Europa, er ließ den Zwinger errichten, verwandelte sein Dresden in die barocke Kleinausgabe von Florenz und ruinierte damit die Staatsfinanzen. Er trat zum Katholizismus über, um König von Polen werden zu können, und liebte die Frauen. Heute vor 275 Jahren starb er als August II., König von Polen.

Von Klaus Kühnel

Eine bronzene Reiterstatue, 1730 gegossen von Jean-Joseph Vinache, zeigt August den Starken. (AP)
Eine bronzene Reiterstatue, 1730 gegossen von Jean-Joseph Vinache, zeigt August den Starken. (AP)

" Das Land jubelte, mich an die Stelle meines Bruders treten zu sehen, da man mein sanfteres Gemüt kannte. "

Mit diesen Worten erinnerte sich Friedrich August I. an die Zeit, als er nach dem plötzlichen Tode seines ältesten Bruders 1694 vollkommen überraschend zum Kurfürsten von Sachsen emporstieg. Doch seine Untertanen wussten, dass der neue Herrscher alles andere als ein sanftes Gemüt besaß und seiner Gattin nicht nur die kalte Schulter zeigte, sondern gelegentlich auch die Faust. Der englische Gesandte am sächsischen Hof rapportierte deshalb:

" Der Kurfürst kann sich an irgendeine regelmäßige Lebensart gar nicht gewöhnen und wird bei dieser Art zu leben untergehen. "

Zunächst beherrschte den 24-jährigen Friedrich August nur ein Wunsch: Er wollte das Leben genießen und nahm sich seine erste Mätresse - Aurora von Königsmarck - zeugte mit ihr einen illegitimen Sohn und servierte sie flugs wieder ab. Ihr folgte Gräfin Cosel, die für ihre achtjährige Affäre mit dem Kurfürsten 100.000 Taler im Jahr verpulvern konnte. Minister Flemming charakterisierte Augusts Verhältnis zu den Herzdamen:

" Seine Mätressen glauben, dass er sie liebt. Er hat sie aber nur zum Vergnügen. "

12 Mätressen hielt er sich im Laufe seines Lebens, aber Legende sind die 365 von ihm außerehelich gezeugten Kinder. Nur acht derartige Nachkommen erkannte dieser "Don Juan auf dem Throne" an. Nebenbei beschäftigte sich der "Sächsische Herkules" auch mit dem Zerbrechen von Hufeisen, ließ die anfallenden Hälften gewissenhaft archivieren und mit Sprüchen wie diesem versehen:

" Durch Dero Eigenen Hohen Händen am 15. Februar 1711 voneinander gebrochen. "

Friedrich Augusts größte Leidenschaft galt jedoch dem Ausbau seiner Macht. Er begann sich ernsthaft um den gerade leer stehenden Thron von Polen zu bemühen.

" Umb Pohlen in Flor und in ansehung gegen seine nachtbarn zu sehzen. "

So begründete der Kurfürst in einer Denkschrift und in dem ihm eigenen sächsischen Hochdeutsch, weshalb er nach der polnischen Krone strebte. Polen und Sachsen waren wirtschaftlich eng miteinander verbunden, polnische Kaufleute besuchten seit Jahren die Leipziger Messen. Dem Königreich fehlte, was das Kurfürstentum besaß: eine hoch entwickelte Wirtschaft, die in der Lage war, den ständig wachsenden Bedarf an Lebensnotwendigem und Luxus zu decken. Sachsen wiederum brauchte, was Polen im Überfluss aufzuweisen hatte: dringend benötigte Rohstoffe.

" Paris war eine Messe wert - warum nicht auch das katholische Polen? "

Diese Überlegung beschäftigte Friedrich August fortgesetzt. Er bekannte sich zwar zum lutherischen Glauben, aber als König von Polen musste man katholisch sein. Rasch entschlossen, wechselte der Kurfürst deshalb am 2. Juni 1697 den Glauben, wurde tatsächlich gewählt, und ließ sich am 15. September 1697 in der Wawelkathedrale Krakaus als König August II. von Polen krönen. Die polnische Herrlichkeit des Sachsen dauerte allerdings nicht lange. Gegenkönig Stanislaw Leszczynski zwang August am 24. September 1706 mit Waffengewalt, auf die Krone zu verzichten. Nun wandte sich August seinem Heimatland Sachsen zu, reorganisierte die Wirtschaft, die Finanzen, das Straßenwesen, gründete die Porzellanmanufaktur in Meißen, gab den Dresdener Zwinger in Auftrag, das Japanische Palais und vergrößerte die Armee. Am 20. August 1709 eroberte er Polen und mit ihm seine verloren gegangene Königskrone zurück. Jetzt feierte er Feste wie kein anderer deutscher Fürst, kaufte Gemälde von Weltrang und befahl seinem Hofjuwelier, seine in einem grün gestrichenen Gewölbe untergebrachte Schatzsammlung zur bedeutendsten in Europa zu machen.

Am 1. Februar 1733, auf einer Reise von Dresden nach Warschau, starb König August II. von Polen im Alter von 64 Jahren. Sein Leib wurde in Krakau beigesetzt, sein Herz erhielt eine Silberkapsel und wird bis heute in der Dresdener Hofkirche aufbewahrt. Es soll wieder zu schlagen beginnen, wenn eine berückend schöne Frau vorübergeht. Doch wer kann das jemals überprüfen?

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk