Der siebte Planet in OppositionUranus, der neue Planet und das Haarpuder

Heute Nacht erreicht der siebte Planet des Sonnensystems seine beste Stellung des Jahres. Uranus steht im Sternbild Widder und ist schon in einem kleinen Fernglas auszumachen.

Von Dirk Lorenzen | 04.11.2021

Der Gasplanet Uranus, beobachtet vom Hubble-Weltraumteleskop
Der Gasplanet Uranus, beobachtet vom Hubble-Weltraumteleskop (ESA/Hubble/NASA)
Wegen seiner großen Entfernung von fast drei Milliarden Kilometern erscheint Uranus als Lichtpunkt – erst in größeren Amateurteleskopen fällt der Planet als winziges Scheibchen auf.

Erweiterung des Weltbildes

In der Antike waren nur die sechs Planeten bis zum Saturn bekannt. Der neue Planet war die erste Erweiterung des traditionellen Weltbildes. Seine Entdeckung 1781 durch Wilhelm Herschel war eine Sensation.
Sichel des Planeten Uranus, aufgenommen von der Raumsonde "Voyager 2".
Die Sichel des Uranus, fotografiert von der Raumsonde Voyager-2 nach dem Vorbeiflug im Januar 1986 (NASA) (NASA)
Dabei war Herschel nur der erste, der Uranus beobachtet und dabei bemerkt hat, dass er kein Fixstern ist. Wie sich später herausstellte, hat schon fast hundert Jahre vor Herschels Entdeckung, John Flamsteed Uranus mehrfach beobachtet. Aber er hat ihn stets als Stern 34 Tauri in seine Karten eingetragen.

Uranus auf der Haarpudertüte

Geradezu tragisch ist der Fall des französischen Astronomen Pierre Charles Lemonnier. Er hat Uranus nicht weniger als zwölfmal beobachtet. Sein Kollege François Arago höhnte, dass Lemonnier schon zwölf Jahre vor Herschel die Planetennatur des Uranus erkannt hätte, wenn seine Journale nicht ein Bild des Chaos gewesen wären. Eine der Beobachtungen des Uranus stand – so Arago – auf einer Papiertüte geschrieben, welche ehedem Haarpuder enthielt.
Lemonnier hat seine Chance verpasst: Er ist heute bestenfalls noch Experten bekannt. Herschel dagegen hat seinen Platz in den Geschichtsbüchern der Astronomie sicher – dank Uranus.