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StartseiteCampus & KarriereDer Spion, den ich studierte12.01.2005

Der Spion, den ich studierte

Diplomarbeit zu Frauen und Wissenschaft in James-Bond-Filmen

<strong> Wer an James Bond denkt, denkt an sie: die Bond-Girls. Unwiderstehlich, sexy und manchmal auch ein bisschen dümmlich - so präsentieren sich die Hollywood-Schönen auf der Leinwand. Dass ausgerechnet sie Schwerpunkt einer wissenschaftlichen Arbeit sind - das hätte nicht einmal der Mann gedacht, der sich mehr als ein halbes Jahr lang mit dem Geheimagenten beschäftigt hat. Volker A. Davids aus Lippstadt hat nämlich an der Bielefelder Uni seine Diplomarbeit zum Thema "Über den Wandel der Darstellung von Wissenschaft in James-Bond-Filmen" geschrieben. Und dabei hat er erstaunliches festgestellt. </strong>

Von Antje Althoff

Sean Connery und "Bond-Girl" Luciana Paoluzzi bei Dreharbeiten zu "Thunderball" (AP Archiv)
Sean Connery und "Bond-Girl" Luciana Paoluzzi bei Dreharbeiten zu "Thunderball" (AP Archiv)

Er hat sie alle gesehen. Vom ersten, "Dr. No", bis zum letzten, "Stirb an einem anderen Tag." Die 20 James-Bond-Filme. Volker A. Davids kennt sie in- und auswendig. Ein halbes Jahr lang hat er nichts anderes gemacht, als mit dem englischen Geheimagenten auf Verbrecherjagd zu gehen. Mit Hilfe des DVD-Players, versteht sich. Zehn, fünfzehn Mal hat er einzelne Szenen angeschaut, analysiert, die Dialoge Wort für Wort aufgeschrieben. Ein besseres Forschungsobjekt für seine Diplomarbeit konnte sich der Soziologe nicht vorstellen.

Es gibt ein ganz starres Konzept, wie ein Bond-Film auszusehen hat und es gibt nur ganz wenig Möglichkeiten, davon abzuweichen. Es gibt immer Technik, es gibt immer Action, das Bond-Girl und bestimmte Charaktere.

"Die Welt ist nicht genug" aus dem Jahr 1999:

"Willkommen in Kasachstan. Ich bewundere ihre Arbeit schon sehr lange. Wissenschaftler von ihrem Format sehen wir hier selten." "Ich bin da, wohin mich die Arbeit treibt."

Pierce-Brosnan-007 tarnt sich als russischer Wissenschaftler und sucht verstecktes Plutonium. Wie immer gut aussehend, charmant und überaus klug. Ihm gegenüber - ebenso gut aussehend, charmant und klug - Denise Richards als Atomphysikerin Dr. Christmas Jones, die ihm locker Paroli bietet.

Für Volker A. Davids die Schlüsselszene einer erstaunlichen Entwicklung.

Überraschenderweise sind die Bondgirls die Charaktere, die .. zu Wissenschaftlerinnen werden und dadurch rückt auch die Wissenschaft in einen zentraleren Punkt.

Ausgerechnet die Bond-Girls sind für die zunehmende Bedeutung von Wissenschaft verantwortlich - damit hatte der 31-jährige Soziologe nicht gerechnet. Doch bis die Damen ihren Kopf auch einmal einsetzen durften, musste eine lange Zeit Film-Geschichte vergehen.

Der Anfang, 1962, "James Bond jagt Dr. No": Ursula Andress als Muschel suchende Bade-Schönheit fällt nicht unbedingt durch ihre Intelligenz auf.

"Sie haben doch wohl einmal eine Schule besucht?" "Das brauchte ich nicht. Wir hatten ein großes Konversationslexikon. Ich habe mit acht bei A angefangen und jetzt bin ich bei T."

Auch in "Goldfinger", zwei Jahre später, ist die Rolle der Frau klar definiert.

"Angenehm?" - "Sehr angenehm, ein bisschen tiefer, Liebling."

Eine Asiatin massiert James Bond, alias Sean Connery, hingebungsvoll den Rücken. Bis sie gestört werden. Mit einem Klaps auf den Po entlässt 007 die Masseurin mit dem wenig charmanten Namen "Ding" und ist bereit, die Welt zu retten.

Das Bond-Girl war ein Objekt der Begierde, ein reines Sexualobjekt, das auf gewisse Weise zwar frei war, aber nur ..dahingehend, dass sie bereit war, auch ohne feste Bindung mit einem Mann ins Bett zu steigen. Ansonsten war sie darauf reduziert, hübsches Beiwerk zu sein.

Das ändert sich erst in den späten 70er Jahren. Das Bond-Girl kommt jetzt mit Köpfchen daher. In "Der Spion, der mich liebte" hat James Bond zum ersten Mal eine Frau zur Gegenspielerin. Triple X, beste Agentin auf russischer Seite.

Sie war eigenständig, hat ihm widersprochen. Sie hat einen eigenen Willen, was bis dahin nicht denkbar war in James-Bond-Filmen.

Seitdem ist es immer das Bond-Girl, das den entscheidenden Hinweis für 007s Missionen liefert - von den beiden Timothy-Dalton-Filmen einmal abgesehen. In "Moonraker" 1979 hätte es der Agent allein niemals zum entscheidenden Showdown ins All geschafft. Erst die Astronautin Holly Goodhead kutschiert ihn dorthin.

Vom sexy Dummchen zur selbstbewussten Wissenschaftlerin - für den Soziologen Volker A. Davids hat die rasante Entwicklung der Bond-Gespielin zwei Gründe: die 68-ger Bewegung und die Emanzipation.

So wie die Bedeutung von Wissenschaft in der Gesellschaft zunimmt, so nimmt auch die Bedeutung von Wissenschaft im James-Bond-Film zu.

In einem bleiben sich allerdings auch die Bond-Damen treu: in ihrem ständigen sexuellen Appetit auf den Geheimagenten Ihrer Majestät.
Aber im Gegensatz zu den ersten Streifen, sind sich die Damen der 80-er und 90-er Jahre ihrer Stärke bewusst und setzen diese ganz gezielt ein.
Und da hat dann auch ein James Bond nicht mehr viel zu melden.

Filmzitat:
"Miss, äh.." "Doktor. Jones. Christmas Jones." "Und bekomme ich für die Arbeit keinen Schutz?" "Nein, wenn Sie überhaupt Schutz brauchen, dann vor mir."

Für seine Diplomarbeit "Über den Wandel der Darstellung von Wissenschaft in James-Bond-Filmen" hat Volker A. Davids übrigens eine Zwei bekommen.

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