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Der Sport bleibt steuervergünstigt

Die meisten internationalen Sportorganisationen und -verbände haben ihren Sitz in der Schweiz - und das vor allem aus steuerlichen Gründen. In der vergangenen Woche standen die Steuervergünstigungen im Nationalrat zur Diskussion und obwohl die Verbände wie Unternehmen geführt werden und zum Teil Milliardengewinne abschöpfen, hat der Nationalrat die Steuervergünstigungen bestätigt.

Von Heinz Peter Kreuzer |
    Mit einer Parlamentarischen Initiative hatte Ruedi Aeschbacher von der Evangelischen Partei versucht, die Steuerbefreiung der in der Schweiz ansässigen Sportorganisationen aufheben zu lassen. Mit dem Beispiel der Euro 2008 in Österreich und der Schweiz hatte Aeschbacher seinen Antrag begründet. Die Europäische Fußball-Union Uefa habe eine Tochtergesellschaft für die kommerzielle Vermarktung der Veranstaltung gegründet:

    "Über eine Milliarde Schweizer Franken ist am Schluss von dieser EURO 08 in den Kassen dieser Tochtergesellschaft gelandet. Und diese hat den ganzen Gewinn, ohne das er versteuert werden musste, an die UEFA, also an die Mutter, übergeben können."

    Und nicht nur das. Die Schweiz verzichtet nicht nur auf Steuern, sie gibt auch Steuergelder für die Veranstaltungen dieser Verbände aus. Aeschbacher:

    "Das noch auf dem Hintergrund, das der Bund, die Kantone und die Austragungsstädte an diese EURO 08 ungefähr 200 Millionen Franken beigesteuert haben. Also mit anderen Worten: Der Gewinn für die Uefa, die Kosten für den Steuerzahler. das kann es meiner Meinung nach nicht sein."

    Bei der Mehrheit der Nationalräte fanden seine Argumente kein Gehör. Mit 116 gegen 58 Stimmen bei zehn Enthaltungen verwarfen sie die Parlamentarische Initiative. Die beiden großen Fußballverbände FIFA und Uefa sowie das Internationale Olympische Komitee IOC und andere Sportorganisationen profitieren also auch in Zukunft von Steuerbegünstigungen. Charles Favre von der Liberalen Fraktion argumentiert zum einen mit dem Imagegewinn, den die Ansiedlung von Sportorganisationen wie FIFA, Uefa oder IOC der Schweiz bringen würde. Zum anderen hätte es auch einen wirtschaftlichen Vorteil:

    "Aber sie zahlen indirekte Steuern, zum Beispiel Mehrwertsteuer, und die Leute, die in diesen verschiedenen Vereinen arbeiten, diese Leute müssen Steuern zahlen."

    Außerdem wären diese Verbände gemeinnützig, ihre Einnahmen würden beispielsweise für Nachwuchsarbeit in die nationalen Verbände fließen:

    "Sie haben viel Geld gemacht, aber dieses Geld geht in andere Länder, für die Bildung von den Leuten, von den jungen Leuten, und so es ist eine öffentliche Arbeit, und so sagen wir, sie müssen keine Steuern zahlen."

    Ein Argument, das Aeschbacher zum Lachen bringt:

    "Ich bezweifle das ja sehr, wenn man die hohen Saläre und Bezüge und die Spesen dieser Funktionäre sieht."

    Dazu kommt: Am Beispiel der FIFA kann man auch den Missbrauch dieser Gelder sehen. So finanziert der Fußball-Weltverband das Entwicklungs-Programm Goal für Länder aus Afrika, Asien und der Karibik. In Wirklichkeit sind dies aber versteckte Wahlkampfgeschenke für den Präsidenten Joseph Blatter.