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StartseiteSport am Wochenende"Der Sport ist in Gefahr"01.03.2011

"Der Sport ist in Gefahr"

Wettbetrug gefährdet die Integrität des Sports - jetzt will das IOC reagieren

IOC-Präsident Jacques Rogge bezeichnet illegale Wetten neuerdings als das "größte Übel der Sportwelt". Von daher empfing Rogge in Lausanne zahlreiche Regierungsvertreter, Wettanbieter und Kriminalisten um Maßnahmen gegen Wettbetrug künftig global abzustimmen.

Von Jens Weinreich

Jacques Rogge, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (AP)
Jacques Rogge, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (AP)

Am Symposium im IOC-Hauptquartier nahmen neben zwei Dutzend führenden Sportfunktionären die Sportminister der Schweiz (Ueli Maurer), Frankreichs (Chantal Jouanno), Großbritanniens (Hugh Robertson) und Australiens (Mark Arbib) teil. Zu den wichtigsten Gästen zählten auch Ronald Noble, Generalsekretär von Interpol, und Dimitri Vlassis, Chef des UN-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung. IOC-Präsident Jacques Rogge geißelt den Wettbetrug als "größte Gefahr für die Integrität des Sports". Wohlgemerkt akzentuiert sich die Kritik allein auf illegale Wettanbieter und unlautere Wetten - nicht auf jene Firmen, die weltweit mit Sportverbänden und Vereinen kooperieren, als Sponsoren auftreten oder über staatliche Lotterien einen großen Teil des olympischen Sportbusiness finanzieren.

Die neuesten Zahlen: Im regulären Wettgeschäft werden jährlich 367 Milliarden US-Dollar umgesetzt, sagt IOC-Finanzchef und Exekutivmitglied Richard Carrion aus Puerto Rico. Er glaubt sogar, dass der Umsatz im illegalen Bereich höher ist. Rogge sprach allerdings von 140 Milliarden Dollar. So oder so, Rogge sagt:

"Der Sport ist in Gefahr. Es geht nicht nur um die Olympischen Spiele. Es geht um den gesamten Sport!"

Bei den Sommerspielen 2008 in Peking hat das IOC erstmals mit der Firma EWS (Early Warning System) des Fußball-Weltverbandes FIFA kooperiert. 2009 gründete man in Meilen die eigene Firma ISM (International Sports Monitoring), deren Dienste allen 35 olympischen Sport-Weltverbänden zur Verfügung stehen. ISM übernahm das Monitoring während der Winterspiele 2010 in Vancouver. Weder in Peking noch in Vancouver wurden auffällige Aktivitäten festgestellt. "Aber wir sind nicht blauäugig", sagt Rogge, "wir wissen, dass es früher oder später dazu kommen wird."

Das IOC hat eine Task Force gegründet, die bis Ende des Jahres einschneidende Maßnahmen empfehlen soll. Ein Vorschlag wie der von WADA-Generalsekretär David Howman, analog zur Welt-Anti-Doping-Agentur eine "Sport-Integritäts-Agentur" oder gar eine Anti-Korruptions-Agentur zu gründen, die sich auch mit der Korruption in den eigenen Reihen unter Funktionären befassen soll, ist nicht mehrheitsfähig.

"Das Thema illegale Wetten ist drängender", sagt Richard Carrion, ein potenzieller Anwärter auf die IOC-Präsidentschaft: "Für alles andere haben wir unsere Ethik-Kommissionen." Rogge sprach von "pragmatischen Allianzen". Drängend seien die Angleichung von nationaler Gesetzgebung und internationale Kooperationen etwa im Rahmen des Europarats und der Vereinten Nationen um illegalen Wettanbietern das Geschäft zu erschweren.

Rogge will, dass die regulären Anbieter einen Teil ihres Umsatzes an Sportverbände abgeben. Aus diesen Mitteln sollen Maßnahmen finanziert werden, um die Integrität des sportlichen Wettbewerbs zu gewährleisten. Rogges Amtszeit endet im Herbst 2013. Der Kampf gegen Wettbetrug ist sein letztes großes Projekt als IOC-Präsident.

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