Sonntag, 26.01.2020
 
Seit 11:30 Uhr Sonntagsspaziergang
StartseiteKultur heuteDer verzögerte Umzug der C/O-Fotogalerie31.07.2013

Der verzögerte Umzug der C/O-Fotogalerie

Serie "Auf der Kulturbaustelle", Teil 1

Die C/O-Galerie Berlin hat sich mit Ausstellungen von Fotografen wie Annie Leibovitz, Anton Corbijn oder Peter Lindbergh internationales Renommee erarbeitet. Jetzt zieht sie vom ehemaligen Postfuhramt in Berlin-Mitte ins ehemalige Amerika-Haus in Charlottenburg um - doch es gibt noch viel zu tun.

Von Cornelius Wüllenkemper

Zum Umzug gibt es eine Ausstellung der C/O-Galerie über die Geschichte des Amerika-Hauses.  (picture alliance / dpa Foto: Marcel Kusch)
Zum Umzug gibt es eine Ausstellung der C/O-Galerie über die Geschichte des Amerika-Hauses. (picture alliance / dpa Foto: Marcel Kusch)

"So, jetzt stehen wir hier im Foyer, und man sieht eben hier auf dem Foto kurz nach der Eröffnung des Gebäudes 1957 den originalen Solnhofener Jura-Bruchstein-Boden, und der liegt hier eben auch drunter. Und da wird jetzt dieser Gummibelag runtergeschält, und dann kommt hoffentlich dieser Boden wieder raus. Und dann kommt diese ganze Rigips-Hölle hier raus - also, das ist ja alles Rigips, das ist ja alles hohl – und die abhängten Decken weg und die Böden, und dann atmet das hoffentlich alles wieder."

Felix Hoffmann steht im Erdgeschoss des ehemaligen Amerika-Hauses an der Berliner Hardenbergstraße und erklärt, welche Arbeiten unmittelbar anstehen. 1957 ließ hier die amerikanische Besatzungsmacht einen zweigeschossigen, lichtdurchfluteten Kastenbau im Stil der "Neuen Sachlichkeit" errichten – auch als Repräsentanz von demokratischer "re-education" und westlicher Wertevermittlung in der Frontstadt.

Anknüpfen an die Kulturgeschichte des Amerika-Hauses

Das Amerika-Haus ist künftiger Standort der C/O Galerie Berlin (dpa / picture alliance / Tim Brakemeier)Das Amerika-Haus ist künftiger Standort der C/O-Galerie. (dpa / picture alliance / Tim Brakemeier)Bis 2006 beherbergte das Amerika-Haus ein Kulturzentrum mit Bibliotheken, Kinosaal und Ausstellungsflächen. Nach dem Mauerfall verloren die Amerikaner nach und nach das Interesse daran. Vor Kurzem ist der neue Mieter eingezogen: Berlins wichtigste Fotogalerie C/O-Berlin, weltweit bekannt, und – man darf es ruhig einmal sagen – ein Symbol für die junge, hippe Hauptstadt.

Drei junge Männer hatten sie um die Jahrtausendwende in Berlin-Mitte gegründet, zogen etwas später gar ins ehemalige Postfuhramt des Kaiserreichs. Jetzt also der Umzug in ein Viertel, das mancher eher mit dem Bahnhof Zoo, der dazugehörigen Klientel oder dem Erotikmuseum um die Ecke verbindet. Das war nicht immer so, darauf weist C/O-Berlin derzeit in einer Freilichtausstellung vor dem Gebäude hin.

"Was war hier? Hier war die Secession von Liebermann, Corinth und Slevogt an der Kantstraße. Es gibt eine Kulturgeschichte an diesem Ort, und daran wollen wir natürlich auch anknüpfen. Im Amerika-Haus sind fantastische Ausstellungen gelaufen. Hier war die erste Ausstellung von Robert Rauschenberg in Deutschland. Lee Friedlander, William Eggleston und andere amerikanische Fotografen hatten hier große Ausstellungen. Das wäre ja dumm, wenn man daran nicht anknüpfen würde."

Und es stimmt: Vielleicht kann der Zuzug von C/O-Berlin zur Neu-Entwicklung des Viertels um den Bahnhof Zoo beitragen. Gegenüber sind 2004 das Museum für Fotografie und die Helmut-Newton-Stiftung eingezogen. Etwas weiter weg befinden sich die Universität der Künste, die Berliner Festspiele, die Schaubühne und auch die Deutsche Oper.

Bis C/O-Berlin dazu stößt, bleibt aber noch genug zu tun: Wenn das Immobilien-Management des Berliner Senats die Räume Ende des Jahres nach der Entfernung von Rigipsplatten, Hängedecken und vergitterten Fenstern, nach dem Einbau des barrierefreien Aufzugs und nach der Schadstoffbeseitigung bezugsfertig übergibt, beginnt die Feinarbeit.

"Wir sind eine Stiftung, wir haben kein Stiftungsvermögen und wir werden für den zweiten Bauabschnitt selber aktiv werden, mit Ausstellungswänden, Klimatechnik, Möblierung . Und da sind wir eben intensiv auf der Suche nach Mäzenen, die uns unterstützen. Das ist halt was anderes, als wenn ich mich im Sessel zurücklehne und sage, ja, der Steuerzahler wird es schon machen, irgendwoher kommt das Geld. Hier kommt das Geld eben nicht irgendwoher. Entweder wir schaffen das selber, oder wir müssen halt abspecken."

Auf etwa 2,5 Millionen Euro werden sich die privaten Investitionen belaufen; neben der Ausstellungstechnik müssen auch 300 Quadratmeter Ausstellungsfläche im Erdgeschoss gegen Tageslicht abgeschottet und der 230 Quadratmeter große ehemalige Kinosaal umgerüstet werden, auch ein Café und einen Buchladen soll es geben. Im ersten Obergeschoss werden weitere Ausstellungskabinette und ein großer, glasbedachter Saal für skulpturale Werke hergerichtet. Kurator Felix Hoffmann sorgt sich aber nicht um bauliche oder finanzielle Schwierigkeiten, auf die man bei C/O Berlin stets flexibel reagiert hat.

Wird es den Facebook-Fans in Westberlin gefallen?

Eingang von C/O Berlin (dpa / picture alliance / XAMAX)Maroder Charme: Eingang des Postfuhramts in Mitte. (dpa / picture alliance / XAMAX)"Meine größte Sorge ist, das Publikum mitzunehmen. Weil das Postfuhramt mit seinem maroden Charme und zerbröckelten Putz und dieser Synergie von neu und alt einfach so ein ganz eigenes Flair hatte, und ich immer Sorge habe, dass wir hier zu museal werden. Wenn ich schon an Klimatechnik denke und an diese weißen Wände, dann denke ich, hoffentlich kommen unsere 41.000 Tausend Facebook-Fans mit. Wir haben ja die größte Facebook-Community aller deutschen Museen. Hoffentlich bleibt diese junge Klientel da. Denn dafür mache ich es ja."

150.000 bis 200.000 Besucher jährlich sind vonnöten, damit die Fotogalerie Miete, Gehälter sowie Workshops und Veranstaltungsreihen bestreiten kann. Neben jungen Menschen zählt Felix Hoffmann auch auf die Alt-Charlottenburger Kunstszene und auf Kooperationen mit der Helmut-Newton-Stiftung gegenüber.

Wenn alles gut geht, schlägt das ehemalige Herz Westberlins künftig für Fotografie: Denn C/O hat sich bis heute mit jährlich etwa 15 Ausstellungen von Fotografen wie Annie Leibovitz, Leonard Freed, Anton Corbijn oder Peter Lindbergh internationales Renommee erarbeitet.


Auf der Kulturbaustelle
Die Kultur-heute-Sommerserie zu Renovierungs- und Umbauarbeiten an Deutschlands Bühnen und Museen

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk