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StartseiteUmwelt und VerbraucherDer wegbrechende Markt für Plutonium20.03.2013

Der wegbrechende Markt für Plutonium

500 Tonnen liegen bereits auf Halde

Plutonium ist wohl der gefährlichste Stoff der Atomindustrie. Und gerade hier wächst der Lagerbestand weiter an, weil die Nachfrage durch den Atomausstieg weiter sinkt - was in der Zukunft zu großen Problemen führt. Zwei atomkritische Expertenverbände diskutierten in Paris Lösungen.

Von Suzanne Krause

Die Lagerung und Wiederaufbereitung von Plutonium wird immer mehr zum Problem. (picture alliance / dpa - Wolfram Steinberg)
Die Lagerung und Wiederaufbereitung von Plutonium wird immer mehr zum Problem. (picture alliance / dpa - Wolfram Steinberg)
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500 Tonnen reines, abgespaltenes Plutonium liegen heute weltweit auf Lager. Genügend Stoff für Zehntausende Atombomben. Die Halde wächst jährlich und auch die Wiederaufarbeitung von Atommüll bremst dieses Wachstum kaum. Bei der wird Plutonium aus abgebrannten Uran-Brennstäben abgespalten und für neue Mischoxid-Brennstäbe, MOX genannt, verwendet. Allerdings lassen sich so nur geringe Mengen eliminieren. Und der Traum vom geschlossenen Brennstoffkreislauf ist heute eher ausgeträumt.

Ein Grund sind die enormen Kosten. Zum Beispiel: eine Mox-Fabrik, an der der französische Atomkonzern AREVA seit 2008 im amerikanischen South Carolina baut. Statt der 2002 veranschlagten zwei Milliarden Dollar wurde bislang schon das Doppelte ausgegeben. Und für Fertigstellung und Betrieb der Anlage bis 2039 werden aktuell weitere 13 Milliarden Dollar veranschlagt.

Frank von Hippel ist Co-Präsident der Organisation International Panel on Fissile Materials und hat den früheren Staatspräsidenten Bill Clinton zum Thema Management atomarer Spaltprodukte beraten:

"Das Mox-Programm ist immer teurer geworden. Und die Budgetkürzungen in Washington lassen schwierige Entscheidungen vorausahnen. In zwei Wochen werden wir wissen, ob die Obama-Regierung nun beim Mox-Programm drastisch streichen will – und das wäre der Anfang vom Ende."

In Großbritannien wird derzeit heftig über den Bau einer neuen Mischoxid-Fabrik diskutiert: Das Land sitzt auf 118 Tonnen zivilen Plutoniums, weltweiter Rekord. Eine erste Anlage musste schließen: Sie erbrachte nur ein Prozent der ursprünglich kalkulierten Leistung. Und Japan, ehemals Hauptabnehmer von plutoniumhaltigen Brennstäben, ist nach dem schweren Reaktorunglück in Fukushima vorläufig abgesprungen. Deutschland, 2005 aus der Wiederaufarbeitung ausgestiegen, entsorgt seine Plutoniumbestände sukzessive dank des im Ausland produzierten Mischoxid-Brennstoffs, erläutert Klaus Janberg, ehemals Vordenker der deutschen Plutoniumwirtschaft.

"Anscheinend wird das mit einigen Schwierigkeiten klappen, dass man bis 2022 alles Plutonium aus den jeweiligen Reaktoren oder in den jeweiligen Reaktoren zurückgeführt hat. Wie die Situation genau ist bei Vattenfall oder auch beim Bund und seinen Forschungszentren, das kann ich leider nicht genau sagen."

Sehr bewusst haben die Veranstalter für ihr Symposium zum internationalen Plutoniummanagement Paris angesteuert: die französische Wiederaufarbeitungsanlage in La Hague ist rund um den Globus die einzige wirklich industrielle Anlage. Doch nun gibt Staatspräsident François Hollande vor, bis 2025 den Anteil des Atomstroms beim Energiemix von derzeit 75 Prozent auf 50 Prozent runterzufahren. Das Aus für mindestens 20 der 58 Reaktoren – und möglicherweise auch für die Wiederaufarbeitungsanlage selbst, sagt der unabhängige Energieexperte Mycle Schneider.

"Das betrifft vor allen Dingen auch Reaktoren, in denen heute Plutonium eingesetzt wird. Das heißt, wenn diese nicht mehr zur Verfügung stehen und man gleichzeitig einen riesigen Plutonium-Berg, der noch auf Halde liegt, abbauen muss, dann muss man sich sehr schnell überlegen, ob La Hague nicht abgeschaltet werden muss in den nächsten Jahren."

Während Wissenschaftler international nach technischen Lösungen suchen, die Plutonium-Halden abzutragen, sprechen sich die Symposiums-Organisatoren für eine abgesicherte Endlagerung tief in der Erde aus. Dafür plädieren sie derzeit ebenso bei Treffen mit Verantwortlichen der französischen Atomlobby. Um auch hier die Debatte anzuschieben.

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