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Desk-Sharing im Living-Tower

Ein Tisch ist ein Tisch - das behauptete zumindest der Schweizer Schriftsteller Peter Bichsel in einer Kurzgeschichte. Doch die Zeiten haben sich geändert, und inzwischen gleicht kaum noch ein Tisch dem anderen. Das moderne Büro von heute will mehr als nur ein funktionaler Arbeitsraum sein. Es muss den verschiedensten Bedürfnissen seiner Nutzer Platz bieten, komfortabel und gleichzeitig ansprechend sein.

16.11.2002
    Ein Beitrag von Antje Allroggen

    Wir sitzen auf einer orangefarben gepolsterten Bank des österreichischen Möbelherstellers bene. Aus der sogenannten "intelligenten Lehne" rankt ein flacher Bildschirm, im Polster verbirgt sich ein Netzanschluss und sorgt für die nötige Stromzufuhr und den Internet-Zugang. Wer den Computer nicht braucht, kann in die Armlehne auch eine Lampe montieren oder sie auch einfach als Unterlage für einen Teller oder ein Glas nutzen. Das Büromöbel von heute gibt sich anpassungsfähig und multifunktional, erklärt Evelyz Szalony:

    Das heißt, man geht davon aus, dass sich die Inhalte, also auch die räumlichen Bedingungen, immer wieder ändern und anpassen müssen. Es ist alles sehr bewegt, wie Sie wissen, sind auch die Zeiten bewegt, und wir können auf die veränderten Bedingungen sehr gut mit unseren Lösungen eingehen. Das heißt wir sehen das Büro als Ressource. Unser Produkt ist der Raum, und für diese Bürowelten kreieren wir jetzt die Lösungen, und die Menschen, die stellen wir dabei in den Mittelpunkt.

    Die neuen Büromöbel haben außerdem auf den Zuwachs an Teamwork in der Arbeitswelt reagiert: Seit einiger Zeit gibt es sogenannte Desk-Sharing-Arbeitsplätze, die sich zwei oder mehrere Mitarbeiter teilen können. Die Höhenlage dieser Schreibtische ist häufig variabel.

    Die Trends zeichnen sich sicherlich schon seit längerer Zeit ab mit höhenverstellbaren Einrichtungen, die elektrisch oder mechanisch funktionieren. Es reicht auch bis zu dem Bereich hin, dass Kommunikationsbereiche mit angeschlossen sind, dass die Möglichkeit geschaffen ist, an zwei höhenverstellbaren Arbeitsplätzen zu arbeiten , so dass es sehr platzsparend auch wirkt.

    An den Schreibtischen des Möbeldesigners Franz Schwenk kann man sitzen, aber auch stehen. Ein besonders raffinierter Konferenztisch verbirgt in seinem Innern noch zusätzlichen Stauraum für Akten, Sektkühler oder andere Büro-Utensilien. Franz Schwenk:

    Dieser Konferenztisch hier hat die Neuigkeit, dass man in diesem Bereich ein Schrankteil hochfährt, in dem man bestimmte Dinge unterbringen kann, sodass sowohl Telefon, EDV-Einrichtungen, Beamer aufgestellt werden können, und damit lässt sich die ganze Bürotechnik im Konferenzbereich möglichst auf einem Tisch konzentriert anbieten und zusammenbauen und -stellen.

    Neben technischen Spielereien findet man unter den Büromöbeln auch viele farbige und verspielte Stücke. Aus Schreibtisch-Stühlen werden Sitzlandschaften, die man nicht nur besitzen, sondern auch erklettern oder erliegen kann. Relativ neu sind die Wiederauflagen alter Design-Klassiker aus den 60er und 70er Jahren, erzählt Irma Hager, Leiterin der Vitra Büromöbel-Marketing-Abteilung.

    Da wäre zum Beispiel dieser Verner Panton Living-Tower. Der ist allerdings schon aus dem Jahre 1969 und kann in verschiedenen Ebenen besessen werden. Er ist sehr bequem, man kann dann kommunizieren, man kann sich gegenüber sitzen in einem relaxten Zustand. Das ist die wichtige Aussage dabei. Man sitzt nicht auf einem Büro-Stuhl, sondern begibt sich in einen Living-Tower, um einfach auch mal Abstand zu gewinnen von dem, was man sonst macht.

    Auch für kleine Räume gibt es neue Lösungen: so lässt sich mit Hilfe einer einfachen Fernbedienung aus einer Schrankwand ein bequemes Bett zaubern. Ein ideales Möbel für die Studentenbude, meint Dirk Klasen, Möbelhersteller und Erfinder.

    Hier haben wir unseren Querschläfer. Wir haben die Möglichkeit, den Tower unterzubringen, es gibt eine Magnet-Pinnwand, Stellfläche zum Beispiel für Ordner, eine komplette Verkabelungs-Ebene, und wenn man dann genug gearbeitet hat, besteht die Möglichkeit, die ganze Konstruktion zu schließen und ein zweimal Einmeter-Bett auszufahren. Wenn man mit der Flasche Rotwein die letzten Ideen zu Papier gebracht hat, ohne dann noch ans Steuer zu müssen, kann man dann direkt ins Bett gehen.

    Das Modell gibt es übrigens auch für Längsschläfer. Für diejenigen, die ihre Beine bei der Arbeit am Computer gerne hochlegen, werden neuerdings Stühle angeboten, in denen man eher liegt als sitzt. Die Beine finden rechts und links neben dem Computer Platz, demonstriert Mladen Tsonev, Geschäftsführer einer bulgarischen Möbelkette, die den Arbeits-Liegestuhl Neuheit erfunden hat.

    I'm relaxing. I'm here with my work, I have my Internet. I can chat here, so I amfeeling very relaxing and comfortable.

    Praktisch ist auch die Stuhlneuheit des Jahres: ein Gerät, das sich mit nur einem Handschlag von einem Stuhl in einen Tisch und von einem Tisch in einen Stuhl verwandeln kann.