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Deutsch-dänische Annäherung

Bis zum 1. Juli soll über den Bau einer Brücke zwischen Puttgarden auf deutscher Seite und dem dänischen Rödby entschieden werden. Das 19 Kilometer lange und 5,5 Milliarden teure Bauprojekt würde Skandinavien und Kontinentaleuropa noch enger miteinander verbinden. Doch während die dänische Regierung das Projekt forciert, ist die Bundesregierung eher skeptisch. Marc-Christoph Wagner berichtet.

22.06.2007

Die Gruppe der Demonstranten vor der deutschen Botschaft ist überschaubar. "Sagt doch Ja zur Fehmarnbrücke" ist auf einem Transparent zu lesen. Dem deutschen Botschafter in Kopenhagen, Gerhard Nourney, wird ein Modell der Brücke überreicht. Ein PR-Gag, mehr wohl nicht.

Ebenfalls entspannt ist die Stimmung rund 150 Kilometer weiter südlich in Rödby auf der Wartespur zur Fähre Richtung Deutschland. Auch hier überwiegt die Zahl der Brückenbefürworter bei weitem:

"Na, das kann gar nicht schnell genug gehen. Das ist für beide Seiten von Vorteil, vor allem für die Grenzregionen. Je schneller, desto besser."

"Von dänischer Seite aus gesehen ist das eine sehr gute Idee. Der Verkehr geht ja mehr in diese Richtung, Deutschland ist unser größter Exportmarkt."
"
Etwas vorsichtiger allerdings wird man beim Thema Finanzierung. Man weiß um die leeren Haushaltskassen in Deutschland. Alleine, so der Tenor, aber könne Dänemark ein Verkehrsprojekt dieser Größenordnung nicht stemmen.

""75 Prozent der Baukosten, das wäre aus meiner Sicht okay. Wir Dänen haben den größeren Vorteil von einer Brücke. Aus Deutschland fahren ja fast nur Touristen gen Norden."

"Wenn Deutschland sich an den Baukosten nicht beteiligt, na, dann fahren wir weiter mit der Fähre, davon geht die Welt nicht unter. Eine Brücke wäre für uns Dänen ein Luxus, aber mit der Fähre geht es auch."

Inzwischen hat die Diskussion auch die dänische Politik erreicht. Die 5,5 Milliarden Euro, die Verkehrsminister Flemming Hansen für das Projekt verwenden möchte, könnten an anderer Stelle sinnvoller genutzt werden - entweder für eine zweite Brücke innerhalb Dänemarks, die Jütland im Westen mit Seeland im Osten verbindet, oder aber für eine Brücke zwischen Gedser und Rostock, der direkten Verbindung zwischen Berlin und Kopenhagen und der direkte Weg zu den osteuropäischen Märkten. Martin Lidegaard, verkehrspolitischer Sprecher der sozial-liberalen Partei:

"Die Fehmarnverbindung ist ein Projekt aus der Zeit des Kalten Krieges, als noch die Mauer stand, Deutschland in Ost und West geteilt war. Hamburg ist zwar nach wie vor ein Wirtschaftszentrum. Das Wachstum der Zukunft aber liegt in Osteuropa. Ich sage: Lassen sie uns eine Brücke in die Zukunft, nicht in die Vergangenheit bauen."

Unterstützung erhält Lidegaard von Per Homann Jespersen, Verkehrsexperte an der Universität in Roskilde. Rostock verfüge bereits über eine Anbindung an Autobahn und Schienennetz, was die Investitionen auf deutscher Seite verringern würde. Und obwohl mit knapp 40 Kilometer fast doppelt so lang wie die geplante Brücke zwischen Rödby und Puttgarden, würden die Baukosten in etwa aufs Gleiche hinauslaufen:

"Die Wassertiefe zwischen Gedser und Rostock ist sehr viel geringer als zwischen Rödby und Puttgarden, und das bedeutet, ein Großteil der Querung könnte als Tiefbrücke gebaut werden, was die Kosten pro Kilometer wesentlich reduziert."

Verkehrsminister Flemming Hansen aber bleibt hart. Eine Brücke zwischen Gedser und Rostock kommt für ihn nicht in Frage. Erstens sei das Verkehrsaufkommen an dieser Stelle deutlich geringer, zweitens gebe es auf der ganzen Welt noch keine Brücke von 40 Kilometern Länge.

"Ich bin davon überzeugt, dass es die Fehmarnbrücke eines Tages geben wird. Und ich hoffe, dass der Kollege Tiefensee und ich dieses Projekt in naher Zukunft gemeinsam beschließen können."