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Deutsch den arabischen Ländern

Die klassische Germanistik ist in den arabischen Ländern ein aussterbender Studiengang. Noch vor zehn Jahren war das anders: Damals ging ein Großteil der Studierenden in den Lehrerberuf oder blieb sogar an der Universität. Inzwischen jedoch zieht es die meisten Germanisten in die Touristikbranche oder in deutsche Unternehmen. Auf diese veränderten Bedürfnisse muss die Germanistik in den arabischen Ländern reagieren, meint Eva Neuland, Professorin an der Uni Wuppertal und Vorsitzende des Beirats Germanistik:

    In den verschiedenen Regionen werden vermehrt Stimmen laut, auch berufsorientierende Studienangebote zu entwickeln, Spracherwerb und Sprachunterricht auch für Wissenschaftler anzubieten, die in anderen Fächern und Disziplinen arbeiten. Wir wollen aber auch die Vermittlung von Sprache und Kultur verstehen in einem weiteren kulturwissenschaftlichen Sinne. In einem Sinne, der auch Deutschland- und Europa-Studien umfasst.

    Im Maghreb hat man bereits reagiert und den Praxisbezug innerhalb der Germanistik erhöht. Seitdem sind die Studierendenzahlen wieder gestiegen. Weder die Sprachwissenschaften, noch die klassische Literatur-Vermittlung stehen seither im wissenschaftlichen Mittelpunkt. Die Lektüre und Analyse deutscher Texte war in den arabischen Ländern aus kulturellen Gründen schon immer schwierig: In ihrem Germanistik-Studium werden die jungen muslimischen Studierenden zum ersten Mal mit Literatur konfrontiert, die nicht von der islamischen, sondern der christlichen Weltanschauung geprägt ist. Die Germanistik muss sich im Maghreb also auch als eine Art Einführung in die abendländische Kulturgeschichte verstehen, meint Fawzi Boubia, Germanistik-Professor an der Uni in Rabat:

    Man kann sich nicht nur mit der deutschen Literatur beschäftigen. Die deutsche Sprache und Literatur stehen in einem bestimmten Kontext, in einem bestimmten historischen Kontext, in einem kulturhistorischen Kontext. Und wenn man diese Texte adäquat angehen will, muss man natürlich diesen kulturhistorischen Kontext vergegenwärtigen, und von daher ist neben dem Studium der Germanistik im klassischen Sinne auch das Studium der Geschichte bzw. der Kulturgeschichte unbedingt erforderlich.

    Inzwischen gibt es in den arabischen Ländern einen neuen Studiengang, der sich German Studies nennt und interdisziplinärer als die klassische germanistische Philologie angelegt ist. Die muslimischen Studierenden sollen hier erst einmal die deutsche Kultur begreifen. Erst dann wird die Lektüre hinzugezogen. Germanistik-Professoren im Maghreb können nicht nur Wissenschaftler, sondern müssen auch Kultur-Vermittler sein, meint Fatma Massoud, Germanistik-Professorin an der Uni Kairo:

    Dass ich immer meine Studenten über eine Information, eine Erfahrung, erzähle, so dass sie auch auf menschlicher Ebene den Text irgendwie damit was anfangen können, und das kommt gut an. Ich hab sehr gute Erfahrungen damit gemacht, und meine Studenten kommen gerne in die Vorlesung.

    Einen strengen literarischen Germanistik-Kanon gibt es in den arabischen Ländern nicht. Stattdessen bevorzugt man literarische Stoffe, die einen interkulturellen Dialog in Gang setzen. Goethes westöstlicher Diwan steht zum Beispiel auf dem Programm, aber auch Lessings Nathan der Weise mit seiner Aufforderung zu religiöser Toleranz. Daneben werden aber auch verstärkt Sachtexte in das Studium mit einbezogen, erzählt Fawzi Boubia:

    Literatur bespricht auch Probleme, die hochaktuell sind. Und man sollte auch den Studenten etwas von dieser Aktualität mitbringen, wie eben grundlegende Probleme unserer Zeit, wie zum Beispiel Umweltverschmutzung, wie solche Texte literarisch ästhetisch aufgearbeitet werden.

    Um für die deutsche Kultur in den arabischen Ländern zu werben, ist vor kurzem in Kairo eine neue Universität gegründet worden, die mit deutscher Unterstützung eingerichtet wurde und nach dem Vorbild des deutschen Studiensystems aufgebaut wurde. Die neue Hochschule unterrichtet mit Hilfe von deutschen und ägyptischen Lehrern in den Fächern Mathematik, Physik und Chemie und versteht sich als ein zukunftsweisendes Modell für die Verbreitung der deutschen Kultur. Unterrichtssprache in der German University ist übrigens englisch.