Schloss Augustusburg
Deutsch-französischer Ministerrat in Brühl: Merz und Macron kündigen engere militärische Zusammenarbeit an

Deutschland und Frankreich wollen militärisch enger zusammenarbeiten. Das kündigten Bundeskanzler Merz und Präsident Macron nach bilateralen Regierungskonsultationen in Brühl bei Köln an.

    Die beiden stehen nebeneinander an Rednerpulten vor einem Eingang. Macron sagt etwas und ballt dazu beide Fäuste. Neben den beiden Fahnen der EU, Frankreichs und Deutschlands.
    Bundeskanzler Friedrich Merz und Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron bei der Pressekonferenz auf Schloss Augustusburg in Brühl. (picture alliance / Flashpic / Jens Krick)
    Merz sagte bei dem Treffen im Brühler Schloss Augustusburg, angesichts der enormen Herausforderungen etwa durch die Bedrohung Europas durch Russland werde man in der Abschreckung einen neuen gemeinsamen Weg einschlagen. Der Kanzler fügte hinzu, die Bundeswehr werde erstmals in diesem Jahr an einer Nuklearübung der französischen Armee teilnehmen. Merz betonte, auch bei der Entwicklung von Aufklärungs- und Raketenfrühwarnsystemen werde man kooperieren.
    Macron erklärte, nur wenn Berlin und Paris sich einig seien, werde Europa vorankommen und die Herausforderungen bewältigen. Er betonte, die künftige Kooperation bei der nuklearen Abschreckung habe nicht zum Ziel, dass Deutschland sich an der Finanzierung französischer Atomwaffen beteilige.

    Beratungen mit Ministern und Staatssekretären

    An den Beratungen des Ministerrats in Brühl nahmen auf beiden Seiten Minister und Staatssekretäre aus zehn Ressorts teil. Als Themen waren auch der mehrjährige Haushalt für die EU, eine engere Zusammenarbeit bei der Entwicklung von Hochleistungsbatterien und die Gründung eines gemeinsamen KI-Zentrums angekündigt. Außerdem sollte es um eine Kooperation der Sender Deutsche Welle und France Médias Monde gehen, um Desinformation zu bekämpfen. Konkrete Ergebnisse zu diesen Beratungen sind noch nicht bekannt.
    Nach dem Scheitern der geplanten milliardenschweren Entwicklung des gemeinsamen Kampfjets FCAS sollte außerdem geklärt werden, was von dem Projekt noch zu retten ist. Die Entwicklung einer sogenannten Combat Cloud, eines System zur Vernetzung von Waffensystemen, soll in jedem Fall fortgeführt werden.

    Wohl letzter Ministerrat für Macron

    Für Macron war es voraussichtlich der letzte deutsch-französische Ministerrat. Im nächsten Frühjahr findet in Frankreich die Präsidentschaftswahl statt, bei der er nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten kann. Im Fall einer Wahl der rechten Politikerin Le Pen zur neuen französischen Präsidentin würde der innerhalb der EU wichtige deutsch-französische Motor sicher an Fahrt verlieren. Auch deswegen wollen Merz und Macron in den letzten Monaten noch möglichst viel gemeinsam zustande bringen.
    Diese Nachricht wurde am 17.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.