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Deutsche Bank Halbjahresbilanz
Gewinn trotz Umbau

Die Deutsche Bank hat ein Horror-Halbjahr hinter sich: ein Chefwechsel im April, das schlechte Abschneiden beim US-Stresstest und ein Aktienkurs, der immer weiter sinkt - auch heute nach Vorlage der ausführlichen Halbjahresbilanz. Die offenbart eine schwächelnde Fondstochter. Aber der Sparkurs zeigt Wirkung.

Von Brigitte Scholtes | 25.07.2018

    Das Gebäude der Deutschen Bank unter blauem Himmel. Die Sonne reflektiert auf der Fassade.
    Die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main (dpa/Fabian Sommer)
    Allmählich trägt der Umbau Früchte, das haben schon die Eckdaten der Bilanz gezeigt, die die Deutsche Bank vor zehn Tagen veröffentlicht hat. Diesen Eindruck versuchte Finanzvorstand James von Moltke heute Morgen zu bekräftigen:
    "Wenn Sie sich das erste Halbjahr ansehen, dann liefert das Management-Team. Wir haben die Zusammenführung der Privat- und Firmenkundenbank und der Postbank abgeschlossen und die Integration von Sal. Oppenheim in die Vermögensverwaltung. Die Neustrukturierung der Investmentbank ist auf gutem Weg, wie man an den Mitarbeiterzahlen und der Bilanz erkennen kann. Wir setzen die Strategie bezüglich der DWS um. Wir sind im Plan mit den bereinigten Kosten und dem Stellenabbau."
    Fondstochter DWS schwächelt
    Bei näherem Hinsehen zeigt sich: Die Vermögensverwaltungstochter DWS schwächelt, die Kosten der Bank insgesamt lagen mit 5,6 Milliarden Euro noch um ein Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Darin waren aber die Restrukturierungs- und Abfindungskosten enthalten.
    Immerhin kommt die Bank beim Stellenabbau voran, 1.700 Mitarbeiter verließen sie im zweiten Quartal, Ende des Jahres soll ihre Zahl unter 93.000 sinken. In einem Brief an die Mitarbeiter mahnte Vorstandschef Christian Sewing denn auch, noch herrsche nicht überall die Haltung zum Umbautempo und den Kosten, die man leben wolle. Und: "Verlassen Sie sich also bitte nicht darauf , dass es andere schon richten werden. Diese Zeiten sind vorbei." Auch bei den Erträgen zeigen sich noch Bremsspuren: Im für die Bank so wichtigen Anleihehandel schrumpften sie um 17 Prozent, im kleineren Aktienhandel um sechs Prozent. Den Grund erklärt Philipp Häßler, Analyst der equinet Bank:
    "Sie hat zum Teil ihre Aktiva reduziert und das hat sich da wohl auch ein bisschen negativ ausgewirkt. Und generell hat die Deutsche Bank halt auch in den letzten ein, zwei Jahren Marktanteile verloren. Und dann darf man natürlich auch nicht vergessen: Die US-Banken sind halt stärker in den USA als die Deutsche Bank."
    Die Deutsche Bank habe ihre Konkurrenten in den USA im Blick, sagte Finanzvorstand von Moltke dazu:
    "Wir gehen durch eine Restrukturierung in einer Zeit, in der viele Wettbewerber das nicht tun. Wir haben zudem einen heftigen Gegenwind in diesem Quartal gehabt. Wir haben eine Basis, von der aus wir aufbauen können. Und wir hoffen, dass wir nach und nach wieder bessere Leistung zeigen und die Lücke zu unseren Wettbewerbern schließen können. Wir kümmern uns zunächst einmal um unsere eigenen Belange und versuchen, unseren Aktionären die Rendite zu liefern, die auf unserer Leistung im Lauf der Zeit beruht."
    Magere Aussichten für das zweite Halbjahr
    Die warten sehnlichst auf anhaltende Kursgewinne und vielleicht auch wieder einmal eine Dividende, die den Namen verdient. Ein wenig müssten sie sich da wohl noch in Geduld üben, vermutet Analyst Häßler:
    "Im zweiten Halbjahr gehe ich davon aus, dass die Zahlen nicht mehr ganz so gut werden, weil halt saisonal das zweite Halbjahr immer ein wenig schwächer ist. Da werden wahrscheinlich höhere Restrukturierungsaufwendungen noch gebucht. Und für 2019 würde ich schon erwarten, dass die Zahlen dann deutlich besser werden und dass man dann auch mal sieht, was eine Deutsche Bank im normalen Zustand verdienen kann."