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Deutsche Bank
Aktionäre stimmen Stellenabbau zu

Um wieder nachhaltig profitabel zu werden, will die Deutsche Bank rund 7.000 Stellen abbauen. Bei der Hauptversammlung begrüßten Aktionärsvertreter die Ankündigung als "schmerzhaft, aber richtig". Diskussionen gab es aber um die Zukunft von Aufsichtsratschef Achleitner.

Von Brigitte Scholtes | 24.05.2018

24.05.2018, Hessen, Frankfurt am Main: Christian Sewing (r), Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, und der Aufsichtsratsvorsitzende Paul Achleitner stehen zu Beginn der Hauptversammlung der Deutschen Bank in der Frankfurter Festhalle zusammen.
Elf Jahre sind seit Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2007 vergangenen. Aktionärsschützer und andere Kritiker der Deutschen Bank sprechen von elf verlorenen Jahren für Deutschlands größtes Geldhaus. (dpa / Arne Dedert)
Die jährliche in der Frankfurter Festhalle ist eigentlich für die Kritiker der Deutschen Bank willkommener Anlass, ihren Protest lautstark kundzutun. In diesem Jahr hielten nur einige wenige die Fahne hoch, es schien, als fehlten ihnen die Worte angesichts der Entwicklung der Bank, so wie diesem Aktionär:
"Ich bin sprachlos – 90 Prozent Kursverlust seit der Finanzkrise!"
Kürzungen vor allem beim Investmentbanking
Das wolle er ändern, versprach denn auch der seit sieben Wochen amtierende neue Vorstandschef Christian Sewing. Er werde die Voraussetzungen dafür schaffen, dass die Bank wieder nachhaltig profitabel arbeiten könne, sagte er zu den versammelten Aktionären. Dazu aber müsse man die Kosten konsequent senken, und das bedeute natürlich auch Abbau von Arbeitsplätzen vor allem im Investmentbanking: die Zahl der Vollzeitstellen werde von derzeit mehr als 97.000 weltweit bis Ende kommenden Jahres auf deutlich unter 90.000 fallen. 600 Stellen habe man in den letzten sieben Wochen schon abgebaut:
"Eine solche Entscheidung treffen wir nicht leichtfertig, aber der Stellenabbau ist unvermeidlich, wenn unsere Bank nachhaltig profitabel werden soll. Wir werden das alles aber auch so verantwortungsbewusst und bewusst und sozialverträglich wie möglich gestalten."
Aktionärsvertreter wie Ingo Speich von der genossenschaftlichen Fondsgesellschaft Union Investment halten diesen Schritt für richtig:
"Es ist sicherlich ein harter und schmerzhafter Einschnitt, aber es ist leider auch der richtige. Die Bank hat in dieser Sparte relativ hohe Kosten und ist auch nicht so wettbewerbsfähig wie andere Banken. Und von daher ist es ein klares Bekenntnis."
Ein klares Bekenntnis zur neuen Ausrichtung - auch das findet die Zustimmung von Aktionären, sagt Klaus Nieding, Vizepräsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz:
"Ich halte die Strategie für richtig, sich aus dem globalen großen Investmentbanking zurückzuziehen, Corporate Banking zu betreiben, weg von dem Anspruch globale führende Investmentbank zu sein und sich wieder auf den Heimatmarkt zu konzentrieren, das ist genau der richtige Weg."
Unverhohlene Kritik an Achleitner
Der Stellenabbau kostet aber zunächst einmal bis zu 800 Millionen Euro an Restrukturierungs- und Abfindungskosten für das Gesamtjahr. Das werde das Ergebnis in diesem Jahr beeinträchtigen, sagte Sewing. Allerdings sollen die Kosten im Investmentbanking um eine Milliarde Euro bis Ende 2019 gedrückt werden.
Sewing stand als neu angetretener Chef nicht im Fokus der Kritik der Anteilseigner. Die galt eher Aufsichtsratschef Paul Achleitner:
"Ich denke, dass er sich nicht mehr so lange halten kann."
"Ich hoffe, dass er das nicht übersteht."
Ein Antrag, ihm als Versammlungsleiter wegen möglicher Befangenheit abzusetzen, scheiterte. Achleitner hatte zu Beginn des Aktionärstreffens sein Vorgehen beim überstürzt wirkenden Vorstandswechsel von John Cryan zu Sewing verteidigt. Die Spekulationen zum Schaden der Bank seien zu viel geworden.
"Wir mussten handeln, auch wenn es ursprünglich nicht unsere Absicht war, so schnell den Wechsel herbeizuführen. Ich persönlich hatte gehofft, dass die Neuaufstellung an der Spitze unserer Bank konstruktiv zur heutigen Hauptversammlung stattfinden würde."