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Deutsche Diabetes Gesellschaft
Sondersteuer für Süßes und Fettiges gefordert

Hamburger, Pommes frites, Pizza, Brathähnchen, Soft Drinks: Geht es nach der Deutschen Diabetes Gesellschaft, sollen wir für fett- und zuckerreiche Lebensmittel in Zukunft tiefer in die Tasche greifen. Sie fordert eine Zucker-Fett-Steuer und im Gegenzug eine Steuersenkung auf gesunde Lebensmittel.

Von Daniela Siebert | 30.04.2014
    Pommes Frites
    Auch fettige Pommes Frites sollen mit Hilfe einer besonderen Steuer unattraktiv werden, hofft die Deutsche Diabetes Gesellschaft. (picture alliance / Romain Fellens)
    Nicht nur für Kinder ist es eine wahre Horrorliste, was die deutsche Diabetes Gesellschaft da per Steuer alles verteuern möchte: Hamburger, Pommes frites, Pizza, Brathähnchen, Soft Drinks. All solche fett- und zuckerreichen Lebensmittel sollten mithilfe einer besonderen Steuer unattraktiv werden, wünscht sich die Deutsche Diabetes Gesellschaft. Geschäftsführer Dr. Dietrich Garlichs:
    "Wir haben in Deutschland ein Riesenproblem mit der Übergewichtswelle, die schwere Krankheiten verursacht wie Diabetes, Herzkreislauferkrankungen, auch Krebs ist zu einem großen Teil durch Übergewicht hervorgerufen und wir müssen einfach das Umfeld der Menschen so ändern, dass ihnen gesunde Ernährung leichter fällt."
    Deshalb soll der Appetit auf ungesunde Lebensmittel verdorben werden, so der Plan. Nicht im Mund, sondern im Portemonnaie. Die Sondersteuer auf Pommes und Co könnte beispielsweise als erhöhte Mehrwertsteuer erhoben werden, sowohl im Supermarkt, als auch an der Imbissbude so Garlichs. Auf keinen Fall solle die Steuer die Staatseinnahmen erhöhen, sondern diese Einnahme durch Steuersenkung auf gesunde Lebensmittel wie Obst und Gemüse kompensiert werden. Sodass der Verbraucher unterm Strich nicht mehr bezahlen muss, sich aber besser ernährt.
    "Es kommt nicht so sehr an auf die Technik, ob man das über die Mehrwertsteuer regelt oder über eine andere Steuer, nur drastische Steuererhöhungen haben einen Effekt, es soll einfach ein gesundheitspolitisches Signal gesetzt werden."
    Zucker-Fett-Steuer bereits in Frankreich oder Ungarn
    Ein Prozent Preisunterschied durch die Steuer hält Garlichs für denkbar, nötigenfalls sogar mehr. Die Methode "Preisschraube" hat sich in seinen Augen schon an anderer Stelle bewährt: Denn die drastische Erhöhung der Tabaksteuer habe zu deutlich weniger jugendlichen Rauchern geführt.
    Ihre Forderung nach der Zucker-Fett-Steuer begründet die Deutsche Diabetes Gesellschaft jedoch mit einer aktuellen Studie aus Großbritannien. Dort hatte ein Epidemiologe an der Universität Cambridge herausgefunden, dass Menschen, die in der Nähe von Fastfood-Läden leben und arbeiten, deutlich übergewichtiger sind als anderswo.
    Es gebe also einen Zusammenhang: Je mehr Fastfood in der Umgebung, desto dicker die Menschen. Dietrich Garlichs hält diese Ergebnisse für übertragbar auf Deutschland. Zudem gebe es deutsche Studien an Schulkindern, die zeigten, dass diese gesünder und weniger übergewichtig seien, wenn in den Schulen keine Soft-Drinks angeboten werden. Vorbilder für eine Zucker-Fett-Steuer gibt es bereits. Dietrich Garlichs:
    "Es gibt mehrere Länder, in denen das schon praktiziert wird, in unterschiedlicher Art und Weise: In Frankreich gibt es eine Steuer, in Ungarn, in Finnland – in Dänemark gab es eine Fettsteuer, die ist gekippt worden, allerdings aus koalitionspolitischen Erwägungen, aber diese Erfahrungen sind alle relativ jung und sie sind auch noch zaghaft, sodass man da noch keine drastischen Erfolge sehen kann."
    Beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hält man von solch einer Steuer jedoch nichts. Auf Deutschlandfunk-Anfrage teilt das Ministerium mit:
    Ministerium lehnt Strafsteuer auf Zucker und Fett ab
    "Eine politische Steuerung des Konsums und Bevormundung der Verbraucher durch Werbeverbote oder Strafsteuern lehnt das Ministerium ab. Strafsteuern für vermeintlich ungesunde Lebensmittel ändern in der Regel nichts am Ernährungsverhalten der Menschen."
    Die Deutsche Diabetes Gesellschaft fühlt sich mit ihrer Forderung nach einer Zucker-Fett-Steuer nicht allein. Von Ernährungsmedizinern und Fachärzten für diverse chronische Krankheiten komme reichlich Unterstützung, so Dietrich Garlichs. Inoffiziell auch von vielen Gesundheitspolitikern.
    Aussicht auf Erfolg hat der Sonder-Steuer-Vorschlag der Deutschen Diabetes Gesellschaft bei der derzeitigen politischen Konstellation vermutlich keinen. Die Lebenserfahrung spricht aber dafür, dass sie damit richtig liegt, denn die meisten Verbraucher achten eher wenig auf das Kleingedruckte und die Zutatenliste, fast alle schauen jedoch auf den Preis!