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Deutsche Digitale BibliothekEin kultur- und bildungspolitisches Jahrhundertwerk

Sie soll einmal die Online-Angebote von 30.000 Museen, Lesesälen, Konzerthäusern, Archiven und Forschungseinrichtungen bündeln und kostenlos zugänglich machen. Die Deutsche Digitale Bibliothek, ein gemeinsames Projekt von Bund und Ländern, ist in einer ersten Vollversion an den Start gegangen. Ein kostenloses Angebot, das eine dauerhafte Finanzierung sucht.

Von Philip Banse | 31.03.2014

Ein Brief an den Dichter Christian Morgenstern wird präsentiert
Auf der Internetseite der Deutschen Digitalen Bibliothek ist ein Brief an den Dichter Christian Morgenstern zu sehen. (picture alliance / dpa)
Nehmen wir an, Sie sind Lehrer und wollen Ihre Schüler an Person und Werk des Lyrikers Christian Morgenstern heran führen. Da hält die Deutsche Digitale Bibliothek seit heute ein interessantes Angebot parat. Eine Suche nach "Christian Morgenstern" fördert zunächst 12 Objekte zutage: Natürlich ein Foto des Lyrikers aus der Wikipedia, dann ein Foto des Original Schreibmaschinen-Textes der "Spatzenbalade", das im Düsseldorfer Heinrich Heine Institut liegt; oder auch ein handschriftlicher Brief des Lyrikers. Sie sehen auch, dass Morgenstern an vier weiteren Werken beteiligt ist, dem Lied "Schneefall" von Wilhelm Kienzl, ein Klick führt sie zu den Noten, die in der Bayrischen Staatsbibliothek liegen. All diese Fundstücke können Sie in ihrem persönlichen Profil bei der Deutschen Digital Bibliothek speichern, sagt Stephan Bartholmei von der Deutschen National Bibliothek:
"Man kann sich eine URL erzeugen lassen, über die das dann als Webseite ansprechbar ist in der DDB. So könnte etwa ein Lehrer Aufgaben für seine Schüler formulieren. Und das ist was, was wir weiter ausbauen wollen im Bereich Community. Da wird in den nächsten Jahren noch viel passieren, weil wir da einen Entwicklungsschwerpunkt sehen."
Seit heute sind auch sind die einzelnen Einträge in der Digitalen Bibliothek besser vernetzt. Wenn Christian Morgenstern mit Musiker Wilhelm Kienzl gearbeitet hat, ist der Name "Wilhelm Kienzl" verlinkt und führt zu dessen Personenseite. Museen haben in der Digitalen Bibliothek jetzt die Möglichkeit, virtuelle Ausstellungen zu erstellen, sagt Stephan Bartholmei von der Deutschen National Bibliothek. Gerade kleinere Museen hätten oft nicht die Möglichkeit, jede Ausstellung zu dokumentieren und der Nachwelt zu erhalten.
"Dann ist das auch eine Möglichkeit, dass das in Digitalien weiter lebt, dass man sagt, man macht eine Ausstellung und zeitgleich veröffentlicht man eine virtuelle Ausstellung in der DDB und dann lebt die da weiter. Dann kann man sagen, ach, ich war doch vor drei Jahren mal in der Kupferstich-Kabinett, habe da eine tolle Dürer-Ausstellung gesehen. Ach, jetzt guck ich bei der DDB und da ist sie noch, kann mich erinnern und krieg vielleicht noch Informationen, wo das Bild jetzt hängt, wenn eine Leihgabe dabei war."
Das alles funktioniert aber nur dann wirklich gut, wenn wirklich alle deutschen Museen, Archive und wissenschaftlichen Einrichtungen ihre Bestände digital an die Digitale Bibliothek liefern. Und da ist noch viel zu tun: 30.000 deutsche Einrichtungen könnten Videos, Gemälde, Skulpturen, Audios, Noten liefern – 120 haben bisher geliefert. Und so führen Klicks bei der Morgenstern-Recherche noch ins Leere; die Werksliste ist alles andere als komplett.
Lizenzierung bleibt problematisch
Jetzt hat die Digitale Bibliothek aber auch erst knapp zwei Jahre Testbetrieb hinter sich Herman Parzinger, Vorstandssprecher der Deutschen Digitalen Bibliothek ist zufrieden:
"Es ist ein kultur-, medien- und bildungspolitisches Jahrhundertwerk, was wir hier inzwischen auf einem wirklich sehr, sehr großen Schritt voran gebracht haben."
Kritiker monieren auch, dass die Werke in der Digitalen Bibliothek unterschiedlichen Lizenzen unterliegen: Die Werke der Staatlichen Museen Berlin darf jeder für nicht-kommerzielle nutzen; andere Bilder darf man nur betrachten – nicht gerade eine Steilvorlage für die Remix-Kultur. Dabei Kulturstaatsministerin Monika Grütters mit Deutschen Digitalen Bibliothek gerade Jugendliche erreichen:
"Wie Internet können auch nun diejenigen Angesprochen werden, die Museen oder Konzertsäle selten oder gar nicht besuchen."
Zwar ist die Nutzung der Bibliothek kostenlos, dennoch kostet sie viel Geld. 26 Millionen Euro haben Bund, Länder und Kommunen bisher investiert. Doch die zugesagte 5-Jahres-Finanzierung endet bald. Die Suche nach einer dauerhaften Finanzierung ist nicht einfach. Kultur-Staatsministerin Monika Grütters skizziert einige Eckpunkte:
"Ich bin zu tiefst davon überzeugt, dass die DBB auch in Zukunft voll und ganz in öffentlicher Verantwortung bleiben muss, um ihren besonderen Bildungsauftrag erfüllen zu können. Sicher sollten mögliche Kooperationen mit privaten Anbietern und Einrichtungen mit großer Offenheit ausgelotet werden. Sie dürfen aber nur realisiert werden, wenn sie Wesen und Aufgabe der DDB eben nicht beeinträchtigen. Ganz klar ist, finde ich, die DDB muss auch künftig werbefrei bleiben."