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StartseiteUmwelt und Verbraucher"Kritisch-konstruktive Zuversicht" bei der Energiewende10.10.2017

Deutsche Energieagentur"Kritisch-konstruktive Zuversicht" bei der Energiewende

Der Deutschen Energieagentur zufolge kann die Umstellung auf eine Energieversorgung ohne fossile Brennstoffe bis 2050 zu rund 90 Prozent gelingen. Für die komplette Umstellung müsse noch mehr in den Ausbau der Energiegewinnung aus Wind, Sonne und Co investiert werden, so das Zwischenergebnis einer Studie.

Von Dieter Nürnberger

Schnell drehen sich Windenergieanlagen vor dunklen Gewitterwolken unweit dem brandenburgischen Jacobsdorf (Oder-Spree), aufgenommen am 01.07.2009. (dpa / Patrick Pleul)
Der Umbau in der Erzeugung von Energie sei das eine, die Vermeidung von Energie das andere, so die Deutsche Energieagentur. Zusätzlich brauche man "erhebliche Anstrengungen beim Einsparen von Energie." (dpa / Patrick Pleul)
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Das Interessante an dieser Studie und dem heute präsentierten Zwischenergebnis ist, dass sich die Deutsche Energieagentur (Dena) mit rund 50 Akteuren der Energiewende an einen Tisch gesetzt hat. Darunter sind Industrieverbände ebenso wie Stadtwerke und Bundesministerien, die Immobilienwirtschaft genauso wie Netzbetreiber. Das ist wichtig, weil es sich hier sozusagen um die Gestalter eines Umbaus der Energiewirtschaft handelt, das sind die Akteure, die die Infrastruktur des Landes kennen.

Präsentiert wurde heute eine Zwischenbilanz - und man hofft natürlich auch, dass diese Ergebnisse schon bei den nun anstehenden Sondierungs- oder Koalitionsgesprächen hier in Berlin eine Rolle spielen.

"Werden mehr als 91 Prozent nicht erreichen"

Das Hauptergebnis ist, dass es bis zur Mitte des Jahrhunderts weitgehend gelingen kann, eine Umstellung auf eine Energieversorgung ohne fossile Brennstoffe zu erreichen - allerdings nicht gänzlich, wenn es bei den bisherigen Ausbaupfaden bleibt. So die Einschätzung von Andreas Kuhlmann, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung der Deutschen Energieagentur:

"Wir kommen mit allen Untersuchungen darauf, dass wir mehr als 91 Prozent nicht erreichen werden. Das hat verschiedene Gründe: Landwirtschaft, vor allem aber auch komplizierte Industrieprozesse. Denn die unterliegen verschiedenen Innovationszyklen. Wenn man verschiedene Prozesse austauschen will, dann ist das sehr kompliziert. Und manche davon werden künftig auch mehr Strom brauchen als bisher." 

Somit seien die anvisierten Klimaschutzziele der Bundesregierung, bis 2050 rund 95 Prozent zu erreichen, also eine fast vollständige Dekarbonisierung, nach derzeitigem Stand nicht realistisch, aber immerhin seien rund 90 Prozent möglich.

Ausbau der Erneuerbaren Energien als wichtige Stellschraube

Was müsste verändert werden oder wo wären zusätzliche Anstrengungen nötig? Die Studie nennt vor allem den Ausbau der Erneuerbaren Energien als wichtige Stellschraube. Es müsse mehr in den Ausbau der Energiegewinnung aus Wind, Sonne und Co. investiert werden. Das heißt beispielsweise auch - und das ist vielerorts ja sehr umstritten - den Ausbau der Windnutzung zu forcieren:

"Der derzeit gesetzlich festgelegte Ausbaukorridor für erneuerbare Energien von 6,5 Gigawatt brutto wird definitiv nicht ausreichen, die Klimaschutzziele zu erreichen. Das haben Sie schon von vielen gehört, nun auch von uns. Wir gehen davon aus, dass man eher einen kontinuierlichen Zubau von erneuerbaren Energien in Höhe von acht Gigawatt netto braucht. Und das ist natürlich eine gewaltige Veränderung."

Und auf einen Punkt wies die Deutsche Energieagentur ganz besonders hin: Der Umbau in der Erzeugung von Energie sei das eine, die Vermeidung von Energie das andere. Andreas Kuhlmann:

"Wir brauchen erhebliche Anstrengungen beim Einsparen von Energie. Und deswegen unser dringender Appell an alle, die in Politik und Wirtschaft tätig sind: Es heißt ja oft - ein Haus, welches mit erneuerbaren Energien beheizt ist, braucht gar nicht so dicke Wände. Dann klingt das vielleicht nett, aber es ist falsch." 

Nur am Rande: Kosten der Transformation 

Wie angedeutet, die heutigen Ergebnisse sind eine Zwischenbilanz. Die Dena und die rund 50 beteiligten Akteure wollen bis zum Sommer des kommenden Jahres dann belastbare und auch konkretere Ergebnisse vorlegen. Nur am Rande spielten heute beispielsweise die enormen Kosten dieser gewaltigen Transformation eine Rolle. 

Aber die Botschaft ist auch eindeutig: Auch wenn noch mehr Anstrengungen nötig sind, die Energiewende kann gelingen. Dena-Chef Andreas Kuhlmann sprach von einer  - so wörtlich - "kritisch-konstruktiven Zuversicht".

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