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Deutscher Ärztetag
"Landarztquote" stößt auf Ablehnung

Der Deutsche Ärztetag lehnt eine "Landarztquote" gegen den Ärztemangel auf dem Land ab. Nur die wenigsten Bewerber könnten schon vor ihrem Studium einschätzen, welche Fachrichtung sie später einschlagen und ob sie auf dem Land arbeiten wollten, hieß es zur Begründung bei dem Kongress in Hamburg. Medizin-Studenten sehen das ähnlich.

Von Jörn Straehler-Pohl | 27.05.2016
    Der Landarzt Wolfgang Dinslage behandelt am 31.01.2012 in seiner Praxis in Merzenich bei Düren einen Patienten.
    Arzt auf dem Land, Zeit für die Patienten, Vertrauen und Verständnis: Landärzte finden keinen Nachfolger. (dpa / Oliver Berg)
    Eine Studentin und ein Student – beide etwa im gleichen Alter und beide von der Bundesvertretung der Medizin-Studierenden in Deutschland. Doch ihr Studium, das könnte unterschiedlicher nicht sein:
    "Was sehr schade ist, dass man durch das Medizinstudium durchkommen kann, ohne wirklich mit Patienten gearbeitet zu haben. Sondern einfach nur die ganze Zeit irgendetwas auswendig gelernt hat, irgendwelche Fakten gelernt hat, das, woran die Professoren forschen, gelernt hat. Und nicht das, was wirklich relevant ist, wenn man dann später als Arzt arbeiten möchte."
    Solveig Mostaf studiert in Freiburg – und ihre Erfahrungen sind noch typisch für das Medizin-Studium in Deutschland. Ganz anders ist das schon bei ihrem Kommilitonen Malte Schmieding, der in Berlin in den Modell-Studiengang eingeschrieben ist:
    Reform des Medizinstudiums kann teuer werden
    "Bei uns in Berlin haben wir ab dem ersten Semester in Klein-Gruppen Unterricht, um Kommunikation und Team-Arbeit zu üben. Was ganz wichtig ist, dass man das Überbringen schlechter Nachrichten lernt, aber zum Beispiel auch mit Patienten redet, damit sie therapietreu sind. Dass man nicht immer die Medikamente vergisst, wie man das in den Alltag besser einbringen kann, das ist auch ein wichtiger Punkt."
    Und genau das, was Malte Schmieding in seinem Studium lernt, sollen bald alle Medizin-Studenten in Deutschland lernen, sagt Max Kaplan, der Vizepräsident der Deutschen Ärztekammer:
    "Kommunikation ist immer ein wichtiges Element, das kann man zum Teil theoretisch lernen, aber so richtig lernen kann man es nur in der Praxis, in der gelebten Praxis. Und deswegen muss der Student möglichst früh in die Praxis gehen, um möglichst früh Kontakt zu den Patienten zu haben, um eben genau das zu üben."
    Masterplan Medizinstudium 2020 heißt die geplante Reform, die jetzt auch auf dem Deutschen Ärztetag in Hamburg diskutiert wurde. Dabei geht es nicht nur um das Studium selbst, sondern auch um die Zulassungsbedingungen – nicht nur die Abiturnoten, sondern auch die soziale Kompetenz sollen dabei künftig eine Rolle spielen. Die Gesundheitspolitik habe man bei der Reform auf seiner Seite, sagt Kaplan. Doch die Wissenschaftsminister und Senatoren der Bundesländer tun sich noch schwer – denn das Ganze kostet mehr Geld.
    Arbeit als Landarzt: Medizin-Studenten setzen auf Freiwilligkeit statt auf Quote
    "Ja, man muss natürlich in kleinen Gruppen arbeiten. Man braucht mehr Lehrende, man braucht mehr Dozenten. Man braucht auch neue Strukturen und da sind zunächst einmal höhere Investitionskosten nötig. Und da haben wir ja auch unsere Forderungen, dass wir zum Beispiel die Allgemeinmedizin stärken, dann brauchen wir zusätzliche Lehrstühle und all das ist natürlich mit Kosten verbunden."
    Einen Punkt allerdings lehnt der Ärztetag für die Reform des Medizin-Studiums ab – und das ist die sogenannte Landarztquote, damit sich mehr Ärzte in den ländlichen Regionen niederlassen. Das funktioniert nicht, sagen auch die beiden Medizin-Studenten Malte Schmieding und Solveig Mostaf. Sie halten es für sinnvoller, die Arbeit als Landarzt freiwillig kennenzulernen:
    "Ich habe jetzt gerade erst im März eine Famulatur in der allgemeinmedizinischen Praxis auf dem Land gemacht. Das war sehr spannend, das war sehr schön, auch das Landleben hat mir besser gefallen, als ich das vorher gedacht habe. Ich kann mir das jetzt für direkt nach dem Studium nicht vorstellen, aber ich schließe die Möglichkeit nicht mehr aus, wenn ich Familie habe, wenn ich genug habe von der Stadt, in Anführungszeichen in die Pampa zu ziehen, wo man sich sein Leben anders gestalten kann."