Donnerstag, 30. Juni 2022

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Deutscher Kinostart von "Mathilde"
"Wir verteidigen hier die Kunstfreiheit"

Der Filmverleih "Kinostar" bringt den in Russland umstrittenen Film "Mathilde" mit Lars Eidinger als Zar Nikolaus II. nächste Woche in die deutschen Kinos. Damit verteidige er auch ein Stück weit die Meinungs- und die Kunstfreiheit, sagte Geschäftsführer Michael Rösch im Dlf.

Michael Rösch im Gespräch mit Thekla Jahn | 27.10.2017

Zar Nikolaus II. (Lars Eidinger) und seine Geliebte Mathilde Kshessinsksa (Michalina Olszanska).
Zar Nikolaus II. (Lars Eidinger) und seine Geliebte Mathilde Kshessinsksa (Michalina Olszanska). (V. Sevastynov)
Darf ein Regisseur das? Einen Film drehen über die voreheliche Beziehung des letzten russischen Zaren? Der russische Regisseur Alexej Utschitel hat es getan. Und dafür erntete er – schon bevor der Film Premiere hatte – wüste Beschimpfungen von religiös-nationalistischen Eiferern und sogar Morddrohungen, Molotowcocktails flogen in sein Studio in Sankt Petersburg, vor der Kanzlei seines Anwalts wurden Autos angezündet, ein mit Sprengstoff beladenes Auto fuhr in ein Kino in Jekaterinburg.
"Es geht ja nicht, dass irgendwelche Leute Regisseure und Schauspieler bedrohen und damit versuchen, Filme zu stoppen" sagte Rösch im Deutschlandfunk.
Große Kinoketten hatten daraufhin angekündigt, den Film "Mathilda" nicht zu zeigen, jetzt tun sie es doch. Bei uns in Deutschland wird der Film, in dem der deutsche Schaupieler Lars Eidinger den Zaren Nikolaus spielt, in der kommenden Woche anlaufen – der Filmverleih, der dahinter steht heißt "Kinostar", ein Verleih, der sich überwiegend auf Arthouse-Filme und kleinere Filmproduktionen verlegt hat, seit 2008 aber auch in das Filmgeschäft für die breite Masse vorgestoßen ist mit Filmen für die türkischsprachige Bevölkerung in Deutschland.