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StartseiteUmwelt und VerbraucherBesser warnen14.07.2016

Deutscher WetterdienstBesser warnen

Regengüsse, die kein Ende nehmen; Bäche, die in Minutenschnelle anschwellen und alles mit sich reißen: Die Wetterlagen in diesem Frühjahr waren teils extrem - mit verheerenden Folgen. Der Deutsche Wetterdienst hat nun ein neues Warnsystem in Betrieb genommen, das räumlich genauer vor Unwettern warnt - und das jeder online abrufen kann.

Von Philipp Banse

Auf einem Computerbildschirm ist die Unwetterwarnungsseite auf der Webseite des Deutschen Wetterdienstes zu sehen. (Deutschlandradio/Charlotte Voß)
Der Deutsche Wetterdienst warnt jetzt auch auf Gemeindeebene vor Unwettern. (Deutschlandradio/Charlotte Voß)
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Die Experten des Deutschen Wetterdienstes sagen: Solche chaotische Gewitterphänomene, bleiben weiter schwer vorherzusagen, sprich die Vorwarnzeit bleibt sehr kurz. Aber der DWD kann seit heute viel zielgenauer warnen, sprich wirklich nur jene Gemeinden warnen, die auch betroffen sein werden. Die Auflösung der Unwetterwarnungen sei seit heute viel besser, sagt Hans-Joachim Koppert, Leiter der Wettervorhersage beim DWD:

"Das Wesentliche daran ist, dass wir räumlich präzisier warnen können. Wir haben früher auf Landkreisbasis gewarnt, nun können wir auf Gemeindebasis warnen. Das heißt, wir können kleinräumige Wetterereignisse besser erfassen. Früher mussten wir einen ganzen Landkreis warnen, der kann eine Ausdehnung von 70, 80, 90 Kilometer haben. Jetzt sind wir eben auf der Ebene von Gewittern, das sind nur wenige Quadratkilometer."

Typische Winterstürme sind gut vorhersagbar

Es werden also nur noch jene Gemeinden gewarnt, die wirklich betroffen sind. Dafür müssen die Meteorologen aber immer noch rausfinden, wo genau denn nun das Unwetter stattfinden wird. Und das bleibt zumindest für einige Wetterphänomene unverändert schwierig, sagt der Leiter der Wettervorhersage beim Deutschen Wetterdienst. Beispiel: Im niederbayerischen Simbach am Inn waren nach enormen und sehr lokalen Regenfällen ganze Ortsteile überschwemmt worden, mehrere Menschen starben:

"Das war eine ganz spezielle Wetterlage, die war sehr, sehr schwierig vorherzusagen. Das können wir mit dem heutigen System oder mit der Wissenschaft, die dahinter steckt, noch nicht. Da müssen wir weiter forschen, um Gewitter, die so chaotisch an einem Platz oder über einem Gebiet hin und her iterieren, das müssen wir noch erforschen und in entsprechende Verfahren und Ergebnisse umsetzen."

Andere Wetterereignisse haben die Forscher aber gut im Griff, sagt Joachim Koppert. Das bedeutet dann, dass diese Wetterphänomene örtlich sehr genau und auch lange im Voraus vorhergesagt werden können.

"Was sehr gut im Griff ist, sind die typischen Winterstürme. Da können wir auch schon mehr als einen Tag im Voraus warnen. Oder Dauerregensituationen sind oft recht gut. Während diese ganz kleinräumigen Sachen - ein Gewitter kann in 15 Minuten entstehen - das ist schwierig."

Das heißt dann, die Vorwarnzeit ist sehr gering, aber es werden jetzt eben wirklich nur noch jene gewarnt, die dann auch betroffen sein werden. Wie wir alle an diese räumlich viel genaueren Unwetterwarnungen herankommen, erklärt der Chef des Deutschen Wetterdienstes, Gerhard Adrian:

"Das neue System ist jetzt schon verfügbar im Internet auf unserer Homepage dwd.de und wird dann in wenigen Wochen auch über die Warnwetter-App des Deutschen Wetterdienstes verfügbar sein. Zusätzlich kann man die Warnungen natürlich bei uns abonnieren. Man kann sie per Fax bekommen, per Telefon wie auch immer. Wir haben da sehr viele Wege."

Unwetterwarnungen per App abonnieren

Der Chef des Deutschen Wetterdienstes weist jedoch darauf hin, dass der DWD weiterhin auch nur die Art des Unwetters vorhersagen kann, nicht dessen Auswirkung:

"Wir können nicht vorhersagen, wann ein Baum umfällt oder zerstört wird oder was auch immer. Zum Beispiel die Auswirkungen auf Gewässer, also ob Hochwasser entsteht, dafür gibt es die entsprechend zuständigen Behörden der Länder."

Natürlich fragen sich viele, ob Unwetter, speziell solche chaotischen Unwetter wie Ende Mai bis Mitte Juni, ob solche Wetterlagen zunehmen, öfter auftreten. Der Chef des Deutschen Wetterdienstes, Gerhard Adrian:

"Das ist eine sehr schwierige Frage, an der wir auch als Deutscher Wetterdienst arbeiten. Gerade was den Niederschlag angeht, ist es sehr schwierig zu sagen. Was wir wissen ist, dass die Winterniederschläge zunehmen, im Sommer eher abnehmen. Bei diesen Gewittern, wie sie in den letzten Wochen aufgetreten sind, da erwartet man, dass sie zunehmen können. Aber statistisch signifikant nachweisen können wir das nicht, weil das Wetter einfach zu variabel ist, und wir haben noch zu wenig Beobachtungen dafür."

Aber er es deutet eben vieles darauf hin, dass solche chaotischen Gewitter zunehmen könnten. Deswegen: Unterwetterwarnungen lesen auf dwd.de oder mit der DWD-App abonnieren.

 

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