NS-Raubgut
Deutschland gibt Kulturgüter an Polen zurück

Zum 35. Jahrestag des Nachbarschaftsvertrags hat Deutschland mehrere Kulturgüter an Polen zurückgegeben, die während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg geraubt worden waren. Dies sei Ausdruck von gegenseitigem Respekt, bleibender deutscher Verantwortung und der vertrauensvollen Partnerschaft beider Länder, sagte Bundesaußenminister Wadephul in Berlin.

    Zu sehen ist eine alte Handschrift. Ein Person mit blauen Handschuhen hält das Dokument fest.
    Kulturministerin Cienkowska hält eine mittelalterliche Handschrift in der Hand, die einen Teil des Textes der polnischen Hymne „Gaude Mater Polonia“ enthält. (picture alliance / dpa / Sebastian Christoph Gollnow)
    Wadephul äußerte sich bei einem Deutsch-Polnischen Forum, zu dem auch sein Amtskollege Sikorski angereist war. Konkret geht es um eine mittelalterliche Handschrift, die einen Teil des Textes der polnischen Hymne "Gaude Mater Polonia" enthält. Das aus sechs Pergamentblättern bestehende Heft gelangte auf bisher unbekanntem Weg in die Staatsbibliothek zu Berlin, wie die Stiftung Preußischer Kulturbesitz mitteilte. Dort ist es als Fremdbesitz gelagert worden. Ursprünglich stammt es aus der Bibliothek des Priesterseminars im polnischen Plock, deren Bestände während des Zweiten Weltkriegs geplündert und weitgehend zerstört wurden.

    Eisenbahn-Modelle aus Warschau und Königsring

    Ebenfalls zurück nach Polen kommen elf Objekte, die ursprünglich zur Sammlung des Verkehrsmuseums Warschau gehörten. Das Bundesverkehrsministerium übergibt kleine Modelle von Eisenbahnen samt Zubehör, die bis 1940 in Warschau ausgestellt waren und durch das NS-Regime in das damalige Verkehrs- und Baumuseum Berlin gebracht worden.
    Außerdem gibt die Stadt Pforzheim einen Ring aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts zurück. Der Ring wird dem polnischen König Sigismund dem Alten zugeschrieben und könnte ein Geschenk seiner Gemahlin Bona Sforza gewesen sein, heißt es in der Mitteilung. Er gehörte vermutlich zur sogenannten Königlichen Schatulle der Fürstenfamilie Czartoryski in Krakau.
    Das Auswärtige Amt betonte, dass die Rückgabe kriegsbedingt verlagerter Kulturgüter seit den deutsch-polnischen Regierungskonsultationen vom Dezember 2025 "deutlich an Dynamik gewonnen" habe.
    Diese Nachricht wurde am 17.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.