Vereinte Nationen
Deutschland scheitert mit Bewerbung für nicht-ständigen Sitz im UNO-Sicherheitsrat

Deutschland ist mit seiner Bewerbung für einen nicht-ständigen Sitz im UNO-Sicherheitsrat gescheitert. Bei der geheimen Abstimmung in der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York erhielt die Bundesrepublik 104 Stimmen - und verpasste damit die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit von 127 Stimmen deutlich.

    Der Sicherheitsrat tagt im Hauptquartier der Vereinten Nationen.
    Der Sicherheitsrat ist das mächtigste Gremium der Vereinten Nationen (Archivbild). (Seth Wenig / AP / dpa / Seth Wenig)
    Deutschland hatte für einen der beiden frei werdenden Sitze in der "Gruppe Westeuropäischer und anderer Staaten" kandidiert und unterlag dort Portugal und Österreich. Beide Länder ziehen nun für zwei Jahre in den Sicherheitsrat mit seinen fünf ständigen und zehn nichtständigen Mitgliedern ein. Auf Portugal entfielen 134 Stimmen, auf Österreich 131.Auch Simbabwe sowie Trinidad und Tobago wurden gewählt.

    Sechs Mal vertreten, noch nie gescheitert

    Deutschland war bereits sechs Mal im einflussreichsten Gremium der UNO vertreten, zuletzt in den Jahren 2019 und 2020. Es ist das erste Mal, dass die Bundesrepublik bei der Abstimmung gescheitert ist.

    Merz: "Bleiben verlässlicher Partner"

    Bundeskanzler Merz erklärte in einer ersten Reaktion, das Ergebnis ändere nichts an den Aufgaben, die Deutschland in der UNO gestellt würden. Man bleibe ein verlässlicher Stützpfeiler des multilateralen Systems. Der CDU-Außenpolitiker Hardt nannte den Wahlausgang bedauerlich. Er riet dazu, sich künftig frühzeitig mit den anderen europäischen Ländern abzusprechen, um konkurrierende Bewerbungen zu vermeiden.

    Möller (SPD): "Völkerrechtswidriges Verhalten als solches benennen"

    Die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Möller sagte den Funke Medien, das Ergebnis sei "deutlich und enttäuschend." So müsse der deutsche Einsatz für globale Stabilität, für die regelbasierte internationale Ordnung und für das Völkerrecht noch klarer werden. Zitat: "Für mich heißt das auch, dass die Bundesregierung völkerrechtswidriges Verhalten als solches benennt, unabhängig davon, wer dies in Frage stellt.» 

    Brantner (Grüne): Quittung für Außenpolitik, die an Glaubwürdigkeit eingebüßt hat

    Grünen-Chefin Brantner sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, das Ergebnis sei eine Niederlage für Merz und Außenminister Wadephul - und die Quittung für eine Außenpolitik, die international an Glaubwürdigkeit eingebüßt habe.

    Österreich: "Erfolg eines 15 Jahre langen Wahlkampfes"

    Österreich und Portugal feierten ihren Erfolg. Die österreichische Außenministerin Meinl-Reisinger sagte in New York, der Sieg sei Resultat einer "intensiven und koordinierten Werbekampagne" und eines 15 Jahre langen Wahlkampfes. Portugals Außenminister Range erklärte, der Einsatz für die Prinzipien der Vereinten Nationen und den Multilateralismus habe sich für das Land ausgezahlt.

    Höchstes Gremium der Vereinten Nationen

    Als höchstes Gremium der Vereinten Nationen sind die Beschlüsse des Sicherheitsrates für alle Mitglieder verbindlich. Der Rat kann Sanktionen verhängen, Waffenembargos beschließen, Friedenstruppen entsenden oder auch militärische Einsätze autorisieren. Voraussetzung ist, dass keines der fünf ständigen Mitglieder sein Veto-Recht nutzt - das sind die USA, Großbritannien, Frankreich, China und Russland.
    Diese Nachricht wurde am 03.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.