Freitag, 01. Juli 2022

Deutschlandfunk-Nachrichten
Meldungen aus dem ersten Jahrzehnt

Der Deutschlandfunk sendet seit 60 Jahren Nachrichten. Aus Anlass des Jubiläums haben wir hier eine kleine Auswahl von Meldungen aus dem ersten Jahrzehnt für Sie. Deutlich wird unter anderem: Die Nachrichtensprache hat sich beachtlich geändert.

Von Marco Bertolaso | 19.05.2022

Schwarz-Weiß-Foto eines alten Gebäudes im Kölner Stadtteil Marienburg
Von Januar 1962 bis Februar 1979 diente die Villa Lindenallee 7 im Kölner Stadtteil Marienburg, auch bekannt als Villa Neuerburg, als Sitz des Deutschlandfunks, der sie zum Funkhaus umgebaut hatte. (Deutschlandradio)
Der Deutschlandfunk wird in diesem Jahr 60 Jahre alt. Auf dem "Kölner Forum für Journalistikritik" haben Kathrin Baumhöfer und Gerd Daaßen eine Auswahl von Meldungen aus dem ersten Jahrzehnt präsentiert. Manche Themen aus den 1960er Jahren sind längst in Vergessenheit geraten. Und die Sprache der Nachrichten war damals eine ganz andere. Aber, machen Sie sich selbst ein Bild.

5. August 1962 - Marilyn Monroe

Die auch in Deutschland sehr bekannte amerikanische Filmschauspielerin Marilyn Monroe ist heute in Los Angeles gestorben.

Die 36 Jahre alte Künstlerin starb an den Folgen einer Schlafmittelvergiftung.

1. Juni 1963 - Papst Johannes der 23.

Der Zustand von Papst Johannes dem 23. Ist unverändert hoffnungslos.

Auf dem Petersplatz in Rom verharren zehntausende von Gläubigen in Erwartung der Todesbotschaft, die traditionsgemäß durch das Schließen des rechten Bronzeportals des Petersdomes bekanntgegeben wird.

Nach den letzten Meldungen aus dem Vatikan lassen die Kräfte des Papstes zusehends nach. Sein Pulsschlag wurde schwächer. Zur Erleichterung des Todeskampfes wurden ihm schmerzstillende Mittel verabreicht. Wie Radio Vatikan vor wenigen Minuten berichtete, ist Johannes seit kurzem wieder bewusstlos.

Von den Ärzten des Papstes wurde die Möglichkeit angedeutet, dass der Patient den heutigen Abend nicht mehr erleben wird. Bis 17 Uhr mitteleuropäischer Zeit wurden sämtliche Besuche im Krankenzimmer untersagt.

Mit Rücksicht auf den ernsten Zustand des Papstes hat Staatspräsident Segni alle Feiern für den morgigen 17. Jahrestag der italienischen Republik abgesagt. Aus dem gleichen Grunde ist in Italien die gesamte politische Tätigkeit, vor allem die Verhandlungen über die Neubildung der Regierung, eingestellt worden.

11. September 1964 - UdSSR gegen Rotchina

Neue Beschuldigungen gegen die rotchinesische Parteiführung in Peking hat das Zentralkomitee der sowjetischen Kommunisten erhoben.

In einer Erklärung des ZKs der KPdSU, die heute von der sowjetischen Nachrichtenagentur TASS verbreitet wurde, wird den Kommunisten Rot-Chinas vorgeworfen, sie bekämpften nicht den Imperialismus, sondern ihre Bruderparteien, die mit ihnen nicht übereinstimmten. Peking habe ihnen den offenen ideologischen und politischen Krieg erklärt.

Gleichzeitig rief das Zentralkomitee der sowjetischen KP nochmals alle kommunistischen Parteien zu einer Weltkonferenz auf, um – wie es heißt – die Spalter zurückzuweisen und zu isolieren.

25. Januar 1964 - Kommunistische Propaganda bei Gastarbeitern

Auf die verstärkte kommunistische Propaganda-Tätigkeit in Betrieben der Bundesrepublik hat das Deutsche Industrie-Institut in Köln hingewiesen.

Ein Sprecher des Instituts, das die Interessen der Arbeitgeber publizistisch vertritt, teilte mit, dass das sogenannte Kampfbüro für ausländische Arbeiter in Ostberlin seine Agitation gegenwärtig auf die spanischen Gastarbeiter konzentriere. Dazu bediene es sich kommunistischer Zeitschriften und Broschüren, die aus Kuba und Mexiko eingeführt werden. Gleichzeitig versuche das Büro, Betriebszeitungen für spanische und italienische Gastarbeiter illegal zu drucken und zu verbreiten.

25. April 1967 - Konrad Adenauer beigesetzt

Nach einem Staatsakt im Bonner Bundeshaus und einem Pontifikal-Requiem im Kölner Dom ist Konrad Adenauer am Abend auf dem Waldfriedhof in Rhöndorf beigesetzt worden.

Auf einem Schnellboot der Bundesmarine, eskortiert von anderen deutschen sowie zwei britischen, zwei holländischen und drei französischen Kriegsschiffen, war der Sarg mit der sterblichen Hülle Adenauers im Anschluss an das Pontifikal-Requiem von Köln nach Rhöndorf gebracht worden. Zehntausende von Menschen standen an den Rheinufern. Batterien der Bundeswehr schossen Trauer-Salut, als der Kondukt Köln verließ, und später, als er das Bundeshaus passierte. Die Kirchenglocken am Wege läuteten.

Ein Trompeter der Bundeswehr gab ein Signal, als der Sarg auf der Insel Grafenwerth von Marineoffizieren an Land getragen wurde. Dort erwiesen der Bürgermeister und der Ortsverein der Stadt Bad Honnef ihrem prominentesten Mitbürger den letzten Gruß. Kurz vor 21:00 Uhr senkte sich der Sarg mit dem toten Staatsmann Konrad Adenauer ins Grab. An der Beisetzung nahmen nur die Familien-Angehörigen teil.

4. April 1968 - Der 79. Starfighter stürzt ab

Die Bundesmarine hat heute ihren 79. Starfighter verloren.

Wie ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Bonn mitteilte, stürzte die Maschine vom Typ „F 104 G“ am Nachmittag in der Nähe von Eckernförde an der Ostsee ab. Der Pilot kam dabei ums Leben. Die Unfall-Ursache ist noch nicht bekannt.

14. Mai 1970 - Baader befreit

Der 27-jährige Journalist Baader, einer der sogenannten Frankfurter Kaufhaus-Brandstifter, ist mit Waffengewalt aus der Haft befreit worden. Er hatte die Erlaubnis erhalten, im Zentral-Institut für Sozialfragen zu arbeiten. Dort drangen heute vier mit Pistolen bewaffnete Personen ein, die Baader entführten. Als Justiz-Beamte sich ihnen entgegenstellten, machten sie von der Waffe Gebrauch. Zwei Beamte wurden verletzt.

17. April 1971 - Brandt beendet Urlaub

Bundeskanzler Brandt kehrt heute von seinem Osterurlaub in Riva am Gardasee zurück.

Er wird in der kommenden Woche an Wahlveranstaltungen in Schleswig-Holstein teilnehmen.

21. Juli 1971 - Sudvietnamesische Offensive in Kambodscha

Etwa zehn-tausend süd-vietnamesische Soldaten unterstützt von mehr als 200 Panzer-Fahrzeugen sind am frühen Morgen in Kambodscha einmarschiert.

Wie es in Saigon heißt, handelt es sich um die größte Militär-Operation seit einem halben Jahr gegen die Kommunisten auf kambodschanischem Boden. Nach offiziellen Angaben hat der Angriff das Ziel, die nordvietnamesischen Nachschublinien zu unterbrechen. Dem Vernehmen nach sollen die Kommunisten durch den Aufmarsch daran gehindert werden, die bevorstehenden Parlaments- und Präsidentschaftswahlen in Südvietnam zu stören. Zentrum der Militär-Operation ist nach vorliegenden Berichten ein Gebiet etwa 16 Kilometer nördlich der Straße Sieben, einer wichtigen Verbindung zwischen Pnom Penh und der Stadt Snoul. Dieser Bereich war in den letzten beiden Tagen ständig von amerikanischen Langstrecken-Bombern vom Typ „B 52“ angegriffen worden.

Erst am 8. Juli waren 1.500 südvietnamesische Soldaten auf kambodschanisches Territorium vorgedrungen, um im Gebiet des sogenannten Papageien-Schnabels gegen vermutete Stützpunkte der Kommunisten vorzugehen. Die Aktion wurde jedoch nach einer Woche ergebnislos abgebrochen.