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StartseiteSport am WochenendeSportjournalist: "DFB-Spitzenleute wirken überfordert"07.03.2020

DFB in internationalen GremienSportjournalist: "DFB-Spitzenleute wirken überfordert"

Der Deutsche Fußball-Bund bewegt sich in den internationalen Verbänden ungelenk, sagt Sportjournalist Thomas Kistner. Vizepräsident Rainer Koch sei als "Außenminister" nicht ideal. Auch das Verhältnis zur FIFA und deren Chef Infantino sieht Kistner kritisch.

Thomas Kistner im Gespräch mit Astrid Rawohl

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Dr. Rainer Koch, Vizepraesident des Deutschen Fussball-Bundes beim DFB-Bundestag (Jan Huebner/Pool/Simon Hoffmann/imago)
Dr. Rainer Koch, Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes beim DFB-Bundestag (Jan Huebner/Pool/Simon Hoffmann/imago)
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"Dass die neuen Spitzenleute überfordert wirken sieht man ja nicht nur in der fernen Rassismusdebatte, sondern auch am Gesamtverhalten in diesen internationalen Fragen," sagt Sportjournalist Thomas Kistner von der Süddeutschen Zeitung über das Gebaren des DFB im europäischen Verband UEFA und dem Weltverband FIFA. DFB-Vizepräsident Rainer Koch sei auch kein idealer DFB-Außenminister.

"Koch wurde im DFB als Amateurvertreter stark, dass ist sein Revier. Und für so eine Außenminister-Rolle fehlen ihm eigentlich zu viele Eigenschaften. Er ist kein starker Redner, ist kein Diplomat, kein Menschenfänger, keiner für die Bühne, der andere überzeugen kann", sagt Kistner. "Er ist mehr so der Mann hinter den Kulissen, der im Übrigen ja auch nie auffällig wurde, dass er sich mutig gegen den Wind stellt. Weil man aber in den Jahren vor der EM im eigenen Land nun einen Deutschen im UEFA-Vorstand braucht, der dort als Verbindungsmann zwischen Veranstalter und Verband fungiert, ist diese Besetzung ganz okay."

UEFA-Präsident Aleksander Ceferin und FIFA-Präsident Gianni Infantino sitzen auf einer Stadiontribüne (imago sportfotodienst)UEFA-Präsident Aleksander Ceferin (links) und FIFA-Präsident Gianni Infantino (rechts) (imago sportfotodienst)

IFA-Chef Gianni Infantino plant eine Superliga für Clubmannschaften. Das würde allerdings der Champions-League der UEFA widersprechen. Zwischen den beiden Verbände gibt es deshalb einen Konflikt.

"Nur dem DFB scheint das nicht so klar zu sein", sagt Kistner. "Er sagt sogar, er sehe keine Interessenskonflikte zwischen den beiden, als ginge es hier um den Knatsch zwischen Stammtischbrüdern und nicht um das größte Unterhaltungssegment des Planeten. Da wirkt es naiv, dass Rainer Koch dann auch immer wieder erzählt, er wolle diese widerstrebenden Kräfte versöhnen. Das sehen auch die Europäer so. Und deswegen tun sie alles, um Koch nicht in die FIFA zu schicken."

Der DFB versucht nun, dass Verbände verschiedene Vertreter in UEFA und FIFA senden können. Der DFB wolle offenbar unbedingt in die FIFA, sagt Kistner und störe sich dabei nicht an Infantino. "Schlimmer ist, dass die Deutschen so gar nicht auf die fachliche und mittlerweile auch charakterliche Eignung dieses Mannes schauen. Infantino hat überall Feuer gelegt. (...) Es gibt also kein Argument des Anstandes mehr, warum man die Nähe zu diesem Mann suchen sollte."

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