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Diabetes und Übergewicht

In vielen Fällen ist Übergewicht mit Diabetes verbunden. Umso wichtiger, dass beide medizinische Fachrichtungen an der Diagnose und Therapie beteiligt sind. Unter dem Motto "Gemeinsam vorbeugen, interdisziplinär behandeln" fand in Berlin die erste gemeinsame Tagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft und der Deutschen Adipositas Gesellschaft statt.

Von Wolfgang Noelke | 10.11.2009

Für den Chefarzt der Diabetes-Klinik Bad Nauheim, Prof. Andreas Hamann, Tagungspräsident der Deutschen Adipositas Gesellschaft, war die Entscheidung, beide Kongresse zusammenzulegen richtig, denn Diabetes Typ II ist oft eine Folge von Adipositas, also die Folge von starkem Übergewicht:
"Wir haben sehr viel gelernt über prädiktive Faktoren für eine Gewichtsabnahme, also letztendlich: Wie kann man Leute erkennen, wo man wohl eher einen Therapieerfolg haben kann? Wie kann man Schwierigkeiten in der Therapie verringern? Wie kann man Ernährungsberatung, Ernährungsschulung verbessern? Das war ein ganz wichtiger Austausch hier zwischen den verschiedenen Berufsgruppen, auch bis hin zu der Frage: Welche Rolle spielen chirurgische Maßnahmen in der Behandlung von Übergewicht und Diabetes? Für immer mehr Patienten kommen letztendlich auch chirurgische Therapieformen in Frage, mit denen man deutlich abnehmen kann, natürlich auch seinen Stoffwechsel drastisch verbessern kann. Auch das ist erstmals natürlich in dieser Form und Breite, dieses Thema in die Diabetologie hineingetragen worden. Deswegen war dieser Kongress für alle Beteiligten letztendlich ein sehr großer Erfolg."
Dessen Ergebnisse bereits an diesem Samstag, am Welt-Diabetes-Tag den Betroffenen und Angehörigen vermittelt werden kann. Beispielsweise, was es mit den chirurgischen Maßnahmen auf sich hat, die für Prof. Christoph Rosak, Tagungspräsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft, nur als letzter Schritt in einer Therapiekette steht, die vor allem das Ziel hat, Gewicht zu reduzieren. Erst die letzte Hoffnung stütze sich dann auf einen chirurgischen Eingriff:

"Das sind vor allem Eingriffe, die zur Magenverkleinerung führen, die zu einer Hemmung der Nahrungsaufnahme führen. Aber man muss natürlich sagen, dass der chirurgische Eingriff natürlich für einen geringen Prozentsatz an Patienten infrage kommt. Was unheimlich wichtig ist und was wir auf diesem Kongress gelernt haben, ist, dass die klassischen Maßnahmen der Vermittlung von Ernährungsumstellung, was man früher als Diätberatung bezeichnet hat, dass diese Maßnahmen intensiviert werden und dass vor allem von den Krankenkassen diese Leistungen übernommen werden!

Es ist nicht einzusehen, warum ein Mensch, der sich das Bein gebrochen hat, die Leistung für eine physiotherapeutische Behandlung bekommt, die erforderlich ist zur Gesundung, aber dass der betroffene Diabetiker eine epetitive Ernährungsschulung nicht erhalten kann. Hier müssen Änderungen im System stattfinden."

Dass politisch unterstützte Programme wirken und erheblichen volkswirtschaftlichen Schaden abwenden, beweist ein Blick über die Grenze:
"Wir sehen deutlich andere Verläufe, zum Beispiel in Finnland, in Dänemark und in den Niederlanden. Diese Länder haben Programme und haben auch schon - die Finnen zum Beispiel -, die Inzidenzrate an Infarkten vermindert und sind dabei, bei den Stoffwechselerkrankungen etwas Ähnliches zu tun. Die ostasiatischen Länder haben teilweise noch andere Ernährungsgewohnheiten. Aber sie stellen sich ja jetzt auch leider um und beginnen mit diesem Negativverlauf."

Womit bewiesen wäre, dass die westlichen Lebens- und Ernährungsgewohnheiten eine der Hauptursachen der Stoffwechselkrankheiten sind, deren Symptome, so Prof. Hamann, von den Patienten selbst oft gar nicht erkannt werden:

"Diese Symptome sind wirklich so unspezifisch! Das, was man klassischerweise mit dem Diabetes verbindet, also bei stärkeren Stoffwechselentgleisungen, wie das vermehrte Wasserlassen oder Durst oder Müdigkeit et cetera, die treten wirklich in einem nur so geringen Prozentsatz von Typ-II-Diabetikern auf, dass, wenn man das sozusagen zum Maßstab nehmen würde, dann kommen wir bei vielen Patienten schon deutlich zu spät. Also regelmäßige Untersuchung bei Risikopatienten ist das Wichtige!"