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"Diamonds and despair" von Okta LogueRaus aus dem Retro-Korsett

Der Psych-Rock-Sound ist auf dem neuen Album der hessischen Rockband Okta Logue etwas poppiger geworden, Synthesizer-Klänge sind sehr präsent. Aber die Gitarrensoli bleiben, auch auf "Diamonds and despair" erhalten - und hier und da erklingt auch eine Orgel und sogar ein kleiner Americana-Flirt.

Von Andreas Zimmer | 30.04.2016

Nicolai Hildebrandt, Benno Herz, Robert Herz und Philip Meloi (von links) von der Band Okta Logue
Nicolai Hildebrandt, Benno Herz, Robert Herz und Philip Meloi (von links) von der Band Okta Logue (Pressefoto / Universal Music)
Die neue CD "Diamonds and Despair" von Okta Logue ist das bisher wohl ambitionierteste Album der Band. Dabei lief es schon bis jetzt ziemlich gut, das Quartett hat bereits mit Neil Young und Portugal. The Man in den USA getourt. Sänger Benno Herz war allerdings zunächst etwas unsicher, wie Muttersprachler mit seinem Schulenglisch klar kämen.
"Ich hatte da großen Respekt vor und keine Angst aber ich sag mal, ich war ein bisschen nervös so mit englischsprachigen Ansagen und zu schauen, wie einfach dort auch die Texte wahrgenommen werden. Und ich bin sehr glücklich, dass wir sehr euphorisch wahrgenommen wurden."
Die ersten Schritte der Band liegen dabei ungefähr neun Jahre zurück als sich Benno und Gitarrist Philip Meloi in einem Club kennenlernten und die ganze Nacht über Musik und ihre jeweiligen Plattensammlungen fachsimpelten. Die Bandgründung danach war fast zwangsläufig.
"Tatsächlich, ja, haben wir beide uns vor einer Kneipe in Darmstadt kennengelernt. Und einen Tag später die erste Ursprungsbesetzung der Band gegründet. Weil wir in ein einfach begeistertes Gespräch irgendwie geraten sind, was wirklich Stunden ging. Und wir waren in diesem Club gar nicht mehr drin, wir standen bis morgens um 6 einfach vor der Tür."
Raus aus dem Retro-Korsett
Zwei Jahre haben sich Okta Logue für das neue Album "Diamonds and despair" Zeit gelassen. Einerseits, weil sie nicht wieder etwas überstürzen wollten wie noch beim letzten Album. Andererseits, um die Grenzen des Okta-Sounds auszutesten. Und: um sicherzustellen, nicht mehr in den Retro-Topf geworfen zu werden. Definiert der Gitarrist der Band.
"Uns war es glaube ich wichtig, uns so ein bisschen aus diesem Retro-Korsett rauszulösen und dieser Art von spacigem Sound, den wir ja auch schon auf den vorangegangenen Platten hatten, irgendwie eine neue, zeitgenössische Definition zu geben. Also einfach eine Platte aufzunehmen, die sich halt da irgendwie so ein bisschen zwischen griffigem Pop und spacigem Freakout bewegt."
Das besagte neue Album von Okta Logue kann sogar noch mehr… Es finden sich zarte Westcoastrock-Stücke darauf, 80ies Synthies, 2 Longsongs - einer 7einhalb, der andere 11einhalb Minuten lang - freche
Gitarrensoli in fast jedem Track, kurz: eine Menge wirklich Anti-hipper Appetit-happen. Auch wenn die auch schon mal mit HipHop-Beats unterlegt werden. So bleiben Okta Logue auf "Diamonds and Despair" weiterhin eine Retroband. Mal mit Rock, manchmal Pop, selten Glam. Aber immer erfrischend. Und sehr authentisch.
Alle für einen, Einer für alle
Können Okta Logue mit ihrer gewissermaßen Anti-Musikestablishment-haltung überhaupt erfolgreich sein? Die Zeichen stehen jedenfalls ganz gut. So gut, dass sich Keyboarder Max mit Ankündigung in diesen Tagen verabschiedet hat. Aufgrund des zu erwartenden zeitraubenden Lebens in einer erfolgreichen Band. Ein Schlag für die Band, die sich als verschworenes Kollektiv sieht. Benno Herz:
"Was uns dabei wichtig ist, ist glaube ich auch, dass die Rolle jedes einzelnen auf dem Album so markant ist, dass es, egal wer die Ideen geliefert hätte, es hätte nicht so geklungen, wenn nicht die 4 Personen auf der Platte die Instrumente so gespielt hätten wie sie sie spielen. Und deswegen war uns das wichtig, dieses Kollektiv so ein bisschen, diesen Überbau hervorzuheben."
Das klingt nach "Alle für einen"- Musketierromantik. Hat denn auch der andere Teil "Einer für alle" bei Okta Logue Bestand? Durchaus, denn beispielsweise Schlagzeuger Robert stellt sogar sein Hobby in den Dienst der Band… er imkert - mit teilweise 27 Völkern.
"Er produziert wirklich viel Honig und verkauft den auch. Und wir haben tatsächlich auch schon 'Okta Logue-Gold' bei gewissen Konzerten verkauft gehabt", erklärt Herz.
"Ja, wir sind dann davon abgekommen. Ich wollte unbedingt durchsetzen, dass der Downloadcode der Platte auf dem Boden des Glases ist und man ihn erst bekommt, wenn man das Glas wirklich aufgegessen hat. Aber das stieß dann irgendwie auf Gegenwind", fügt Meloi hinzu.
Nach der über zweijährigen Produktionszeit für "Diamonds and Despair" freuen sich Okta Logue, bald wieder auf Tour zu gehen. Erstmalig verfügt das Quartett aus dem Rhein-Main-Gebiet auch über genug Songmaterial für abwechslungsreiche 90-Minuten-Shows. Meloi:
"Es ist auch schön, dass sich aus dieser Mixtur ein ständig veränderndes Set ergeben kann. Darauf freuen wir uns auch besonders, weil ich erinnere mich noch gut daran, als wir auf der letzten Tour waren und dann quasi zwei Alben draußen hatten, die beide 45 Minuten lang waren, waren wir relativ schnell in der Situation, dass wir ungefähr zwei Möglichkeiten hatten, wie ein Konzertset von uns aussehen kann, weil alle anderen Kombinationen der Songs irgendwie nicht funktioniert haben."