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Dichter im Regen

Neben Fontane, ist Heinrich von Kleist ein großer Sohn des Landes Brandenburg. Geboren wurde er in Frankfurt/Oder. Dort befindet sich das weltweit einzige Kleistmuseum. Doch das Gebäude verfällt. Und damit ist auch die Sammlung bedroht.

Von Christoph Richter |
    Wegen dieses maroden und unhaltbaren Zustandes sollte daher ein neuer Museumsanbau her. Für das Jubiläumsjahr 2011 war die Eröffnung geplant. Doch daraus wird nichts. Von Seiten des Museums sind alle Bedarfsnachweise, Pläne und Gutachten erbracht worden. Die Stadt hat an das Land und Bund Förderanträge gestellt. Doch bewilligt ist bis heute nichts. Auf der Stirn von Museumsdirektor Wolfgang de Bruyn machen sich Sorgenfalten breit.

    "2011 ist ganz nah dran, und wir haben ganz frühzeitig darauf hingewiesen, auch wenn man mal die Bauabfolge mal sieht. Mit Wettbewerben, Ausschreibungen, Planungsverfahren, und dann der eigentliche Rohbau. Bis hin zur Gestaltung und Einrichtung. Und wir wollten ja eigentlich das Jahr 2011 mit einer neuen, größeren Dauerausstellung hier im Hause starten, das ist natürlich überhaupt nicht mehr realisierbar."

    Die Kunstsammlung, in die es rein regnet und nach Schimmel müffelt, ist in ihrer Existenz bedroht. Unter anderem Arbeiten von Max Slevogt, Oskar Kokoschka, Max Liebermann oder Horst Janssen, Zeugnisse der Auseinandersetzung bildender Künstler mit dem Leben und Werk Heinrich von Kleists. Ein wichtiger Teil des Archivs - für Germanisten und Kunsthistoriker von unschätzbarem Wert - sind die Autographen von Christian Ewald von Kleist, Achim von Arnim oder Friedrich de la Motte Fouqué.
    Und um diese Schätze der Nachwelt zu besten Konditionen zu erhalten, sollte ein Erweiterungsbau her.

    "In meiner Argumentation ist es so, dass dieser Bau das Nachhaltige ist, für die Region, für die Stadt, ja sogar bundesweit. Damit steht und fällt die Jubelfeier 2011. Denn man kann nicht mit gutem Gewissen Kleists 200. Todestag begehen, ohne hier an das Museum zu denken, was Kleist sammelt und bewahrt."

    Das man wegen fehlender 5,4 Millionen Euro die Sammlung dem Verfall preisgibt, grenzt für Museumsdirektor Wolfgang de Bruyn an Hohn und ist in seinen Augen ein deutliches Zeichen der Geringschätzung.
    "Ja gut, Kleist ist der Dritte nach Goethe und Schiller. Wird ja zumindest als Gegenklassiker gezählt. Und wenn man das Land Brandenburg nimmt, so viele große Geister hat ja dieses Land ja nicht. Und da sollte man sie schon pflegen. Und ich denke, dass man mit diesem Pfund auch kulturpolitisch auch wuchern sollte. Viel selbstbewusster als man es bisher tut."

    Geistige Zonenrandförderung nennt es der Sohn des Schriftstellers Günther de Bruyn. Und schaut neidisch nach Schleswig-Holstein, wie engagiert man in Lübeck mit seinem Literaturstar Thomas Mann umgeht.
    Dirk Neldner, der Kleistbeauftragte der Stadt Frankfurt/Oder, erinnert daran, dass die Kommune ihre Hausaufgaben gemacht hat: Man hat das 500 Quadratmeter große Grundstück zur Verfügung gestellt, wird die Bauplanung übernehmen. Nun sei das Land am Zug.

    "Als Goethejubiläen gefeiert wurden, war es selbstverständlich, dass in Weimar Bund und Land sehr präsent waren. Das ist mit Kleist eben anders. Aber ich neige eben nicht dazu, immer zu jammern, sondern durchaus auch zu sehen, dass wir Schritte nach vorne gehen."

    Doch Genaues weiß man nicht, und die Hoffnung stirbt zuletzt.

    Sowohl vom Land als auch vom Bund gibt es keine definitive Finanzierungszusage. Jeder schiebt den schwarzen Peter dem Anderen zu. Frei nach dem Motto: Erst wenn Du zahlst, zahl ich auch. Und so steht es derzeit in den Sternen, ob und wann der Sammlungsneubau kommt.
    Dazu der Literaturreferent Ferdinand Nowak von der Brandenburger Landesregierung.

    "Wir möchten als Land gerne auch die Mittel einbringen, die uns Seiten der EU zustehen. Denn dieses Vorhaben dient natürlich auch dem Kulturtourismus. Also es werden mehr Menschen nach Frankfurt/Oder kommen, um das Kleistmuseum und seine Veranstaltungen zu besuchen. Wir hätten auch sehr gerne 2011 die Eröffnung des Baus gehabt. Aber solange der Bund sich nicht erklärt hat, können wir keine Vereinbarung für den Erweiterungsbau abschließen."

    Natürlich hätten wir gerne auch den Bund dazu befragt, doch war dort niemand zu einer Stellungnahme bereit.

    Mit einem Museumserweiterungsbau für die kostbare Kleistsammlung, wenn er überhaupt kommt, ist frühestens 2012 zu rechnen. Doch wenn man den bisherigen Planungsverlauf betrachtet, kann man realistischerweise davon ausgehen, das der Neubau der Kleistsammlung in Frankfurt/Oder vor 2013/2014 nicht kommen wird. Nichtsdestotrotz bereitet man jetzt einen Architektenwettbewerb vor, auch wenn nie klar ist, ob der je umgesetzt wird.

    Das Gezerre macht es noch mal deutlich, welchen Stellenwert die Politik der Kultur einräumt. Und wie schnell die politisch Verantwortlichen vergessen, dass Kultur immer auch ein sinnstiftender Identifikationsort ist, der über Stadt- und Landesgrenzen hinausstrahlt. Denn letztlich reicht es einfach nicht aus, nur Radwege zu bauen, sondern man benötigt auch Highlights, die zum Anhalten einladen. Und – so komisch es klingt - die kosten auch Geld.