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Dicke Luft in den Städten

Ökologie. - Europaweit haben Forscher in den letzten Jahren die Luft in Städten mit Hilfe von Pflanzen und anderen Organismen, so genannten Bioindikatoren untersucht. Zum Abschluss der Untersuchungen mit dem Namen Euro-Bionet 2002 findet an der Universität Hohenheim in Stuttgart eine Tagung über Luftverschmutzung, Bioindikatoren und Umweltbewusstsein statt.

    Von Carl-Josef Kutzbach

    Viele Städter haben seit 1999 Blumentöpfe an ungewöhnlichen Stellen und mit Pflanzen drin gesehen, die man nicht grade als Zierpflanzen bezeichnen würde. Das waren Bioindikatoren des Euro-Bionets. Da manche Pflanzen ganz empfindlich auf bestimmte Schadstoffe reagieren, kann man sie benutzen, um über einen längeren Zeitraum die Luftverschmutzung zu untersuchen. Tabak taugt zur Ozondokumentation, Grünkohl für Kohlenwasserstoffe, Gras für Schwermetalle, ja sogar für Erbsubstanz-schädigende Stoffe gibt es geeignete Pflanzen. Zugleich aber erinnern sie die Passanten daran, dass in den Städten die Luft manchmal dicker ist, als gesund und erlaubt ist. Welche Ergebnisse brachten die 100 Messstationen in zwölf europäischen Ballungsräumen?

    Wir haben in großen Städten natürlich eine deutlich stärkere Luftbelastung als in kleineren Städten oder im ländlichen Raum. Ein Gesamtergebnis ist, dass es im Hinblick auf die meisten Luftschadstoffe trotz allem keine Besorgnis erregenden Bereiche erreicht, dass aber doch in einzelnen Städten an bestimmten Punkten, die besonders belastet sind, höhere Belastungen auftreten können.

    Dr. Andreas Klumpp ist am Institut für Landschafts- und Pflanzenökologie der Universität Hohenheim in Stuttgart Koordinator des Euro-Bionet . Bioindikatoren ergänzen herkömmliche Messgeräte, weil sie die schädigende Wirkung auf lebende Organismen dokumentieren. Man kann damit auch Schadstoffquellen ausfindig machen:

    In einer englischen Partnerstadt hat man mit unseren Verfahren gleich im ersten Jahr einen ziemlichen Problemfall aufgedeckt. Dort wurde durch einen großen Industriebetrieb die Umwelt viel stärker belastet, als man das vor Ort ursprünglich annahm. Die Kollegen vor Ort sich tatsächlich auch so vorgegangen, dass sie gesagt haben: 'Jetzt kreisen wir diese Schadstoffquelle ein bisschen genauer ein und untersuchen, was dort eigentlich passiert und was man dort unternehmen kann.

    Blumentöpfe lassen sich ja viel leichter versetzen als Messgeräte, für die ein Stromanschluss nötig wäre. Max-Planck-Forscher veröffentlichten kürzlich eine Studie, dass die Luft im Mittelmeerraum schlechter wird, wobei ein Teil der Schadstoffe über weite Strecken dorthin transportiert wird. Andreas Klumpp zu den Ergebnissen von Euro-Bionet:

    Wir haben festgestellt, dass die Städte im Mittelmeerraum, die wir jetzt untersucht haben, zu den am stärksten belasteten gehören. Sie sind natürlich zum einen von der Ozonbildung her benachteiligt, weil auf Grund der höheren Sonneneinstrahlung auch mehr Ozon in der Atmosphäre gebildet wird. Auf der anderen Seite haben wir auch festgestellt, dass gerade im Hinblick auf Schwermetalle die Belastung noch wesentlich höher ist, als bei uns in Deutschland oder Nordeuropa.

    Schwefeldioxid, das vor 50 Jahren noch eine große Rolle spielte, rangiert heute unter ferner liefen. Dafür belegt der Verkehr Platz eins:

    Man hat deutlich gesehen, dass an Straßen mit hohem Verkehrsaufkommen stärkere Belastung vorliegt, zumindest was jetzt die Schwermetalle und die organischen Schadstoffe betrifft, als das in Außenbezirken oder in Randbereichen der Fall ist, dass also heutzutage in der Mehrzahl der Städte der Verkehr und nicht wie früher Industrie oder Kraftwerke, die entscheidende Faktoren sind, für die Luftbelastung. Da kommt man natürlich zu der Frage, was man dagegen tun kann, welche Verkehrskonzepte die einzelnen Kommunen, aber auch die einzelnen Bürger anstreben können, um diese Belastungsfaktoren zurückzudrängen.

    Pflanzliche Bioindikatoren sind sehr viel anschaulicher als Messreihen. Deshalb taugen sie zur Erzeugung von Umweltbewusstsein besser. Das wurde in der Öffentlichkeitsarbeit und an Schulen in Ditzingen mit viel Erfolg erprobt, berichtet Andreas Klumpp:

    Das Schulprojekt in Ditzingen war ein schönes Modell, das sich viele ausländische Städte zum Vorbild genommen haben, um jetzt auch von Valencia bis Kopenhagen ähnliche Projekte zu initiieren.