Niemand muss sich in Deutschland davor fürchten, dass hierzulande das Licht ausgeht, nur weil sieben Atommeiler abgeschaltet worden sind. Denn auf das europäische Verbundsystem, über das Strom ausgetauscht wird sei Verlass, sagt Uwe Leprich Professor für Energiewirtschaft am Institut für Zukunftsenergiesysteme in Saarbrücken.
"Nein, es droht keine Lücke, denn wir haben immer noch genug Kraftwerke und sind Teil des europäischen Verbundes."
Die Situation werde sich auch dann nicht verschärfen, wenn bis Ende Mai weitere fünf Atomkraftwerke vom Netz genommen werden, weil sie gewartet werden müssten, glaubt Leprich.
"Und ich gehe mal davon aus, dass die Kraftwerksbetreiber wissen, was sie da machen, die Kraftwerke dann in Revision zu geben, das heißt das ist vorher abgesprochen, dass dann im Ausland Kraftwerke zur Verfügung stehen und dann Strom verstärkt importiert wird."
Allerdings hatten Unternehmen und Netzbetreiber nicht damit rechnen können, dass im Mai eine Situation entsteht, dass von 17 deutschen Kraftwerken nur noch fünf am Netz sind. Sie rechnen daher an Modellen, wie die Stromversorgung trotz Revision sicher gestellt werden kann. Denn die vorgesehenen Wartungspläne würden die Betreiber aus Kostengründen nur ungern verschieben. Aber selbst wenn die Wartungsphasen entzerrt werden müssten, sei auch das kein Beinbruch, sagt Professor Leprich.
"Im Vordergrund steht Versorgungssicherheit in Deutschland und wenn diese durch eine Revision, die sich nicht verschieben lässt, gefährdet wäre, dann finden sich immer Mittel und Wege und wenn das Geld kostet, dann ist das halt so."
Die Stromkonzerne haben den Frühsommer unter anderem deshalb für die Überprüfung ihrer Kernkraftwerke ausgewählt, weil dann die ausländischen Nachbarn wie Tschechien und Frankreich Strom übrig haben, den sie nach Deutschland verkaufen können. Das hängt an den klimatischen Voraussetzungen. Die Schneeschmelze hat eingesetzt, die Flüsse führen ausreichend Wasser, das zur Kühlung der dortigen Atomkraftwerke verwendet werden kann. Die Meiler laufen zumindest bis zum Sommer auf Hochtouren. Dann sieht es wieder anders aus, sagt Andreas Brabeck, bei RWE zuständig für Energiepolitik.
"Im Sommer kriegen die Franzosen traditionell mit ihren Kernkraftwerken an der Rhone Probleme, entweder weil die Rhone zu warm ist oder zu wenig Wasser führt, das heißt dort muss dann die Leistung gedrosselt werden. Und wenn gleichzeitig viele Klimaanlagen dann in Betrieb sind in Südeuropa, dann haben wir, wir Deutschen dann mit Lieferungen ausgeholfen."
Zahlen die vom Verband der Gas- und Wasserwirtschaft sowie der Bundesnetzagentur diese Woche veröffentlicht wurden, bestätigten dieses Szenario, so Brabeck.
"Die Belieferung durch Frankreich zum Beispiel hat sich seit Mitte März, seit Abschaltung der sieben AKW verdoppelt."
Doch ist das nicht genau das, was Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht will?
"Ein Abschalten aber deutscher Kernkraftwerke unter Inkaufnahme von Kernkraftwerken aus anderen Ländern, das sage ich ebenso unmissverständlich, das kann und darf nicht unsere Antwort sei."
Aber der Markt reagiert nicht auf fromme Wünsche der Politik. Der Markt orientiert sich am Preis. Im Moment würden noch vorhandene freie Erzeugungskapazitäten bei Gas und Kohle nicht abgerufen, erläutert Andreas Brabeck.
"Wir sehen dadurch, dass massiv Strom aus Tschechien und aus Frankreich kontrahiert wird, dass die Händler nicht auf teure deutsche Kohlekraftwerke und auf Reservekraftwerke zurückgreifen, sondern solange es möglich ist und es ist eben zurzeit möglich, auf billige Auslandsimporte zurück greifen, um den Bedarf zu decken."
Der europäische Strommarkt nimmt auf die Befindlichkeiten deutscher Politiker in Sachen Atomstrom keine Rücksicht. Er lässt sich nicht gängeln. Und dass dies so ist, gilt in Europa als Errungenschaft. Schließlich hat es Jahre gedauert, bis sich die Mitgliedsländer endlich dazu entschlossen haben, die abgeschotteten nationalen Energie-Märkte für den Wettbewerb zu öffnen. Und niemand, auch Angela Merkel nicht, könne ein Interesse daran haben, das Rad nun wieder zurückzudrehen, glaubt Energie-Experte Leprich.
"Frau Merkel hat sicherlich großen Einfluss auf viele Dinge aber auf den grenzüberschreitenden Austausch von Strom, der politisch gewollt ist und der in den Binnenmarkt-Richtlinien vereinbart ist, hat sie überhaupt keinen Einfluss, der findet statt und das ist auch gut so."
Für die Bundesregierung wäre es auch rechtlich kaum möglich, eine Handelsschranke für französischen oder anderen ausländischen Atomstrom zu errichten. Ein solches Vorhaben dürfte die Europäische Kommission auf den Plan rufen, die dafür sorgen muss, dass der Warenverkehr innerhalb der Europäischen Union nicht gestört wird, sagt der Direktor des Kölner Instituts für Energierecht, Ulrich Ehricke.
"Das ist Atomstrom, der ist in Frankreich ordnungsgemäß in den Verkehr gebracht worden, dann darf die Bundesrepublik die Einfuhr nicht behindern."
Es gäbe zwar Ausnahmen von dieser Regel. Wenn zum Beispiel die Volksgesundheit tangiert sei, dürfen Warenimporte gestoppt werden. Aussichtsreich sei ein solches Importverbot jedoch nicht, so Ehricke
"Aber, es muss wirklich die Volksgesundheit insgesamt angreifen, die bestimmte Ware zum Beispiel, dann darf der Staat sagen, wir verbieten den Import."
Überdies halten - trotz Fukushima - die meisten europäischen Staaten die friedliche Nutzung der Atomenergie nach wie vor für eine Technologie, die das Klima entlastet, damit der Umwelt dient und sich somit positiv für den Menschen auswirkt. Für "Atomstrom – Nein – Danke" –Diskussionen ist auf europäischer Ebene kein, oder noch kein Raum.
"Nein, es droht keine Lücke, denn wir haben immer noch genug Kraftwerke und sind Teil des europäischen Verbundes."
Die Situation werde sich auch dann nicht verschärfen, wenn bis Ende Mai weitere fünf Atomkraftwerke vom Netz genommen werden, weil sie gewartet werden müssten, glaubt Leprich.
"Und ich gehe mal davon aus, dass die Kraftwerksbetreiber wissen, was sie da machen, die Kraftwerke dann in Revision zu geben, das heißt das ist vorher abgesprochen, dass dann im Ausland Kraftwerke zur Verfügung stehen und dann Strom verstärkt importiert wird."
Allerdings hatten Unternehmen und Netzbetreiber nicht damit rechnen können, dass im Mai eine Situation entsteht, dass von 17 deutschen Kraftwerken nur noch fünf am Netz sind. Sie rechnen daher an Modellen, wie die Stromversorgung trotz Revision sicher gestellt werden kann. Denn die vorgesehenen Wartungspläne würden die Betreiber aus Kostengründen nur ungern verschieben. Aber selbst wenn die Wartungsphasen entzerrt werden müssten, sei auch das kein Beinbruch, sagt Professor Leprich.
"Im Vordergrund steht Versorgungssicherheit in Deutschland und wenn diese durch eine Revision, die sich nicht verschieben lässt, gefährdet wäre, dann finden sich immer Mittel und Wege und wenn das Geld kostet, dann ist das halt so."
Die Stromkonzerne haben den Frühsommer unter anderem deshalb für die Überprüfung ihrer Kernkraftwerke ausgewählt, weil dann die ausländischen Nachbarn wie Tschechien und Frankreich Strom übrig haben, den sie nach Deutschland verkaufen können. Das hängt an den klimatischen Voraussetzungen. Die Schneeschmelze hat eingesetzt, die Flüsse führen ausreichend Wasser, das zur Kühlung der dortigen Atomkraftwerke verwendet werden kann. Die Meiler laufen zumindest bis zum Sommer auf Hochtouren. Dann sieht es wieder anders aus, sagt Andreas Brabeck, bei RWE zuständig für Energiepolitik.
"Im Sommer kriegen die Franzosen traditionell mit ihren Kernkraftwerken an der Rhone Probleme, entweder weil die Rhone zu warm ist oder zu wenig Wasser führt, das heißt dort muss dann die Leistung gedrosselt werden. Und wenn gleichzeitig viele Klimaanlagen dann in Betrieb sind in Südeuropa, dann haben wir, wir Deutschen dann mit Lieferungen ausgeholfen."
Zahlen die vom Verband der Gas- und Wasserwirtschaft sowie der Bundesnetzagentur diese Woche veröffentlicht wurden, bestätigten dieses Szenario, so Brabeck.
"Die Belieferung durch Frankreich zum Beispiel hat sich seit Mitte März, seit Abschaltung der sieben AKW verdoppelt."
Doch ist das nicht genau das, was Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht will?
"Ein Abschalten aber deutscher Kernkraftwerke unter Inkaufnahme von Kernkraftwerken aus anderen Ländern, das sage ich ebenso unmissverständlich, das kann und darf nicht unsere Antwort sei."
Aber der Markt reagiert nicht auf fromme Wünsche der Politik. Der Markt orientiert sich am Preis. Im Moment würden noch vorhandene freie Erzeugungskapazitäten bei Gas und Kohle nicht abgerufen, erläutert Andreas Brabeck.
"Wir sehen dadurch, dass massiv Strom aus Tschechien und aus Frankreich kontrahiert wird, dass die Händler nicht auf teure deutsche Kohlekraftwerke und auf Reservekraftwerke zurückgreifen, sondern solange es möglich ist und es ist eben zurzeit möglich, auf billige Auslandsimporte zurück greifen, um den Bedarf zu decken."
Der europäische Strommarkt nimmt auf die Befindlichkeiten deutscher Politiker in Sachen Atomstrom keine Rücksicht. Er lässt sich nicht gängeln. Und dass dies so ist, gilt in Europa als Errungenschaft. Schließlich hat es Jahre gedauert, bis sich die Mitgliedsländer endlich dazu entschlossen haben, die abgeschotteten nationalen Energie-Märkte für den Wettbewerb zu öffnen. Und niemand, auch Angela Merkel nicht, könne ein Interesse daran haben, das Rad nun wieder zurückzudrehen, glaubt Energie-Experte Leprich.
"Frau Merkel hat sicherlich großen Einfluss auf viele Dinge aber auf den grenzüberschreitenden Austausch von Strom, der politisch gewollt ist und der in den Binnenmarkt-Richtlinien vereinbart ist, hat sie überhaupt keinen Einfluss, der findet statt und das ist auch gut so."
Für die Bundesregierung wäre es auch rechtlich kaum möglich, eine Handelsschranke für französischen oder anderen ausländischen Atomstrom zu errichten. Ein solches Vorhaben dürfte die Europäische Kommission auf den Plan rufen, die dafür sorgen muss, dass der Warenverkehr innerhalb der Europäischen Union nicht gestört wird, sagt der Direktor des Kölner Instituts für Energierecht, Ulrich Ehricke.
"Das ist Atomstrom, der ist in Frankreich ordnungsgemäß in den Verkehr gebracht worden, dann darf die Bundesrepublik die Einfuhr nicht behindern."
Es gäbe zwar Ausnahmen von dieser Regel. Wenn zum Beispiel die Volksgesundheit tangiert sei, dürfen Warenimporte gestoppt werden. Aussichtsreich sei ein solches Importverbot jedoch nicht, so Ehricke
"Aber, es muss wirklich die Volksgesundheit insgesamt angreifen, die bestimmte Ware zum Beispiel, dann darf der Staat sagen, wir verbieten den Import."
Überdies halten - trotz Fukushima - die meisten europäischen Staaten die friedliche Nutzung der Atomenergie nach wie vor für eine Technologie, die das Klima entlastet, damit der Umwelt dient und sich somit positiv für den Menschen auswirkt. Für "Atomstrom – Nein – Danke" –Diskussionen ist auf europäischer Ebene kein, oder noch kein Raum.