Wenn heutzutage Roboter ihre Umwelt per Kamera erkennen sollen, gibt es ein Riesenproblem: Die schiere Menge der hereinströmenden optischen Daten. Datenreduzierung heißt also die Devise. Schwierig nur, das jeweils relevante für eine bestimmte Situation herauszubekommen. Uns Menschen geht es eigentlich seit jeher genauso. Joshua New, Psychologe an der amerikanischen Yale University:
"Zu jedem Zeitpunkt gibt es so viele Informationen in unserer Umwelt, dass wir uns nicht gleichzeitig auf alle konzentrieren und sie effektiv im Gedächtnis abspeichern können. Wir haben also ständig allen Grund, uns um bestimmte Sinneseindrücke mehr zu kümmern als um andere, etwa um sie intensiver weiterzuverarbeiten, und um uns besser an sie zu erinnern."
Oder zum Beispiel, um nicht von einem Panther, der im äußersten linken Gesichtswinkel auftaucht, gefressen zu werden. Oder, um einem halbrechts fliehenden Hirsch einen Pfeil hinterher zu jagen. Oder um die Absichten eines herannahenden Zweibeiners zu ergründen: Bedrohung oder Beute, Freund oder Feind: Für unsere Vorfahren seit abertausenden von Generationen eine lebenswichtige Frage - und Anlass, bei Tieren und Menschen stets etwas genauer hinzuschauen. Das sollte doch, mutmaßten Wissenschaftler immer schon, im Laufe der Evolution bei der Entwicklung unseres Gesichtssinns Spuren hinterlassen haben.
"In früheren Experimenten hatten Kognitionsforscher ihren Versuchspersonen Fotoserien vorgeführt, und die Probanden sollten immer dann reagieren, wenn sie auf einem Bild einen vorgegebenen Inhalt erkannt hatten. Entgegen der intuitiven Erwartung gab es praktisch keine Geschwindigkeitsunterschiede, egal ob die Probanden jeweils auf Tiere, auf Menschen, auf Gebäude oder Maschinen reagieren sollten."
Auch Joshua New zeigte seinen Probanden komplexe Fotos auf einem Monitor. Aber die Frage war einfach: Was verändert sich auf dem Bild? Während einer sehr kurzen Unterbrechung der Einblendung kam nämlich jeweils ein kleines Detail hinzu, verschwand dann wieder, kam wieder hinzu - solange, bis bei den Betrachtern der Groschen fiel. Die Idee des Experiments: Wenn wir bestimmten inhaltlichen Kategorien grundsätzlich bevorzugt Aufmerksamkeit schenken, dann würden Veränderungen bei diesen Objekten schneller auffallen:
"Die veränderlichen Objekte in unseren Testszenen waren Menschen und Tiere für die Kategorie "Lebewesen” und Pflanzen, Werkzeuge, Gebäude und Geländeformen als Kategorie "leblos” oder "unbeweglich". Tatsächlich wurde das Erscheinen und Verschwinden von Menschen und Tieren viel schneller und zuverlässiger erkannt, ein bis zwei Sekunden schneller als Veränderungen von unbelebten Objekten. Und das ist ein richtig großer Unterschied: Je nach Situation können ein bis zwei Sekunden alles entscheiden."
Das mit den zwei Sekunden gilt durchaus auch in der Großstadt, nur laufen heutzutage weniger Panther oder Hirsche durch unsere Strassen. Wäre unsere bevorzugte Aufmerksamkeit also nicht mittlerweile besser auf andere Ziele hin gerichtet?
"Das moderne Äquivalent zu Tieren sind eigentlich Autos und andere Motorfahrzeuge: Sie sind sehr häufig, bewegen sich dauernd um uns herum, und ihre Bedeutung für uns kann schnell von irrelevant zu lebensbedrohlich wechseln. Ein moderner Stadtmensch hat viel weniger Erfahrung mit Tieren als mit Fahrzeugen. Wenn erhöhte visuelle Aufmerksamkeit also an bewegliche Objekte an sich gekoppelt oder eine Frage der individuellen Erfahrung wäre, müssten uns Fahrzeuge eher in den Fokus geraten als Tiere. Aber das war in den Versuchen eben nicht der Fall."
Die besondere Aufmerksamkeit für andere Menschen ergibt natürlich nach wie vor Sinn, sagt Joshua New. Aber die Tiere, die sehen wir eigentlich durch die Augen unserer Vorfahren.
"Zu jedem Zeitpunkt gibt es so viele Informationen in unserer Umwelt, dass wir uns nicht gleichzeitig auf alle konzentrieren und sie effektiv im Gedächtnis abspeichern können. Wir haben also ständig allen Grund, uns um bestimmte Sinneseindrücke mehr zu kümmern als um andere, etwa um sie intensiver weiterzuverarbeiten, und um uns besser an sie zu erinnern."
Oder zum Beispiel, um nicht von einem Panther, der im äußersten linken Gesichtswinkel auftaucht, gefressen zu werden. Oder, um einem halbrechts fliehenden Hirsch einen Pfeil hinterher zu jagen. Oder um die Absichten eines herannahenden Zweibeiners zu ergründen: Bedrohung oder Beute, Freund oder Feind: Für unsere Vorfahren seit abertausenden von Generationen eine lebenswichtige Frage - und Anlass, bei Tieren und Menschen stets etwas genauer hinzuschauen. Das sollte doch, mutmaßten Wissenschaftler immer schon, im Laufe der Evolution bei der Entwicklung unseres Gesichtssinns Spuren hinterlassen haben.
"In früheren Experimenten hatten Kognitionsforscher ihren Versuchspersonen Fotoserien vorgeführt, und die Probanden sollten immer dann reagieren, wenn sie auf einem Bild einen vorgegebenen Inhalt erkannt hatten. Entgegen der intuitiven Erwartung gab es praktisch keine Geschwindigkeitsunterschiede, egal ob die Probanden jeweils auf Tiere, auf Menschen, auf Gebäude oder Maschinen reagieren sollten."
Auch Joshua New zeigte seinen Probanden komplexe Fotos auf einem Monitor. Aber die Frage war einfach: Was verändert sich auf dem Bild? Während einer sehr kurzen Unterbrechung der Einblendung kam nämlich jeweils ein kleines Detail hinzu, verschwand dann wieder, kam wieder hinzu - solange, bis bei den Betrachtern der Groschen fiel. Die Idee des Experiments: Wenn wir bestimmten inhaltlichen Kategorien grundsätzlich bevorzugt Aufmerksamkeit schenken, dann würden Veränderungen bei diesen Objekten schneller auffallen:
"Die veränderlichen Objekte in unseren Testszenen waren Menschen und Tiere für die Kategorie "Lebewesen” und Pflanzen, Werkzeuge, Gebäude und Geländeformen als Kategorie "leblos” oder "unbeweglich". Tatsächlich wurde das Erscheinen und Verschwinden von Menschen und Tieren viel schneller und zuverlässiger erkannt, ein bis zwei Sekunden schneller als Veränderungen von unbelebten Objekten. Und das ist ein richtig großer Unterschied: Je nach Situation können ein bis zwei Sekunden alles entscheiden."
Das mit den zwei Sekunden gilt durchaus auch in der Großstadt, nur laufen heutzutage weniger Panther oder Hirsche durch unsere Strassen. Wäre unsere bevorzugte Aufmerksamkeit also nicht mittlerweile besser auf andere Ziele hin gerichtet?
"Das moderne Äquivalent zu Tieren sind eigentlich Autos und andere Motorfahrzeuge: Sie sind sehr häufig, bewegen sich dauernd um uns herum, und ihre Bedeutung für uns kann schnell von irrelevant zu lebensbedrohlich wechseln. Ein moderner Stadtmensch hat viel weniger Erfahrung mit Tieren als mit Fahrzeugen. Wenn erhöhte visuelle Aufmerksamkeit also an bewegliche Objekte an sich gekoppelt oder eine Frage der individuellen Erfahrung wäre, müssten uns Fahrzeuge eher in den Fokus geraten als Tiere. Aber das war in den Versuchen eben nicht der Fall."
Die besondere Aufmerksamkeit für andere Menschen ergibt natürlich nach wie vor Sinn, sagt Joshua New. Aber die Tiere, die sehen wir eigentlich durch die Augen unserer Vorfahren.