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Die Deutsche Bank und der Kulturwandel

"Danke für ihre Geduld mit meinem Deutsch" - Anshu Jain will die versprochene neue Kultur der Bescheidenheit der Deutschen Bank offenkundig auch persönlich demonstrieren. Dennoch stehen Agrarspekulationen, Zins-Skandal und Kirch-Prozess dem Kulturwandel im Weg.

Von Michael Braun |
    Kulturwandel? Ginge es nach dem früheren Deutsche-Bank-Vorstand Josef Ackermann wäre das kein Thema. Er verabschiedete sich vor einem Jahr mit der Botschaft, alles laufe gut bei der Deutschen Bank:

    "Ich freue mich, weil ich ihnen heute eine gute Abschlussbilanz vorlegen und diese Bank in guter Verfassung in die Hände meiner Nachfolger übergeben kann."

    So gut war die Verfassung nicht. Mitte Dezember vorigen Jahres entschied das Oberlandesgericht München, dass die Deutsche Bank den Erben des Filmhändlers Leo Kirch Schadensersatz zahlen muss. Die Höhe steht noch nicht fest. Ein Vergleichsangebot über 800 Millionen Euro reichte den Kirchs nicht.

    Zwei Tage zuvor hatten rund 500 bewaffnete Polizisten und Steuerfahnder die Bank durchsucht. Der Grund: Ermittlungen wegen Steuerbetrugs im Handel mit CO2-Zertifikaten. Ungeklärt sind bislang auch Vorwürfe, die Deutsche Bank habe in der Finanzkrise Vermögenswerte zu hoch bewertet und sei nur wegen dieser Tricksereien gut durch die Krise gekommen. Ermittelt wird gegen die Bank auch, weil Mitarbeiter an der Manipulation der wichtigen Zinssätze Libor und Euribor teilgenommen hätten. Die Bank zahlte zudem mehr als 200 Millionen Dollar in einem Vergleich mit der amerikanischen Regierung. Die hatte geklagt, auch die Deutsche Bank habe sich staatliche Bürgschaften für faule Immobilienkredite mit falschen Angaben erschlichen.

    Grundsätzlich blieb der Verdacht, die Bank habe mit ihrem neuen Führungspersonal sich eben nicht vom risikoreichen Investmentbanking abgewendet, habe nicht den Wandel gewählt. Am deutlichsten hatte das Dieter Hein vom bankunabhängigen Analysehaus fairesearch ausgesprochen:

    "Die Bank hat tatsächlich einen Kulturwandel eingeleitet, nämlich hin zu mehr alter Investmentbankkultur. Denn der neue Vorstandschef Jain hat über zehn Jahre das Investmentbanking der Deutschen Bank verantwortet. Und der neue Aufsichtsratschef Paul Achleitner war viele Jahre lang der Chef der größten Investmentbank weltweit, in Deutschland, Goldman Sachs. Also, genau die stehen für die alte Kultur. Und wenn man solche Leite an die Spitze beruft, heißt das, man will die alte Kultur stärken."

    Das suchte die Bank heute zu widerlegen.