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StartseiteAus Religion und GesellschaftZweifeln, lästern, klagen24.04.2019

Die Dichterin Christine LavantZweifeln, lästern, klagen

Sie war das neunte Kind einer armen Arbeiterfamilie. Christine Lavant kommt am 4. Juli 1915 in Kärnten zur Welt. Seit ihrer Kindheit wird sie gequält von schweren Krankheiten. Die Ärzte glauben nicht, dass sie überlebt. Doch sie schreibt rund 1700 Gedichte. Darin ringt sie auch mit Gott.

Von Burkhard Reinartz

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Cover vom vierten Band der Sammlung der Werke von Christine Lavant, im Hintergrund das Gemälde "Hölle der Vögel" von Max Beckmann. (Wallstein Verlag / Christies / dpa)
Cover vom vierten Band der Sammlung der Werke von Christine Lavant, im Hintergrund das Gemälde "Hölle der Vögel" von Max Beckmann. (Wallstein Verlag / Christies / dpa)
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Und manche sind da, sich nur preiszugeben,
sich zu verschwenden und arm zu sein.
Sie stehen wie Bettler im eigenen Leben
und lieben die Blumen, die Winde, den Stein
und das Leid und die Armut, die Schmerzen.

Sie verschenken ihr Beten, ihr Weinen und Lachen,
vertuen ihr Herz wie ein leblos Ding;
wenn je sich ein Leuchten an ihnen verfing,
verteilen sie es wie gewöhnliche Sachen,
verbrennen in Kürze – wie Kerzen.

"Christine Lavant hat seit ihrer Kindheit vor allem mit körperlichen Leiden zu kämpfen gehabt. Sie war das jüngste und neunte Kind einer sehr armen Arbeiterfamilie; und die Ärzte hatten ihr keine Überlebenschance gegeben."

Die Klagenfurter Literaturwissenschaftlerin Doris Moser hat sich ausführlich mit der Dichterin auseinander gesetzt und im Jahr 2015 Christine Lavants "Gesammelte Werke" heraus gegeben.

"Dass sie überlebt hat, zeigt eigentlich schon, welcher Kampfgeist in diesem kleinen Wesen von früh an angelegt war. Dieses Spannungsfeld zwischen der Hoffnung, dass ein Gott helfen möge oder herabsteige vom Weltgerüst und dann doch diese Hoffnungslosigkeit, ich denke, das durchzieht Lavants Lyrik insgesamt."

Ich habe eine Welt und diese Welt brennt!
Und wo etwas brennt, da entsteht Kraft.
Und diese Kraft reißt mit.

Christine Lavant kommt am 4. Juli 1915 als Christine Thonhauser in St. Stefan im Kärntner Lavanttal zur Welt. Als Dichterin wird sie später den Namen ihres Herkunftstals als Pseudonym annehmen.

Typische Kapelle aus dem Lavanttal, Österreich (imago stock&people)Christine Lavant kommt aus dem Lavanttal in Österreich (imago stock&people)

"Mein Vater war Bergmann. Meine Mutter hat tagsüber für die Bauern genäht und dann bis spät in die Nacht gestrickt. Wir hatten nur eine einzige Stube. Ich war das neunte Kind und schon von Geburt an krank."

Unerträgliche Leidensgeschichte

Die frühe Leidensgeschichte des Mädchens klingt unerträglich. Christine leidet unter Tuberkulose, Lungenentzündungen und einer bereits im Babyalter auftretende Skrofulose, chronisch entzündeten Hautgeschwulsten – weshalb sie nur kurz die Volksschule besuchen kann. Mit zwölf Jahren ist ihr Gesundheitszustand so desolat, dass ihr Arzt eine riskante Röntgenbestrahlung verordnet. Diese heilt zwar die Lungentuberkulose und die Wunden der Skrofulose, führt aber zu Verbrennungen an Brust, Hals, Gesicht und zu Spätfolgen wie Schwerhörigkeit, Sehstörungen und Nervenschmerzen.

"Sie konnte nicht spielen mit den Kindern, sie konnte keinen Beruf erlernen, so wie es ihre älteren Schwestern getan haben. Sie konnte eigentlich nicht teilhaben an einem äußeren Leben, weil sie immer wieder krank war, zu Hause bleiben musste. Auch die Schule nie formell abgeschlossen hat. Christine Lavant hat schon früh psychische Leiden entwickelt. Das hatte wahrscheinlich auch zu tun mit diesem Ausgesetzt-Sein und ausgestoßen aus der Gemeinschaft, vor allem der Kindergemeinschaft, auch in der Schule. Sie war immer eine Außenseiterin", sagt Doris Moser.

Christines Gesicht ist oft mit Verbänden bedeckt. Im Dorf wird sie gehänselt und "blinde krätzige Kroft" genannt.

"Jede Nacht ertrinke ich im schwarzen Wasser."

Das Mädchen schreibt Gedichte und einen Roman, der keinen Verleger findet. Ihre seit der Pubertät auftretenden Depressionen nehmen zu. Sie versucht, sich das Leben zu nehmen. Mit 18 Jahren lässt sie sich freiwillig in die psychiatrische Abteilung des Klagenfurter Krankenhauses einweisen. Später wird sie diese Erfahrung in der Erzählung "Aufzeichnungen aus dem Irrenhaus" verarbeiten. In der Klinik erhält die junge Frau eine "Stärkungskur" mit Arsen. Sechs Wochen später heißt es in ihrem Entlassungsbericht:

"Sie ist dankbar - und hat die besten Vorsätze."

Doris Moser: "Christine Lavant hat sehr früh gelernt, mit ihren Gebrechen zu leben."

"Weil es sich für einen armen Menschen nicht gehört"

1937 sterben Christines Eltern. Besonders der Tod ihrer Mutter trifft sie hart. Sie zieht in eine winzige Dachkammer, verdient ihren Lebensunterhalt mit Strickarbeiten und hört auf zu schreiben.

"Meine Schreibwut hielt ich für eine überstandene Krankheit, die ich nie mehr in mir aufkommen lassen wollte, weil es sich für einen armen Menschen nicht gehört."

Kurz nach dem Tod der Eltern heiratet Christine Lavant den mittellosen Portrait- und Landschaftsmaler Josef Benedikt Habernig. Er ist sechsunddreißig Jahre älter und genau wie sie bettelarm. Lavant ernährt das Paar notdürftig durch Strickarbeiten. Daneben liest sie in den Abendstunden Hamsun, Lagerlöf und Dostojewski.

"Lavant war eine manische Leserin. Sie hat in der Bücherei in Wolfsberg immer wieder Bücher ausgeborgt und nach dem Krieg eine mobile Bücherei besucht, die einmal pro Monat durch die Dörfer gezogen ist. Sie hat sehr, sehr viel gelesen", erzählt Doris Moser.

Dann geschieht etwas, das in der Rückschau wie ein modernes Märchen klingt.

"Mir wurde Rilke aufgedrängt"

"Mir wurde eines Tages wider meinen Willen, ein Band Rilke-Gedichte aufgedrängt, die ich nur mitnahm, um die Bibliothekarin nicht zu kränken. Ich wusste von Rilke gar nichts und Gedichte mochte ich überhaupt nicht mehr lesen, weil man dabei nicht stricken kann. Nun – ich habe sie doch gelesen und dann ist es wie ein Wolkenbruch über mich gekommen und ich habe eine Weile fast Tag und Nacht Gedichte gedichtet."

"Wir reden hier von den 1930/1940er-Jahren. Sie hat in dieser trostlosen Zeit gesehen, dass in der Dichtung Leben möglich ist, dass die Dichtung selbst etwas Höheres bieten kann als die Existenz in diesem armen, politisch ganz strikten und gerade für einen Menschen wie Lavant, der unter körperlichen Gebrechen gelitten hat, auch nicht ungefährlichen Leben. Und das hat in ihr wieder die Kräfte freigesetzt, die offensichtlich auch aufgestaut waren über Jahrzehnte", so Doris Moser.

Zehn Jahre literarisches Schweigen lagen zwischen der Entlassung aus der Klagenfurter Psychiatrie und dem zweiten Anlauf ihrer "Schreibwut" im Jahr 1945. Die Dreißigjährige schickt einige ihrer Gedichte an Paula Purscher, die Frau eines Augenarztes, der Christine Lavant schon als Jugendliche behandelt hatte. Purschers Tochter Gertrude schickt einen Teil dieser Gedichte an den Verleger Victor Kuzcak. 1949 erscheint in dessen Stuttgarter Verlag ihr erster Gedichtband "Die unvollendete Liebe".

Ein Jahrzehnt später wird Christine Lavant zu den wichtigsten Schriftstellerrinnen Österreichs gehören und mit Preisen geehrt werden.

"Manchmal erscheint mir alles so unglaublich, als wäre es bloß geträumt. Und ganz zuinnerst warte ich eigentlich darauf, dass alles ein jähes Ende nimmt. Aber wenn auch! Das Schöne kann mir niemand nehmen und meine Gedichte auch nicht."

VISION
Man hat mir heute Nacht mein Herz vertauscht.
Es war so matt und hat sich nicht gewehrt.
Es war vom Abend her noch wie berauscht
und müd und ohne Schutz und stark versehrt
und konnte wie ein krankes Kind getragen werden …
Man hat es mir genommen, und mit Pferden,
die schwarz und hastig waren und vermummt -
ich hörte lange noch die Hufe schlagen -
hat man es fortgebracht; und rasch verstummt
war auch sein letztes banges Nach-Mir-Fragen …
Was man mir ließ und was ich höre schlagen
und was mich zittern läßt, ist nicht mein Herz.
Nur so ein Etwas, ein von Lust und Schmerz
Vermischtes, das nicht auszusagen ...

Grundschmerz und Urangst

Die Gedichte aus Lavants erstem Lyrikband sind zum Teil stilistisch noch an Rilke angelehnt. Der Tonfall schwankt zwischen Melancholie und der Hoffnung auf Trost, Liebe und mehr Leichtigkeit. Doch Lavants Ringen um Erfüllung ist immer durchzogen von einer Art Grundschmerz – gerade auch in ihrer Beziehung zu Gott.

"Es gibt sowohl in der Frühzeit Gedichte, in denen sie mit Gott hadert, und es gibt in den späten Gedichten auch immer wieder Verse des Aufgehoben-Seins in Gott oder in einem göttlichen Prinzip. Ich möchte hier durchaus differenzieren zwischen dem katholisch christlichen Gott und einem göttlichen Prinzip, das überkonfessionell zu denken ist. In diesen ganz frühen Gedichten sieht man schon den Zwiespalt, der sich durch alle diese Gedichte zieht. Lavant traut Gott, der göttlichen Instanz, nicht über den Weg. Sie versucht es. Sie sucht immer. Es ist eine Gottsuche und eine Gottablehnung zugleich", sagt Doris Moser.

Die Echos ihrer traumatischen Vergangenheit, die chronischen Schmerzen, ihre psychischen Krisen begleiteten Christine Lavant ein Leben lang. Sie prägen auch ihr literarisches Werk. Besonders beeindruckend ein Gedicht aus dem Band "Spindel im Mond":

Ein Viertel Schlaf, drei Viertel Angst -
wenn du jetzt ein Gebet verlangst,
dann wird es wohl nicht meines sein;
denn was sonst betet, ist ein Stein
und schwitzt in seiner Grube.
Die Angst weiß, dass ich singe,
sie hat Geduld, stört keinen Ton,
läßt mich dich, Vater, Geist und Sohn
in allen Namen nennen.
Sie ist sehr stark in dieser Nacht,
macht schwerberauscht und überwacht
zugleich das Niederbrennen
von aller Zuflucht hier und dort
und geht dann voller Schwermut fort,
als würde ich nichts taugen.
Schlaf rinnt in meine Augen,
Schlaf überwältigt das Gebet,
mit dem der Stein sich heimwärts dreht.

"Die Angst ist Christine Lavants lebenslanger Begleiter gewesen. Da ist die Urangst der körperlich Benachteiligten und "untüchtig Geborenen" - wie sie selbst schreibt. Eine zweite dieser Ängste: die sogenannte "Ölberg Angst", eine Essenz aller Lebensangst insgesamt. Und die dritte, die Sterbe- und Todesangst, eine "Angst vor dem Absterben bei lebendigem Leibe", so Doris Moser.

"Solange ich schreibe, bin ich glücklich"

Während der Zeit des Nationalsozialismus, schreibt Christine Lavant, sei sie "zu einer völligen innerlichen Stummheit verurteilt" gewesen - war sie doch mit ihrer schweren körperlichen Behinderung und der Selbsteinweisung in die "Landes-Irrenanstalt" gefährdet durch die NS-Euthanasie. Jetzt bricht es ihr "aus allen Rändern heraus": "Ich konnte überhaupt nichts mehr als schreiben". In weniger als eineinhalb Jahrzehnten entsteht von 1946 bis 1960 in oft rauschhaften Arbeitsphasen ihr Hauptwerk: rund 1700 Gedichte und 1200 Seiten Prosa.

"Solange ich schreibe, bin ich glücklich, wenn es auch oft mit solchen Schwierigkeiten verbunden ist, von denen sich nur wenige eine Vorstellung machen können. Aber das Schreiben ist halt das einzige, was ich habe. Ich lache und weine darin, bete an und verspotte. Es ist meine schmerzhafte Stelle und zugleich meine heilende Salbe."

1972 erschien eine Auswahl der Gedichtbände, die Lavants Ruhm begründet hatten, im Deutschen Taschenbuchverlag: "Die Bettlerschale", "Spindel im Mond" und "Der Pfauenschrei". Neben anderen Ehrungen erhielt sie zweimal den Georg-Trakl-Preis. Sie verdiente ihren Lebensuntererhalt weiter mit Strickarbeiten, bekam aber auch eine Art Stipendium. So lebensrettend Dichtung für Christine Lavant auch war, litt sie gleichzeitig unter einem schmerzhaften Riss zwischen Poesie und Alltag.

"Kunst wie die meine ist nur verstümmeltes Leben. Hätte ich sechs Kinder, das wäre das wahre Leben."

Doris Moser: "Vollkommenes Leben ist diesseitiges Leben: das Leben mit der Familie, in einer Familie - und für Lavant war das natürlich ganz bedeutsam, dass der Kinderwunsch unerfüllt geblieben ist."

Oh Gott, heb auf den schweren Stein.
Lass mich nur ein paar Schritte machen,
dein Hundsstern wird mich überwachen
und streng auf meiner Fährte sein.

Ich will nur bis zum Wundklee hin
und eins der rauen Blätter kauen,
du musst mir auf die Finger schauen,
weil ich so arg zerschunden bin.

Heb auf mein Herz, erlaub den Gang,
sonst muss ich mich nach unten graben
und dort das Pech der Erde schaben,
mich darin wälzen breit und lang.

Dann würde ich verhärtet sein
für dich und für die Sterbestunden -
hast du den Hundsstern losgebunden?
Erbarme dich, heb auf den Stein!

"Wenn davon die Rede ist, 'Oh Gott, heb auf den schweren Stein', dann ist dieses Bild mehrfach codiert. Der Stein ist der Stein, realiter, aber ist eben auch eine Metapher für das versteinerte Herz. Er ist aber zugleich auch dieser Sargdeckel am Grab Jesu. Das ist die Methode, mit der Lavant immer wieder ihre Gedichte konstruiert: Sie legt verschiedene Bedeutungen in ein- und denselben Begriff. Dadurch bekommen die Texte auch dieses Changierende", erklärt Doris Moser.

Absage an die etablierte Kirche

Das Ringen um spirituellen Halt, Trost und Erlösung durchzieht das Werk Christine Lavants von den Anfängen bis zu ihren letzten Gedichten. Der Ton ihrer Verhandlungen mit Gott, ihr sich Empören, Bitten, Lästern und Klagen wirkt wild und provozierend.

Vergiss dein Pfuschwerk, Schöpfer!
Sonst wirst du noch zum Schröpfer
an dem, was Leichnam ist und bleibt
und sich die Erde einverleibt
viel lieber als den Himmel.

Und Jesus treibt in einem Kahn
sehr weit am andern Rand der Welt,
und meine letzte Hoffnung bellt
am Ufer durch den Gegenwind.

Das bäuerliche Leben im Lavanttal war verwoben mit der Idee einer Urschuld des Menschen und der Hoffnung, dass Heilige als Nothelfer den Menschen unter die Arme greifen. Gegen diese - wie Lavant später schreibt - "Rettungsmannschaften des katholischen Himmels" lehnt sie sich schon bald auf. Ihre religiösen Gedichte sind durchzogen von einer Absage an die etablierte Kirche als "gottwohlgefällige Seelentrösterin".

"Ich denke, dass das Gottesbild Christine Lavant sehr viel eher ein alttestamentarisches ist als ein neutestamentarisches. Es gibt ja auch Gedichte, in denen sie die "Seligpreisungen" als "Klumpen" abtut, als eine leere Sage, und sehr harsch auch mit Jesus Christus ins Gericht geht. Lavants spirituelle Auffassung ist jedenfalls geprägt durch eine Weite, die konfessionelle Grenzen überschreitet. Konfessionen waren für sie nicht wichtig. Und in den einzelnen Gedichten sieht man auch ganz deutlich die unterschiedlichen Traditionen, die da zum Tragen kommen", so Doris Moser.

Hoffnung auf Erlösung

Christine Lavant studiert die Schriften Meister Eckharts, Sören Kierkegaards und Georges Gurdjieffs, korrespondiert mit Martin Buber über das Judentum und beschäftigt sich eingehend mit dem Buddhismus.

"Wenn man davon ausgeht, dass das Nirvana ja nicht eine Vorstellung des Nichts ist, sondern als Leere und Ende des Leidens, dann kann man auch nachvollziehen, warum genau solche Überlegungen für Lavant, die zeitlebens gelitten hat an körperlichen und psychischen Leiden, besonders bedeutsam waren."

Nach verschiedenen Aufenthalten im Pflegeheim stirbt Christine Lavant am 7. Juni 1973 mit achtundfünfzig Jahren in Wolfsberg an den Folgen eines Schlaganfalls.

Wer ihre Gedichte liest, mag erschrecken über die Wucht der Gottesanklagen.

Sie scheut sich nicht davor, Bilder der christlichen Mythologie radikal auf den Kopf zu stellen. Doch nie aus simpler Provokation, sondern immer gespeist aus lebenslangem Leiden an sich, der Welt, an Gott und durch die Hoffnung auf Erlösung.

Das war mein Leben, Gott, vergiß das nicht!
Ich werde niemals wieder eines haben -
du kannst's verzögern, dass sie mich begraben
und dass mein Herz an diesem Kummer bricht;
doch seither bin und bleib ich eine Leiche.
Sag nicht, so viele hätten schon das gleiche
mit deiner Hilfe herrlich überstanden
und wären fromm und Heilige geworden.
Mein Leichnam tobt und will sich noch ermorden
und die dazu, die dich als Trost erfanden,
dort, wo du niemals wirksam bist.
An meinen Nerven zehrt ein Wolf und frißt -
bist das auch du? Und wühlt denn deine Hand
in meinem Häuflein glimmenden Verstands
so grob herum und hält mich überwach,
wenn alle schlafen? Gott, sag das nicht nach,
sag keins der lauen Worte der Frommen!
Ich will ja nicht in ihren Himmel kommen!
Noch einmal noch – bevor sie mich begraben -
lass mich im Traum ein Fünklein Liebe haben.

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