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Die Erde schlägt zurück

Klima. - Noch ein Buch über den Klimawandel? Eigentlich steht darüber längst schon alles geschrieben. Das "Szenario 2035" von Claus-Peter Hutter und Eva Goris verdient trotzdem viele Leser, denn es liefert eine packende Synthese zwischen Fiktion und Fakten.

Von Ralf Krauter | 28.06.2009

    Die Fiktion, das sind acht belletristisch geschriebene Kapitel, die Geschichten vom irdischen Alltagsleben im Jahr 2035 erzählen. Und das sind alles Horrorgeschichten: Ein Wirbelsturm samt Sturmflut fordert in Hamburg 12.000 Tote, ein Bergrutsch in den österreichischen Alpen verschüttet ein ganzes Tal und seine Bewohner für immer. Bangladesch versinkt im Meer, krankheitsübertragende Stechmücken führen zur weltweiten Ausbreitung von Seuchen, die Jahrzehnte zuvor nur in Entwicklungsländern ein Problem waren; Millionen Klimaflüchtlinge vegetieren in streng gesicherten Auffanglagern dahin.

    Der Leser könnte diese düsteren Szenarien als Schwarzmalerei abtun – wenn da nicht jeweils die zweite Hälfte der Kapitel wäre, wo nüchtern, konzise und in erdrückender Klarheit die wissenschaftlichen Fakten zu den prognostizierten Folgen der Erderwärmung beschrieben und mit einer Menge Grafiken und Bildern veranschaulicht werden.

    Durch diese geschickte Kombination wird nämlich auch dem Letzten klar: Was sich wie Science Fiction liest, droht tatsächlich Wirklichkeit zu werden, wenn die Menschheit nicht ganz schnell die Kurve bekommt. Fazit: Ein pfiffig konzipiertes, exzellent gemachtes, prima zu lesendes und vor allem aufrüttelndes Buch für alle, die mitreden wollen.

    Claus-Peter Hutter, Eva Goris: Die Erde schlägt zurück. Wie der Klimawandel unser Leben verändert – Szenario 2035
    ISBN: 978-3-426-27503-0
    Droemer Verlag, 256 Seiten, 25 Euro