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StartseiteHintergrundDie Indios vor der Machtübernahme?16.12.2005

Die Indios vor der Machtübernahme?

Präsidentschaftswahl in Bolivien

Dienstagabend, Plaza Villaruel in La Paz. Abschlusskundgebung von Evo Morales. Die Plaza ist ein Meer aus blauen Fahnen und Transparenten, der Farbe von MAS, der "Bewegung zum Sozialismus". Tausende drängen sich vor der Bühne, um Zeuge eines historischen Moments zu sein.

Eine Sendung von Gottfried Stein

Tausende Bolivianer forder im Oktober 2003 in La Paz den Rücktritt von Präsident Gonzalo Sanchez de Lozada. (AP)
Tausende Bolivianer forder im Oktober 2003 in La Paz den Rücktritt von Präsident Gonzalo Sanchez de Lozada. (AP)
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Alles spricht dafür, dass Evo Morales die Präsidentschaftswahl am Sonntag gewinnt. Damit wäre zum ersten Mal überhaupt ein Indio Staatsoberhaupt eines lateinamerikanischen Landes. Morales will Bolivien radikal verändern:

"Das Volk Boliviens, die Bewohner von La Paz, alle gesellschaftlichen Sektoren sind entschlossen, unser Bolivien zu verändern, und das bedeutet, Bolivien neu zu gründen, dem Kolonialstaat und dem neoliberalen Modell ein Ende zu bereiten und das Erdgas wieder für die Bolivianer zu gewinnen. Alle, Intellektuelle, Freiberufler, soziale Gruppen, gesellschaftliche Führer, alle sind bereit, unser Land zu befreien und neu zu gründen."

Evo Morales spricht dem Volk aus dem Herzen. Rund zwei Drittel der bolivianischen Bevölkerung sind Eingeborene: Aymara, Quechua, Gurani. Die meisten leben in bitterer Armut und fühlen sich von der Elite der Weißen und Mestizen unterdrückt und ausgebeutet. Selbst Bernd Abendroth, Präsident des Bolivianischen Arbeitgeberverbandes, sieht die Notwendigkeit eines Wechsels:

"Die Bevölkerung braucht einen Wandel. Bolivien braucht eine Änderung. Bolivien braucht eine Annäherung, dass die einheimische Bevölkerung von unten nach oben kommt. Ich habe mit Evo gesprochen und habe ihn gefragt, ob er wirklich will, dass jetzt dieses ganze Bild sich umkehrt. D.h., dass die von oben nach unten gehen und die von unten nach oben gehen. Da sagt er: Nein, wir wollen gemeinsam versuchen, dass die von unten jetzt langsam hochkommen, dass sie mal ein Einkommen haben, das akzeptabel ist. Wenn man überlegt, dass sechzig Prozent der bolivianischen Bevölkerung unter einem Dollar am Tag hat, dann ist das doch eben kritisch. Das kann sich nicht halten und muss auch abgeändert werden auf lange Sicht, sonst wird es in Bolivien kompliziert werden."

In El Alto, der 800.000-Seelenstadt im bolivianischen Hochland, herrscht normaler Alltag: Kleinbusfahrer buhlen um Passagiere, am Straßenrand preisen Frauen in ihren bunt gestickten Jacken, Schultertüchern und den typischen Bowler-Hüten ihre Waren an. 90 Prozent der Bevölkerung hier sind Indios. Die Stadt oberhalb von La Paz ist ein Pulverfass: Hierher strömen täglich hunderte von Menschen aus den völlig verarmten Hochlandregionen – auf der verzweifelten Suche nach Wohnung und Arbeit. Sie sind verbittert und geben dem Staat die Schuld an ihrem Schicksal:

"Auf dem Land leben wir in völliger Armut, weil wir keine Hilfe von der Regierung bekommen. Wir leben praktisch von der Hand in den Mund, die Leute haben nur minimale Einkünfte. Die Viehzucht bringt zuwenig, es wird kaum etwas angebaut."

Besonders betroffen von der Armut sind Jugendliche. Bolivien ist dreimal so groß wie Deutschland und hat ca. neun Millionen Einwohner. Jedes Jahr kommen rund 60.000 Jugendliche aus der Schule – ohne Aussicht auf Weiterbildung oder auf einen Arbeitsplatz. Boliviens Jugend sei eine Generation ohne Hoffnung, klagt eine Mutter:

"Sie heiraten sehr jung, haben kein Geld, keine Möglichkeit zu studieren, haben schon Familie, sind bettelarm und wissen nicht, wo sie arbeiten sollen. Hier gibt es praktisch kaum Möglichkeiten, deshalb auch die Armut."

Obwohl Bolivien über reiche Ergas- und Ölvorräte verfügt, gilt das Land als Armenhaus Südamerikas. Dabei folgt der Staat - wie die meisten lateinamerikanischen Länder - seit den achtziger Jahren dem neoliberalen Wirtschaftsmodell Washingtons. Die Schlüsselindustrien und Infrastrukturbetriebe wurden privatisiert, die Märkte geöffnet. Die staatliche Ölindustrie ging in die Hände ausländischer Großkonzerne. Aber das alles half der armen Bevölkerung wenig, sagt die Politikwissenschaftlerin Gabriela Ichaso:

"Die Probleme sind die gleichen, die Leute haben kein Wasser, die Lehrer bekommen keine Bezahlung, die Lebensqualität in Bolivien ist für die große Mehrheit sehr schlecht, es ist nur eine kleine Gruppe, deren Lebensqualität ähnlich der der Mittelklasse im Rest Südamerikas ist. Die große Mehrheit lebt wie in der Vorzeit, ohne Wasser, ohne Gesundheitsvorsorge, ohne sanitäre Einrichtungen, ohne anständige Erziehung, ohne Straßen."

Rückblick. Oktober 2003. Im Zentrum von La Paz spielen sich bürgerkriegsähnliche Szenen ab. Soldaten schießen in die Menge, die Demonstranten antworten mit Steinen und Molotowcocktails. Es gibt Dutzende von Toten – Präsident Lozada muss schließlich außer Landes fliehen.
Auslöser der Unruhen war die Absicht Lozadas, bolivianische Ölvorräte in die USA und nach Mexiko zu exportieren. Anfang dieses Jahres kam es wieder landesweit zu schweren Unruhen. Aufgebrachte Indios legten über Wochen mit massiven Straßenblockaden ganze Landesteile lahm, und wieder ging es um die Erträge aus der Gas- und Ölindustrie. Gimena Costas, Ex-Vizeministerin und Direktorin des Instituts für politische Studien in La Paz:

"Im Grunde sind vor allem diese Naturschätze und das Land heutzutage das Thema unserer politischen Tagesordnung. Das Thema des politischen Kampfes ist, Erde zurück zu gewinnen. Die politische und wirtschaftliche Elite soll abgelöst werden, die 20 Jahre geherrscht und Naturschätze und Land ausgebeutet hat. Ihnen wollen sie sagen: Jetzt sind die anderen, sind wir dran. Wir wollen unser Land und unsere Bodenschätze."

Angeführt wird die Protestfront aus Landarbeitern, Kokabauern und Gewerkschaftern von Evo Morales. Um ein Haar wäre er schon bei der Wahl 2002 Präsident geworden, damals verbündete sich das bürgerliche Lager noch erfolgreich gegen ihn. Jetzt zwang er mit den Protesten und Blockaden die Regierung in die Knie: Der Kongress verabschiedete ein Gesetz, das die ausländischen Ölkonzerne verpflichtet, statt wie bisher 18 jetzt 50 Prozent ihrer Gewinne an den Staat abzuführen. Unternehmer und Investoren bekämpften das Vorhaben, aber letztlich sei das Gesetz zum Nutzen der Bevölkerung, sagt Bernd Abendroth, Präsident des Arbeitgeberverbandes:

"Es war eine Maßnahme, die gefunden werden musste. Denn wenn man davon ausgeht - wie Vertreter von den Petroleumgesellschaften angegeben haben -, wir investieren einen Dollar und haben zehn Dollar Verdienst dabei – das sind zehn Dollar aus dem Land raus -, dann ist die Politik in der Zukunft eben darauf gerichtet, dass die zehn Dollar eben nicht mehr herausgezogen werden, sondern nur noch vier und der Rest im Land investiert wird und damit erreicht wird, dass eben doch Investitionsvolumen stattfinden können. Und das führt automatisch dazu, dass die Bevölkerung natürlich hinter ihm steht und heutzutage immer mehr die Mittelschicht oder mittlere Oberschicht auch ihm zuspricht, weil er wirklich für etwas gekämpft hat, was sinnvoll war."

Jetzt greift Evo Morales nach dem höchsten Amt im Staat, getragen von einer Welle der Begeisterung, vor allem seitens der indigenen Bevölkerung, aber auch von Intellektuellen, Künstlern und Klein- und Mittelständischen Unternehmern.
Auch der Arbeitgeberverband, der Morales lange bekämpft hat, will mit ihm zusammenarbeiten. Aber die Front der Moralesgegner ist stark. Sie hat Jorge, genannt Tuto, Quiroga ins Rennen geschickt - ein Wirtschaftsliberaler, der im Jahr 2000 schon einmal übergangsweise Präsident war und mit seiner Bewegung "Podemos" (wir können), der einzige Kandidat ist, der Morales gefährlich werden könnte. Quiroga predigt unverdrossen das von der indigenen Bevölkerung so verhasste neoliberale Wirtschaftsmodell:

"Nach fünf sehr harten Jahren sind die internationalen Rahmenbedingungen vielleicht so günstig wie nie zuvor, die Exporte sind doppelt so teuer. Die Möglichkeiten, Gas teurer zu verkaufen, das Land zu industrialisieren, die Auslandsschuld zu bedienen, Ressourcen zu bekommen, um Autobahnen zu bauen, Arbeitsplätze zu schaffen und Märkte zu öffnen, sind sehr, sehr groß."

Ortswechsel. Das japanische Krankenhaus in Santa Cruz, der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. In der Haupthalle warten mindestens hundert Patienten auf ihren Aufruf. Überall in den Gängen sind Menschen, dazwischen versuchen Ärzte und Schwestern, den Ansturm zu organisieren. Das Krankenhaus ist für 2000 Betten ausgelegt, tatsächlich aber ist es hoffnungslos überfüllt, im Schnitt sind 5000 Betten belegt. Die Provinz im tropischen Tiefland ist das Wirtschaftszentrum Boliviens, und hierher strömen zehntausende Menschen aus den verarmten Hochlandregionen. In Santa Cruz hat sich eine mächtige Bewegung gebildet, die die Autonomie der Provinz fordert. Einer der Fürsprecher ist der Direktor des Krankenhauses, Dr. Carlos Dabdu:

"Wir waren immer der Meinung, dass der zentralistische Staat, der
heute existiert, eine Entwicklung der einzelnen Landesteile nicht ermöglicht.
Deshalb hat Santa Cruz Autonomie innerhalb des Einheitsstaates gefordert, eine politische Autonomie, die es erlaubt, eigene Autoritäten zu wählen, ferner eine wirtschaftliche Autonomie, die die Verwaltung der eigenen Ressourcen erlaubt, sowie eine steuerliche Autonomie, die es ermöglicht, Abgaben und Steuern zu erheben."

Nicht jeder hat so gemäßigte Ansichten. Manche Unternehmer in Santa Cruz sprechen offen aus, dass sie sich am liebsten vom ungeliebten Hochland mit seinen Indios abspalten möchten. Jetzt haben sie immerhin durchgesetzt, dass sie bei den Kongresswahlen drei Sitze mehr bekommen, aufgrund des hohen Bevölkerungszuwachses. Die Politologin Gimena Costa glaubt, dass es in Wahrheit um mehr geht:

"Der Regionalismus ist nicht das eigentliche Thema, sondern damit werden zwei Dinge zugedeckt: Erstens das Interesse, dass Territorien und Landbesitz nicht angetastet werden – die Großgrundbesitzer im Osten wollen ihre Interessen wahren – das ist das konkrete und materielle Interesse, - und in ideologischer oder symbolischer Hinsicht wird der starke Rassismus einer Gesellschaft verdeckt, in der es Diskriminierung in allen Spielarten gibt, wo viele Menschen sich davor fürchten, dass ein Indio an die Macht kommt."

In den Umfragen liegt Morales deutlich vor Quiroga, auch wenn es zu einer absoluten Mehrheit nicht reicht. Aufgrund des bolivianischen Wahlsystems kommt es aber nicht zur Stichwahl, sondern der Kongress wählt dann im Januar den neuen Präsidenten. Dieses im Grunde undemokratische Verfahren weckt natürlich Spekulationen. Bei der Wahl 2002 war der knapp an zweiter Stelle liegende Morales nur gescheitert, weil die beiden bürgerlichen Kandidaten im letzten Moment im Kongress miteinander kungelten. Könnte ähnliches jetzt auch passieren und Quiroga damit an die Macht kommen? Gimena Costas:

"Wenn er wieder an die Regierung kommt, wäre das ein wirklich sehr negatives Szenarium, denn abgesehen von seiner Persönlichkeit, repräsentiert Quiroga die Summe dessen, was die alte politische Elite der traditionellen Parteien darstellte, die während der letzten 20 Jahre an der Macht waren. In der politischen Vorstellung der Gesellschaft bedeutet diese Allianz die Rückkehr zum alten System, zum Parteiensystem. Die Leute werden das interpretieren als die Rückkehr dieses korrupten Systems, sodass dann, glaube ich, das Land unregierbar wird."

Sollte Quiroga Präsident werden, haben die Indios bereits eine Fortsetzung der Blockaden und Proteste angekündigt – solange, bis er zurücktritt. Aber wenn – wie es aussieht – Morales Präsident wird, sind die Erwartungen in ihn natürlich riesig. Trotzdem würde sich das Land zunächst stabilisieren, glaubt Bernd Abendroth:

"Wenn Evo Morales gewählt wird, ist erst mal Ruhe, und zwar gehe ich davon aus, dass die nationale Bevölkerung, die einheimische Bevölkerung erst mal einen Pakt machen wird. Für sie ist es unheimlich wichtig, dass sie einen Präsidenten von ihrer Rasse haben. Das wird für die wahrscheinlich doch dazu führen, dass es im nächsten Jahr erst einmal Ruhe geben wird. Was danach kommt mit Verstaatlichungen - ich glaube, da wird eine interessante Politik gemacht werden. Und zwar wird verstaatlicht werden, zwei Betriebe werden verstaatlicht werden. Und zwar sind das zwei Betriebe, die aber sowieso schon eine Riesensteuerschuld haben."

Der Indianermarkt von Tarabuco. Der Ort ist bekannt für seine Webkunst. Hier bieten Indios in ihren traditionellen Kleidern vor allem Touristen ihre Ware an. Jeder hat seine eigen Tracht: die ledigen Frauen, die Verheirateten, die Witwen. Die schwarzen Lederhelme der Männer sind Nachbildungen der Helme der spanischen Konquistadoren – das ist Tradition, keine Reminiszenz an die Vergangenheit. Aber die Kleidung drückt den Konflikt aus: Sie wollen sich endlich lösen aus den Schatten der Jahrhunderte langen Unterdrückung – und dabei ihre Identität und Tradition bewahren. Für Evo Morales geht dieser Kampf über die Landesgrenzen hinaus:

"Wir wollen die Andenregion nicht restaurieren, wir wollen, diese große gemeinsame Heimat neu gestalten, aber als Brüder, als Nachbarn, mit gemeinsamen Programmen, Prinzipien und Ideen, um die Probleme der Mehrheit und vor allem der Quechua, Aymara, Gurani und Mapuche zu lösen, aller Völker, die bisher als Tiere behandelt wurden, die aussterben sollten. Wir organisieren uns, um unsere Interessen zu verteidigen."

Vor allem die radikalen Indios um Felipe Quispe, dem Führer der indigenen Arbeiterbewegung in El Alto, sprechen unverhohlen vom Kampf der Rassen: Die Weißen, die Nachfahren der Spanier, müssten den Indios endlich zugestehen, was ihnen gehört:

"Man sieht uns als irrational, als Bewegung, die nur für soziale Forderungen kämpft. Nein: Uns geht es um die Übernahme der politischen Macht, um einen Angriff auf die politische Macht. Sie haben uns von der politischen Macht und aus unseren Gebieten vertrieben, eine koloniale Minderheit im Lande, und sie müssen uns die Gebiete zurückgeben, denn "Was Gott ist, gehört Gott und was Cäsar gehört, gehört Cäsar."

Für Morales sind Radikale wie Quispe, der früher einer Guerillagruppe angehörte und einige Jahre im Gefängnis saß, eine Gefahr. Sein Problem ist: Sein jahrelanger Kampf hat natürlich unterschiedlichste Erwartungen geschürt. Als Führer der Kokabauern hat Morales zum Beispiel versprochen, den Kokaanbau wieder unbegrenzt zuzulassen. Die Radikalen wollen eine Verstaatlichung der kompletten Öl- und Gasindustrie, die Orthodoxen die Rückgewinnung eines direkten Meerzuganges, der seit der Niederlage gegen Chile im Salpeterkrieg versperrt ist. Eine schwere Hypothek, glaubt die Politologin Gimena Costas:

"Die MAS ist keine organisch gewachsene politische Partei mit einer Spitze, einer Führerschaft und einer Basis, die auf Befehle hört. Im MAS ist Evo Morales nicht der Führer, sondern der Sprecher. Es gibt viele politische Gruppen, Zusammenschlüsse von Bürgern, Parteien, er muss dieser Verschiedenartigkeit eine Stimme verleihen, aber er befiehlt nicht.
Und wenn Evo an die Macht kommt, wird er ihnen nicht alles geben können, was sie verlangen. Deshalb wird er lernen müssen, nein zu sagen, ich erhöhe die Löhne nicht, das Benzin wird teurer werden, man muss Steuern zahlen, und dann werden die Leute gegen ihn auf die Straße gehen und sagen: Evo Morales hat uns verraten, er hat uns an die Oligarchie , an den Imperialismus verkauft. Er soll gehen."

Bereits jetzt beschuldigen Teile der Bewegung, Morales sei, wie sie sagen, "mit Krawatten liiert" und sei nach Rechts abgedriftet. Der Grund: Wenige Tage vor der Wahl hat der im bürgerlichen Lager so misstrauisch beäugte Kandidat klargestellt, dass er nicht an eine Verstaatlichung von Privatbesitz denke. Auch Bernd Abendroth vom Arbeitgeberverband glaubt, dass der vermeintliche Revolutionär Realpolitik machen wird:

"Ich glaube, dass Evo Morales es mehrfach gesagt hat, dass er nur funktioniere, nur arbeiten kann mit Unterstützung der Arbeitgeber. Das heißt, das Problem Boliviens momentan ist Arbeitslosigkeit, soziale Unruhen aufgrund der Arbeitslosigkeit, speziell in La Paz und speziell im Alto, wo eben jährlich 63.000 neue Jugendliche in den Arbeitsprozess einbezogen werden müssen und nicht hinein können. Und sein Programm läuft darauf hinaus, alles zu unternehmen, damit neue Wirtschaftseinheiten entstehen können."

In La Paz geht alles seinen gewohnten Gang. Die Stimmung vor der Wahl ist ruhig, entspannt. Nichts deutet darauf hin, dass am Sonntag eine Schicksalswahl stattfindet – eine Wahl zwischen Aufbruch und Abgrund, zwischen Chaos und der vagen Hoffnung, dass das Armenhaus nach Jahrzehnten der Depression eine Perspektive bekommt. Die Wahl ist dabei nur ein erster Schritt: Im Juli soll die Bevölkerung in eine Volksabstimmung über die Einberufung einer Verfassungsgebenden Versammlung entscheiden, und gleichzeitig über eine weitgehende Autonomie der Provinzen. Die Abstimmung bedeutet auf jeden Fall, das die indigene Bevölkerung endlich ernst genommen – und gefragt wird.

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