
Seit einigen Tagen hat Israel die Angriffe auf den Gazastreifen nach der Feuerpause wieder aufgenommen. Dazu schreibt die chinesische Zeitung JIEFANG RIBAO aus Shanghai: "Dass die israelische Armee die Luftangriffe nun auch auf den Süden des Gazastreifens ausgeweitet hat, deutet auf einen dauerhaften Kriegszustand hin. Weitere kurzfristige Verhandlungspausen sind nicht ausgeschlossen. Doch auf dem Weg zu einem endgültigen Kriegsende gibt es zu viele Hindernisse. Die internationalen Vermittlungsgesuche sind nicht in der Lage, Israel von seinem Kurs gegen die Hamas abzubringen. Während die USA und Europa die Ziele Israels unterstützen, plädieren China, die arabische Welt und der globale Süden für einen sofortigen und dauerhaften Waffenstillstand", analysiert JIEFANG RIBAO aus China.
Die BERNER ZEITUNG aus der Schweiz sieht Differenzen zwischen US-Präsident Biden und Israels Ministerpräsident Netanjahu: "Seit klar ist, dass die israelischen Geheimdienste Hinweise auf den Hamas-Terroranschlag verschliefen, äußert sich Netanjahu noch kompromissloser, um von eigenen Fehlern abzulenken. Biden wiederum verliert zunehmend die Unterstützung muslimischer Amerikaner und linker Aktivisten, weil er sich klar hinter Israel stellte. Nun, da Biden seine Israelpolitik neu ausrichtet, öffnet er eine Flanke für Kritik von rechts. Innenpolitisch kann er sich beides gerade nicht leisten, weil er im nächsten Jahr zur Wiederwahl antritt, bedrängt vom republikanischen Rivalen Donald Trump, einem Freund Netanjahus", bemerkt die BERNER ZEITUNG.
Die türkische Zeitung CUMHURIYET aus Istanbul geht davon aus, dass es auch innerhalb Israels Meinungsverschiedenheiten gibt: "Die Regierung sagt 'Kämpft, bis wir die Hamas vernichtet haben', während die Armee sagt, 'Kämpft, bis wir die Geiseln befreit haben'. Praktiker sind in der Regel näher an der Realität. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die israelische Armee klarer als die Regierungsmitglieder festgestellt hat, dass die Hamas in Gaza nicht besiegt werden kann. Das heißt, eine Lösung ohne Hamas im Gazastreifen ist unrealistisch. Andererseits gibt es in Israel einen Konflikt sowohl zwischen der Regierung und der Armee als auch innerhalb des Sicherheitsapparates selbst. Es geht um die Frage, wer den Preis für das Versagen am 7. Oktober zahlen soll. Die Geheimdienste beschuldigen sich gegenseitig, in dem sie Dokumente an Zeitungen durchstecken", hält CUMHURIYET aus der Türkei fest.
"Die Eskalation scheint wieder unaufhaltsam zu sein", befürchtet die belgische Zeitung DE TIJD aus Brüssel: "An der Grenze zum Libanon kommt es zu Gefechten mit der vom Iran unterstützten Hisbollah. Vor dem Jemen griffen vom Iran unterstützte Huthi-Rebellen zwei israelische Tanker an und erklärten Israel den Krieg. Im Irak haben die USA Angriffe gegen Milizen unternommen, die ebenfalls mit dem Iran verbündet sind. Es ist eine Eskalation in kleinen Schritten, aber sie ist da."
Auch das WALL STREET JOURNAL befasst sich mit den Angriffen der Huthi-Rebellen auf Handelsschiffe im Roten Meer: "Die Huthis, die bei Waffen und Ausbildung auf den Iran zählen, würden diese Angriffe niemals ohne die stille oder ausdrückliche Zustimmung der iranischen Revolutionsgarden durchführen. Sie sind Teil der Stellvertreterkämpfe des Irans, mit denen er Israels Verbündeten, darunter US-Truppen, zusetzt. Die Huthis stellen eine erhebliche Bedrohung für wichtige Schifffahrtsrouten im Roten Meer dar. Früher oder später könnte eine ihrer Raketen ein Handelsschiff versenken und womöglich sogar US-amerikanischen Seeleuten Schaden zufügen. Dies ist ein weiteres Versagen der Biden-Regierung in ihrer Abschreckungsstrategie", bemängelt das WALL STREET JOURNAL aus New York.
Nun zur Weltklimakonferenz in Dubai. Das japanische Blatt MAINICHI SHIMBUN empfiehlt, das Format zu verkleinern: "Über 80.000 Personen sind als Teilnehmer registriert, doppelt so viele wie bei der letzten Konferenz in Großbritannien. Und das in den Zeiten, wo Flugreisende schlechtes Gewissen haben, weil Flüge die Umwelt stark belasten. Man fragt sich zwangsläufig: Ist es wirklich notwendig, dass für diese Konferenz so viele Menschen aus aller Welt einfliegen? Kleinere, ärmere Nationen können nicht so viele Personen schicken, was Nachteile gegenüber reicheren Staaten in den Verhandlungen darstellt. Es wäre fair, wenn die Teilnehmerzahl pro Nation begrenzt wird." Soweit die Zeitung MAINICHI SHIMBUN aus Tokio.
Die russische Zeitung NESAWISSIMAJA GASETA greift den sogenannten Klimaclub auf, den Bundeskanzler Scholz für die internationale Entwicklung einer kohlenstofffreien Industrie vorgeschlagen hat: "Es ist klar, dass die Gewinnung möglichst vieler Teilnehmer für einen solchen Club – wie Scholz es plant – zu einem starken Anstieg der Exportkosten für Russland führen wird. Russische Hersteller sollen nämlich die Kosten für den CO2-Ausstoß im Rahmen der Produktion des einen oder anderen ins Ausland gelieferten Produkts tragen. Daher bildet sich eine alternative Sichtweise auf den Außenhandel mit kohlenstoffintensiven Gütern heraus: ein Konzept, bei dem der Käufer für die Emissionen aufkommen muss. Die Debatte darüber, wer für die Emissionen zahlen soll – der Ressourcenlieferant oder der Verbraucher – könnte sich hinziehen, und der Konflikt der Konzepte für die Zukunft einer kohlenstoffarmen Welt nimmt in Dubai konkrete Formen an", prognostiziert die NESAWISSIMAJA GASETA aus Moskau.
In den GULF NEWS aus Katar wird in einem Gastbeitrag der erste sogenannte Gesundheitstag auf der UNO-Klimakonferenz gelobt: "Es ist mehr als ein Meilenstein; es ist ein Wendepunkt für den globalen Klimadialog. Stellen Sie sich eine Welt vor, in der die öffentliche Gesundheit mit dem Klimaschutz verflochten ist - das ist die Vision, für die sich die Weltklimakonferenz einsetzt. Es geht nicht nur um die Bekämpfung des Klimawandels, sondern auch um die Gestaltung von Gesundheitssystemen, die widerstandsfähig genug sind, um diesen Veränderungen standzuhalten und sich ihnen anzupassen. Diese Initiative eröffnet neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit, bei der die Staaten ihr Wissen bündeln und Innovationen im Gesundheitswesen vorantreiben", notiert ein Gastkommentator in den GULF NEWS aus Doha.
In Venezuela haben sich die Wahlberechtigten in einem Referendum für die Annexion des ölreichen Gebiets Essequibo im Nachbarstaat Guyana ausgesprochen. Die portugiesische Zeitung CORREIO DA MANHA führt dazu aus: „Venezuelas Präsident Nicolás Maduro hat einen mehr als hundert Jahre alten Gebietsstreit ausgegraben. Warum ausgerecht jetzt? Eine Erklärung ist sicherlich, dass in Essequibo große Ölvorkommen entdeckt wurden, die inzwischen von Konzernen wie dem US-amerikanischen Exxon Mobil ausgebeutet werden. Aber Maduro dürfte noch einen weiteren Grund haben: Als Vertreter des sogenannten Sozialismus des 21. Jahrhunderts trägt er die Verantwortung für die katastrophale wirtschaftliche Lage in Venezuela, und 2024 stehen Wahlen an“, bilanziert CORREIO DA MANHA aus Lissabon.
Die venezolanische Zeitung ANALITICA aus Caracas beschäftigt sich in diesem Zusammenhang mit der Rolle des Internationalen Gerichtshofes: "Es ist offensichtlich, dass man in Den Haag die Gültigkeit des Schiedsspruchs von 1899 prüft, wonach das Gebiet zu Guyana gehört. Sollte sich dabei herausstellen, dass der Schiedsspruch ungültig ist, könnten Verhandlungen mit Guyana aufgenommen werden. Aber in jedem Fall darf es in dieser Angelegenheit keine andere Lösung geben als eine, die auf dem internationalen Recht basiert. Die Regierung in Caracas sollte sich deshalb juristisch gründlich vorbereiten. Es ist zu hoffen, dass sich die Vernunft durchsetzt." Mit dieser Stimme aus Venezuela endet die internationale Presseschau.
