
Die polnische Zeitung RZECZPOSPOLITA bemerkt zum bisherigen Bildungsminister Attal: "Der 34-Jährige ist nun der jüngste französische Premierminister seit Gründung der Fünften Republik durch General de Gaulle im Jahr 1958. Attal ist krankhaft ehrgeizig und verärgert damit andere Anwärter auf Macrons Erbe, darunter Verkehrsminister Clément Beaune und Innenminister Gérald Darmanin. Attals spektakulärer Aufstieg gefällt auch dem ehemaligen Regierungschef Édouard Philippe nicht, der bei den Präsidentschaftswahlen in etwas mehr als drei Jahren bislang als Favorit des liberalen Lagers galt. Doch Attal ist ein in der Bevölkerung beliebter Politiker und verfügt über gute Kontakte zum rechten Flügel. Er wäre durchaus in der Lage, Marine Le Pen bei den Wahlen 2027 zu besiegen", meint RZECZPOSPOLITA aus Warschau.
Die chinesische Zeitung XINJINGBAO vermutet: "Macron hat ihn wohl auch deshalb ausgewählt, um das Image seiner wackligen Regierungskoalition nach den Turbulenzen um das schließlich verabschiedete neue Einwanderungsgesetz wieder etwas aufzupolieren und in stabileres Fahrwasser zurückkehren zu können. Bislang war der französische Präsident stets darauf bedacht gewesen, einen Regierungschef auszuwählen, der ihm nicht die Schau stehlen kann. Das könnte sich nun ändern, aber noch ist es zu früh, zu sagen, ob dies den Start für eine große politische Karriere von 'Macron Junior' bedeutet", vermerkt XINJINGBAO aus Peking
Die spanische Zeitung EL PAIS beobachtet, Auslöser der jüngsten Regierungskrise in Frankreich sei: "die Verabschiedung eines verschärften Einwanderungsgesetzes im Dezember mit den Stimmen der gemäßigten Rechten. Der Applaus von Le Pen – die sogar von einem 'ideologischen Sieg' sprach – war peinlich für einen Präsidenten, der sich als ihr großer Gegner darstellt. Le Pen lauert und ihre Partei gilt als Favorit für die Europawahl im Juni, die erste Bewährungsprobe für den neuen Premier. Attals Aufgabe ist es, das Gespenst der extremen Rechten in Frankreich zu vertreiben. Macrons größte Niederlage wäre, wenn seine Nachfolgerin Le Pen hieße", vermutet EL PAIS aus Madrid.
Die SALZBURGER NACHRICHTEN aus Österreich sprechen von einer Verzweiflungstat des Präsidenten, der abermals einen politischen Neuanfang versuche: "Fast acht Jahre nach seinem triumphalen Sieg und drei Jahre nach seiner Wiederwahl befindet sich Macron in der politischen Sackgasse. Aufgrund des fehlenden Kooperationswillens der Opposition wird jeder Gesetzgebungsprozess zum Drahtseilakt. Der Präsident, dem die Verfassung außerordentlich große Macht verleiht, stößt an harte Grenzen, weil er nur über eine relative Mehrheit in der Nationalversammlung verfügt."
Die französische Tageszeitung LIBÉRATION aus Paris findet: "Im Kopf wirkt Gabriel Attal nicht so jung. Sein kurzer Abstecher beim Bildungsministerium hat ihn uns zeigen lassen, dass sich hinter seiner eher modernen Kommunikation konservative Überzeugungen verbergen. In dieser Hinsicht sorgt die Ernennung Gabriel Attals für Klarheit: Sie bestätigt, dass sich in der Macronie nichts ändert. Es wird weiterhin versucht, uns einen Bären aufzubinden und Linke für Rechte zu verkaufen - oder umgekehrt, man weiß es nicht mehr."
Themenwechsel. Die kolumbianische Zeitung EL PAÍS äußert sich zu den jüngsten Enwicklungen im benachbarten Ecuador: "Die Flucht eines Bandenchefs aus einem Gefängnis in Guayaquil löste eine Welle der Gewalt aus, Polizisten wurden getötet und ein Fernsehsender während einer Livesendung gestürmt. Es war dies der schlimmste terroristische Akt seit dem Amtsantritt von Präsident Noboa vor anderthalb Monaten, und wie so oft in den letzten Jahren ist wieder einmal Ecuadors Stabilität bedroht. Die Drogenbanden sind reich geworden, und nun übernehmen sie die Gefängnisse, schüchtern die Bevölkerung ein und korrumpieren die Behörden. Dadurch säen sie Chaos und bauen ihre Macht immer weiter aus. Ecuador muss seine Stabilität zurückgewinnen und seine Institutionen retten, um als Rechtsstaat zu überleben", verlangt EL PAÍS aus Cali.
Die mexikanische Zeitung LA RAZON aus Mexiko-Stadt urteilt: "Die Lage in Ecuador ist ernst, nachdem kriminelle Banden eine Welle der Gewalt losgetreten haben. Sie gehören zu den mexikanischen Drogenkartellen wie dem von Sinaloa, die auch den Schmuggel in diesem südamerikanischen Land kontrollieren. Präsident Noboa ist erst seit Kurzem an der Macht, und er hat den Ausnahmezustand erklärt, nachdem einer der wichtigsten Drogenbosse des Landes aus dem Gefängnis entkommen war. Klar ist nur eines: Die Behörden hatten die Lage nicht im Griff und bemerkten erst viel zu spät die Flucht", unterstreicht LA RAZON.
Die ecuadorianische Zeitung LA HORA schreibt, der gestrige Tag werde "als ganz besonders finsteres Kapitel in die Geschichte unseres Landes eingehen. Das organisierte Verbrechen nutzte den staatlichen Fernsehsender TC Televisión, um mit gezückter Waffe seine Terrorbotschaft zu verbreiten und die Behörden zu erpressen. Die Mitarbeiter und der Sender hatten bereits eine schwierige Zeit hinter sich, und so etwas hätte unter gar keinen Umständen passieren dürfen. Heute steht das Land geeint zusammen, und wir Ecuadorianer werden niemals zulassen, dass man uns unseren Staat wegnimmt." Das war die Meinung von LA HORA aus Quito.
Die US-amerikanische Zeitung WASHINGTON POST widmet sich der erneuten Nahost-Reise von Außenminister Blinken: "Israel sollte jetzt anerkennen, dass es keine vernünftige, langfristige Einigung mit den Palästinensern gibt, die nicht die Schaffung eines palästinensischen Staates beinhaltet. Alternative Ansätze - eine direkte israelische Besetzung des Gazastreifens, Blockade, verschiedene Formen der begrenzten palästinensischen Selbstverwaltung - sind allesamt gescheitert. Die Hindernisse sind offensichtlich, ebenso wie das Scheitern früherer Friedensgespräche. Aber US-Präsident Biden, Israel, die arabischen Staaten und alle weiteren Akteure sollten versuchen, den Menschen im Gazastreifen Hoffnung zu machen, dass aus den Ruinen etwas Besseres entstehen kann", mahnt die WASHINGTON POST.
Die türkische Zeitung YENI ŞAFAK geht ein auf US-Präsident Biden, der wie 2016 seine Wahlkampagne im Bundesstaat South Carolina begann: "Diesmal protestierten einige Besucher und forderten eine 'sofortige Waffenruhe' in Gaza. Das zeigt, dass der Gazastreifen bei den Demokraten eine große Rolle spielt, Biden tut allerdings wenig, um diese Reaktionen einzudämmen. Im Gegenteil, er unterstützt die Operationen Israels im Gazastreifen. Das zeigt, dass die Unterstützung der Schwarzen und der Jugend für Biden abnimmt. Es wird für Biden schwierig, eine Einheit innerhalb der Demokraten zu schaffen, ohne einen kritischen Schritt in der Israel-Frage zu unternehmen. Aber Biden ist auf die Unterstützung der schwarzen Wähler und der Begeisterung der jungen Wähler angewiesen", gibt YENI ŞAFAK aus Istanbul zu bedenken.
Nun noch ein Kommentar der japanischen Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN zu einem Unfall mit einer Maschine des US-Luftfahrtkonzerns Boeing, bei dem sich ein Kabinenteil während des Flugs löste: "Es nicht das erste Mal, dass Boeing mit Sicherheits- und Qualitätsproblemen konfrontiert wird. Bei zwei Abstürzen von Maschinen des Types '737 MAX' sind 2018 und 2019 insgesamt fast 350 Personen ums Leben gekommen. Einer der Gründe könnte sein, dass Boeing wegen des Wettbewerbs mit Airbus die Maschinen überhastet entwickelte. Das frühere Management, das unter Erfolgsdruck der Aktionäre stand, ist wohl verantwortlich dafür, dass das Budget für die Forschung und Entwicklung verringert wurde. Boeing will 2024 eigentlich eine große Aufholjagd zu Airbus starten, sagte CEO David Calhoun – mit dem Vorfall aber ist der Start ins neue Jahr schlecht gelaufen", bilanziert NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio zum Ende der internationalen Presseschau.
