
Dazu schreibt die belgische Zeitung DE TIJD: "Das Ausmaß der US-Vergeltungsmaßnahmen ist enorm. Innerhalb von zwei Tagen wurden 121 Ziele in drei Ländern bombardiert. Und das ausgerechnet auf Befehl eines Präsidenten, der seit Monaten versucht, ein Übergreifen des Gaza-Kriegs auf den Rest des Nahen Ostens zu verhindern. Seit dem Beginn dieses Kriegs am 7. Oktober wird jede Bewegung im Nahen Osten durch ein Vergrößerungsglas betrachtet. Präsident Biden weiß das nur zu gut. Er betonte daher, dass die USA keinen Krieg anstreben. Das Regime in Teheran bezeichnete die Bombardierung trotzdem als 'strategischen Fehler'. Ungeachtet des geopolitischen Kalküls in Washington und Teheran ist die Gefahr eines Flächenbrandes jedoch groß", unterstreicht DE TIJD aus Brüssel.
Die britische Zeitung THE TIMES aus London bemerkt: "Es ist unwahrscheinlich, dass Luftangriffe im Kampf gegen terroristische Gruppen und Milizen, wie sie im Nahen Osten verstreut sind, von entscheidender Bedeutung sein können. Diese Organisationen sind zu diffus, zu mobil, haben zu wenige anfällige feste Infrastrukturen und können daher kaum aus der Luft besiegt werden. Die amerikanische Militäraktion der letzten Tage gegen die vom Iran unterstützten Gruppen im Irak und in Syrien wird die Operationen dieser Gruppen zwar stören, sie aber nicht unterbinden."
Die österreichische Zeitung DER STANDARD analysiert: "Am Wochenende hat eine neue Phase des erweiterten Gazakriegs begonnen: Durch ihre massiven Luftschläge in Syrien und im Irak versuchen die USA die militärischen Einsatzregeln im Umgang mit dem Iran zu klären. Die USA reagierten auf einen tödlichen Angriff Iran-freundlicher irakischer Milizen auf US-Soldaten in Jordanien. Beides ist eine Grenzüberschreitung im Schaufechten, das sich seit dem 7. Oktober zwischen Hamas und Israel-Unterstützern aufschaukelt. Das US-Ziel bleibt, die Erweiterung des Gazakriegs zu stoppen, indem man die Iran-Stellvertreter, die im Namen der Hamas agieren, abschreckt und eindämmt. Noch immer stehen pragmatische Interessen gegen eine Ausweitung des Kriegs. Aber beendet werden kann er nur durch eine Friedenslösung für den Gazastreifen", glaubt DER STANDARD aus Wien.
Die türkische Zeitung MILLIYET aus Istanbul ist folgender Meinung: "Die USA versuchen, einen neuen Funken in der Region zu vermeiden, die sich in ein Pulverfass verwandelt hat. Es muss verhindert werden, dass sich der Konflikt mit dem Iran zu einem echten Krieg ausweitet. Denn der könnte nicht mehr wie in früheren Zeiten auf einzelne Länder begrenzt werden, da alle Staaten im Nahen Osten ihre Kampfkraft erhöht haben."
In der japanischen Zeitung ASAHI SHIMBUN aus Tokio ist zu lesen: "Die Eskalationsspirale im Nahen Osten wird weitergehen. Am Ende muss Washington doch die Initiative ergreifen und Israel zum Stopp des Gazakriegs überreden und auf eine Zweistaatenlösung drängen. Das ist die ultimative Lösung."
"Dass nun auch das US-Militär in den Nahost-Krieg involviert ist, ist ein Zeichen der Zuspitzung der Lage", meint die taiwanische Zeitung LIANHE BAO: "Mit den dauerhaften Angriffen auf den Gazastreifen verliert Israel zunehmend das Vertrauen der Weltöffentlichkeit. Als wichtigster Bündnispartner hat die US-Regierung den Zeitpunkt verpasst, für eine Waffenruhe in Gaza zu sorgen. Nun muss Washington selbst die Folgen seiner Politik tragen. Darüber hinaus dürften Auswirkungen solcher Militäraktion wie die Angriffe auf die Milizen eher beschränkt sein. Auch mit Blick auf die bevorstehenden US-Wahlen sollte sich Präsident Biden zurückhalten", rät LIANHE BAO aus Taipeh.
Die dänische Zeitung POLITIKEN aus Kopenhagen merkt an: "Je mehr geschossen und gebombt wird, desto mehr wächst das Risiko einer weiteren Eskalation bis hin zu einem umfassenden Krieg. In Wahrheit geht es im Nahen Osten gar nicht so sehr um den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern oder eine Zweistaatenlösung, sondern es geht um die Macht in der Region."
Die arabischsprachige, in London erscheinende Zeitung SHARQ AL-AWSAT hält fest: "Durch den Überfall der Hamas auf Israel wurde der Nahe Osten zum Schauplatz gleich mehrerer, miteinander verbundener Kriege – und das, obwohl alle Parteien erklären, den Krieg nicht ausweiten zu wollen. Zwar hat die US-Regierung sich selbst eine Grenze gesetzt, indem sie beschloss, in der Konfrontation mit dem Iran diesen nicht auf seinem eigenen Territorium anzugreifen. Doch die Konfrontation zwischen den beiden Staaten wirft längst die Frage auf, wo in der Region die Grenzen Teherans und wo die Washingtons verlaufen." So weit SHARQ AL-AWSAT.
Themenwechsel. Seit drei Wochen demonstrieren an den Wochenenden bundesweit hunderttausende Menschen gegen Rechtsextremismus. Die polnische Zeitung RZECZPOSPOLITA führt aus: "Das einst stabile, konsensuale und orchestrierte Deutschland, der politische Fels des vereinten Europas, gleicht heute einem Feld chaotischer und gefährlicher politischer Kämpfe. Die Unzufriedenheit mit der Politik der Regierungskoalition aus Sozialdemokraten, Grünen und Liberalen erreicht neue Rekorde. Die Christdemokraten stehen gleichzeitig am Rande einer inneren Spaltung. Bauernproteste lähmten das Land, und die Anti-Establishment-Partei Alternative für Deutschland ist inzwischen die zweite politische Kraft in der Wählerliste", notiert die RZECZPOSPOLITA aus Warschau.
Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG erläutert in einem Gastkommentar eines Politikwissenschaftlers: "Die Herausforderung, vor welcher die deutsche Demokratie hier und heute steht, sind die Wahlerfolge der AfD – und gegen die hilft moralische Empörung wenig. So einfach und so schwierig ist es. Diese Wahlerfolge sind es ja auch, die erklären, dass sich plötzlich elementare Sorgen um die Zukunft der Republik in Großdemonstrationen artikulieren. Erstaunlicherweise hat das Erschrecken aber nicht als Impuls gewirkt, mit erneuerter, lernbereiter Intensität über die Frage nachzudenken, wie denn der Vormarsch der AfD zu bremsen sei. Man bekräftigt vielmehr die alten Antworten, die offensichtlich die richtigen nicht waren", beobachtet die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG aus der Schweiz.
Nun noch Kommentare zum 20. Geburtstag des sozialen Netzwerks Facebook. In der norwegischen Zeitung DAGBLADET heißt es: "Als Facebook-Gründer Mark Zuckerberg vor 20 Jahren im Alter von 19 Jahren das Netzwerk erfand, war das zuerst eine unterhaltsame Art für ihn, mit Freunden zu kommunizieren. Aber das Bild vom sympathischen Jungunternehmer hat immer mehr Risse bekommen. Längst wird auch über die Rolle der sozialen Medien und ihre Macht über unser Leben debattiert. Gerade weil das auch eine sehr persönliche Frage ist, schaffen es die Behörden auf der ganzen Welt nicht, diese Branche vernünftig zu regulieren. Rund zwei Milliarden Menschen nutzen heute Facebook, und es ist imponierend, dass dieses Medium angesichts einer harten Konkurrenz immer noch die Nummer eins ist. Der politische Aspekt bleibt die größte Herausforderung für soziale Medien. Ihre Algorithmen spalten die Bevölkerung und isolieren Menschen. Ihre Daten werden genutzt, um Falschinformationen zu verbreiten und Wahlen zu unterlaufen", stellt DAGBLADET aus Oslo klar.
Die spanische Zeitung LA VANGUARDIA sieht es so: "Mehrere Milliarden Menschen auf der Welt nutzen eine der Plattformen von Zuckerbergs Konzern Meta, zu dem neben Facebook auch Instagram und Whatsapp gehören. Der Firmenchef hat die Bedenken über die Rentabilität seines Unternehmens zerstreuen können. Nicht aber die Zweifel der Behörden in Bezug auf den Datenschutz der Nutzer. Die Regierungen der Welt müssen also noch stärker darauf achten, dass dieser gewährleistet ist und dass die verbreiteten Informationen echt und ohne Hassaufrufe sind." Das war zum Ende der internationalen Presseschau LA VANGUARDIA aus Barcelona.
